Sentibar-Gruender

„Auf einer Skala von eins bis zehn, wie belagert fühlen Sie sich gerade?“ Die Sentibar-Gründer Tobias Pfaff, Fahad Siddiqui und Ulrich Schoof (von links)

Dubiose Umfrageergebnisse und banale Passanten-Befragungen interessieren die Gründer von Sentibar nicht. Tobias Pfaff, Fahad Siddiqui und Ulrich Schoof bevorzugen hieb- und stichfeste Daten.

Die drei Gründer betreiben mit Sentibar eine Datenbank für repräsentative Umfragen. Von wem eine Studie in Auftrag gegeben wurde oder welches Institut sie durchführte, spielt keine Rolle. Sortiert sind die aktuell rund 1.120 Umfragen nach Themenfeldern wie Technologie oder Wirtschaft. Die wichtigsten Eckdaten der jeweiligen Studie wie der Erhebungszeitraum sind auf Sentibar aufgeführt und Ergebnisse stichpunktartig zusammengefasst. Die Originalstudien sind dort verlinkt.

Anzeige
Der Auswahlprozess der Umfragen läuft halb-automatisiert: Anhand von Stichworten erfasst und poolt ein Web-Crawler repräsentative Umfragen. Der Algorithmus filtert die erfassten Texte semantisch, entnimmt und sortiert relevante Informationen und spielt sie anschließend in ein Editing-Interface ein.

Dann wird manuell geprüft, ob die eingesetzten Quellen und Meta-Daten stimmen. Auch wenn die Erkennungs- und Kuratierungsprozesse laut Mitgründer Ulrich Schoof in Zukunft noch stärker automatisiert werden sollen: „Die menschliche Qualitätssicherung wird es noch lange geben“, sagt er.

Mit ihrem Dienst richten sich die Gründer vor allem an Journalisten sowie Markt- und Meinungsforscher die Sentibar zur Recherche nutzen können, aber auch an Verantwortliche in der Öffentlichkeitsarbeit. Außerdem, so Schoof, könne die Plattform mittelfristig auch für Unternehmen interessant sein, die ihre eigenen Umfragedaten speichern wollen. „Bei vielen Unternehmen gibt es dieses Wissensmanagement nicht, weshalb Umfragen oft auch unwissentlich doppelt oder mehrfach beauftragt werden“, sagt Schoof.

Die drei Gründer aus Westfalen, die das Projekt noch in Teilzeit schultern, nahmen mit ihrer Idee im vergangenen Jahr am EU-geförderten Accelerator-Programm von Speed UP! Europe teil. Im Zuge des Programms erhielten sie ein Seed-Funding in Höhe von etwa 35.000 Euro. Außerdem halfen bislang Freunde und Familie finanziell aus. Aktuell sei man auf der Suche nach Investoren, so Schoof.

Wie sich Sentibar einmal genau finanzieren soll, steht noch nicht endgültig fest. Angedacht ist etwa ein Freemium-Modell, bei dem Nutzer für weitere Features wie zum Beispiel eine intelligentere Suche zahlen müssten. Ebenfalls denkbar: Affiliate-Marketing. Wenn Leser weiterführende Berichte von Instituten kaufen wollten, könnten sie das über Sentibar tun. Das Startup würde dafür eine Provision einstreichen.

Anfang dieser Woche ist Sentibar offiziell gestartet.

Bild: Sentibar