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Sequoia-Investor Tal Morgenstern vergangene Woche in Wien

„Wir interessieren uns nicht für Nischenprodukte“

Mit 6Wunderkinder investiert die legendäre kalifornische Investmentfirma Sequoia Capital zum ersten Mal in ein deutsches Startup. Wie aber man kommt man an das Geld des Super-VC? Auf dem Wiener Pioneers Festival gibt Tal Morgenstern von Sequoias Venture Team in Tel Aviv Antworten auf drei Fragen.

Welche Hauptfehler machen die Startups, die ihr ablehnt?

Der größte Fehler ist wahrscheinlich, Kompromisse zu machen, wenn es um Team-Mitglieder geht. Häufig sehe ich BWLer, die einfach nur jemanden brauchen, der für sie programmiert – also gehen sie Kompromisse ein, sie sind faul, wenn sie neue Team-Mitglieder dazuholen. Und das Team ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum VCs nicht in ein Startup investieren. Mein Rat wäre: Nicht kurzfristig optimieren, sondern wirklich intensiv darüber nachdenken, wer zum Team gehören soll. Der zweite Fehler ist, zuviel zu investieren, bevor man überprüft hat, dass es überhaupt einen Markt für das Produkt gibt. Häufig legen Startups einfach los, sie haben ihre KPIs und so weiter, aber sie haben nicht überprüft: Gibt es jemand, der mein Produkt kaufen will? Und ich denke, mit den heute verfügbaren Werkzeugen – sei es Kickstarter für Hardware oder eine Werbekampagne für Software – kann man testen, ob es einen Markt gibt. Und sich dann wieder um das Produkt kümmern. Anstatt einfach zu sagen: Ich habe eine Idee und lege los.

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In welchen Bereichen investiert ihr derzeit verstärkt?

Ehrlich gesagt investieren wir in alles, was Geld macht. Wir sind ein sehr technologie-orientierter Fonds. Deshalb bevorzugen wir deep tech. Wir interessieren uns für Technologien, mit denen man schwierige und große Probleme lösen kann. Wir sind auf der Suche nach großen Investmentchancen und – ich weiß, viele sagen das, aber ich meine es ernst – wir interessieren uns nicht für Nischenprodukte oder kleines Zeug. Wir suchen die größeren, potenziell milliardenschweren Investmentgelegenheiten.

Dave McClures 500Startups hat angekündigt, nach Europa zu kommen. Habt ihr das auch vor?

Wir investieren ja schon in Europa. Wir haben zwar keine physische Präsenz hier, aber wir decken den Kontinent von den USA und Tel Aviv aus ab. Wir sind zufrieden mit unseren Investments in Europa. Und ich bin hier, oder? Du interviewst mich gerade in Wien. So here we are in Europe.

Bild: Jan Nechvíle, www.nechvile.cz / pioneers.io