Laura Zumbaum, Erfinderin des koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks Selosoda

Alle lieben Kaffee: 149 Liter davon trinkt jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr. Dass dieser aus Kaffeebohnen gewonnen wird, weiß jeder. Aber schon mal von Kaffeekirschen gehört? Das ist die rote fleischige Frucht, die die Bohne umschließt. Und wie die Bohne enthält auch die Hülse Koffein. Normalerweise landet diese aber im Müll, während die Bohnen geröstet oder gemahlen in unseren Supermärkten ankommen.

Die Früchte einer Kaffeepflanze

Gründerin Laura Zumbaum will das ändern. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, Kaffeekirschen populärer zu machen. Wie das gehen soll? Mit einem Erfrischungsgetränk.

Hipster, aufgepasst!

Das Rezept von Selosoda ist simpel gehalten: Die Kaffeekirschen werden mit Wasser aufgegossen, Kohlensäure, Bio-Orangensaft und Bio-Zitronensaft hinzugefügt. Das soll so aufputschend sein wie zwei Espressi. Sonst komme nichts in ihr Getränk, versichert Zumbaum nicht ohne Stolz.

Pro 100 Milliliter enthält Selosoda nach eigenen Angaben etwa anderthalb Gramm natürlichen Zucker. Zum Vergleich: das als Hipster-Getränk verschriene koffeinhaltige Club-Mate kommt auf fünf Gramm für dieselbe Menge.

Zumbaum ist 26 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitete bis jetzt in Startups wie dem Berliner Unternehmen Coffee Circle. Sie gehört also zur Zielgruppe, an die sich Club-Mate richtet. Aber: Sie ist auch Teil der Generation Y, die immer mehr wert auf Bio-Essen legt und skeptisch die unaussprechbaren Wörter auf vielen Zutatenlisten betrachtet.

„Gerade in unserer Generation nimmt gute Ernährung einen hohen Stellenwert ein. Das Bewusstsein für fair produzierte und qualitativ hochwertige Lebensmittel nimmt zu“, ist sie überzeugt. Wird Selosoda das neue In-Getränk?

Kult in Kaffee-Anbauländern

Erfunden hat die BWLerin das Konzept des Kaffeekirschen-Getränks nicht. In Kaffee-Anbauländern wird die Kaffeekirsche schon seit langer Zeit von Einheimischen zu Tee aufgegossen und getrunken. „Kaffee für Arme“ wird der Aufguss dort auch genannt. Auch in Panama, wo Zumbaum die getrockneten Kirschen für neun Euro pro Kilo direkt vom Kaffeebauer bezieht. Durch die Nutzung der Kaffeeschalen werde der Ertrag der Kaffeepflanze erhöht, die Einnahmen des Farmers stiegen so um 50 Prozent, ist sie überzeugt.

Seit einigen Jahren tauchen die getrockneten Früchte auch in westlichen Ländern auf, Kaffee-affine Menschen kennen sie wahrscheinlich schon. Allzu große Bekanntheit hat der auch als Cascara (dt. Schale) bekannte Tee aber bislang nicht erlangen können. Zumbaums Idee macht hierzulande die Runde: Medien wie das Handelsblatt oder die WirtschaftsWoche berichten über die 26-Jährige und ihr im Juni vergangenen Jahres gegründetes Startup Selo Good Beverages.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Christophe Maire und ProSiebenSat.1 setzen auf Hipster-Essen

Derzeit hat Zumbaum etwa 50 Kunden in ganz Deutschland, die meisten befinden sich in Berlin. Einer davon ist das Café Ben Rahim in dem touristischen Berliner Viertel Hackescher Markt, wo wir uns zum Interview treffen. Als ich an der Theke eine Flasche Selosoda bestelle, ist der Barista erst einmal perplex. Oft scheint das Getränk also nicht über die Ladentheke zu gehen.

Teurer Spaß

Entweder ist das Produkt noch nicht bekannt genug. Oder der Preis schreckt viele Kaffeefanatiker ab – denn der ist mit 3,50 Euro pro Flasche durchaus hoch. Auf der Homepage von Selosoda ist eine Flasche für 3,30 Euro zu haben, allerdings kommen noch die Versandkosten hinzu. Bestellt man online bei Edeka eine Kiste Club-Mate kostet eine Flasche (nach Aufrechnung des Lieferpreises) knapp ein Euro. „Auch wenn in vielen Cafés in großen Städten mittlerweile die Durchschnittsschorle bei drei Euro liegt. Mir ist bewusst, dass der Preis für Selosoda hoch ist“, so Zumbaum.

Auf 2,50 bis 3 Euro will Zumbaum den Preis pro Stück senken, doch dafür muss sie größere Mengen produzieren lassen. Viel weniger wird sie nicht verlangen können – oder wollen.

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Der hohe Preis liegt sicherlich auch an dem Transportweg des Produktes. Und der ist nicht gerade umweltschonend. Von Mittelamerika aus werden die Früchte nach Hamburg verschifft, von wo sie weiter nach Süddeutschland transportiert werden. Bei einem Safthersteller wird das Getränk zubereitet und abgefüllt. Dann geht es weiter nach Berlin. Für ein Unternehmen, das sich mit fair produziertem Produkt brüstet, ist diese Logistik widersprüchlich. Das weiß auch Zumbaum. Sie habe versucht, in der Nähe von Berlin einen Produzenten zu finden – aber niemand war bereit, in so kleinen Mengen zu produzieren.

Zickige Konkurrenz

Selosoda ist nicht das einzige Erfrischungsgetränk auf dem Markt, das aus den Kirschen der Kaffeepflanze gewonnen wird. In Nürnberg bietet die Kaffee-Rösterei Machhörndl ein Getränk namens Wilde Ziege an. Außer dem Sud der aufgegossenen Kaffeekirschen und Zitronensaft wie bei Selosoda enthält es noch Agavendicksaft. Der Preis: gerade mal 1,50 Euro. Auch international kann man ähnliche Getränke kaufen. Zum Beispiel gibt es auf Hawaii ein Unternehmen, das einen aus Kaffeefrüchten hergestellten „Superjuice“ herausbringt.

Um sich der Konkurrenz zu stellen, will Zumbaum bald ein kleines Team um sich versammeln und die bisherige Produktion von 22.000 Flaschen seit Juni 2015 auf 250.000 steigern. Auf StartNext hat sie über 20.000 Euro von der Crowd bekommen. Bislang hat sie das Unternehmen über einen Kredit finanziert.

Selosoda wird für den Preis dem günstigen Aufputsch-Getränk Club-Mate nicht den Rang ablaufen. Aber sollte es der Gründerin gelingen, den Preis noch weiter zu senken und dennoch nicht die Reinheit der Zutatenliste aufs Spiel zu setzen, wird das Erfrischungsgetränk aus Kaffeekirschen sicherlich seinen Platz am Markt finden. Denn lecker ist es auf jeden Fall.

Artikelbild: Selosoda; Bild im Text: Kim Richters