Uber protest london sharing economy

Proteste gegen Uber in London: „Vollstrecke das Gesetz“

Ein Beitrag von Daniel Florian, Leiter des Berliner Büros der Brüsseler Public-Affairs-Beratung Gplus Europe.

Sharing Economy – der Sammelbegriff für Plattformen wie Airbnb, Uber und Helpling – ist sogar in der Branche selbst nicht unumstritten. Schließlich geht es den Vermittlern nicht um Altruismus, sondern ums Geschäft. Doch egal, ob man von Sharing Economy spricht, von „Plattformkapitalismus“ oder der „Gig Economy“: Die Branche wächst schneller als der Gesetzgeber regulieren kann.

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Dabei liegt in der Sharing Economy erhebliches Potenzial. Sie hilft, die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen durch sonst brachliegende Ressourcen zu befriedigen – und das oft zu einem günstigeren Preis. Ein weiterer Vorteil kann größere Flexibilität für die Arbeitnehmer sein.

Tatsächlich reduzieren die einschlägigen Vermittlungsplattformen die Transaktionskosten für Reinigungspersonal, Handwerker, Mietwagenunternehmer oder Wohnungsvermieter und ermöglichen so erhebliche Effizienzgewinne. Rund um die Sharing Economy entstehen zudem neue Dienstleistungen wie Guesty oder Pillow, die sich beispielsweise um das Management von Airbnb-Vermittlungen kümmern.

Das Gesetz versus Private

Die größten Neuerungen bringt die Sharing Economy allerdings für Privatleute, die ihre Wohnung, ihr Auto oder ihre Arbeitskraft nur gelegentlich vermieten wollen und für ihren Lebensunterhalt nicht auf dieses Einkommen angewiesen sind. Doch wer das tun will, gerät leicht mit dem Gesetz in Konflikt – zumindest, wenn er dafür eine Plattform wie Airbnb, Uber oder Homejoy nutzt.

So stand die Gruppe der Privatleute im Fokus des diesjährigen Verbrauchertages. Die Verbraucherschützer sprachen sich für eine Bagatellgrenze aus: Gelegenheitsanbieter sollen nicht denselben Anforderungen unterworfen werden wie gewerbsmäßige Anbieter. Ähnliches gibt es zum Beispiel bereits in Brüssel. Dort erlaubt die Stadtverwaltung Privatleuten das Anbieten von Fahrten via Uber, wenn dies nicht die Haupteinnahmequelle der Fahrer ist.

Selbstverständlich darf die Sharing Economy nicht dazu führen, dass geltende Sicherheits- und Arbeitsstandards unterschritten werden. Die neuen Plattformen haben aber ein großes Eigeninteresse, dass sich ihre Nutzer sicher fühlen. Mit in den Apps integrierten Feedbackmechanismen tragen sie zum einen selbst zur Qualitätssicherung bei. Zum anderen gibt es für die Bekämpfung von Ausbeutung, Schwarzarbeit und Scheinselbstständigkeit bereits Gesetze. Tatsächlich macht die internetgestützte Kommunikation der Plattformen es den Behörden sogar leichter, Missbrauch aufzudecken.

Kein Raum für Innovation

Anstatt Menschen zu schützen, protegieren viele Gesetze antiquierte Geschäftsmodelle und lassen wenig Raum für neue Ideen. Der Verdrängungseffekt der Sharing Economy ist weit weniger stark als vermutet, wie ein Blick auf die Tourismusbranche zeigt. Hotels sind nach wie vor eine Wachstumsbranche, trotz der Konkurrenz durch Airbnb.

In der Politik herrscht dagegen immer noch das Modell einer „Caring Economy“ vor, die Unternehmen streng reguliert und wenig Raum für alternative Arbeitsmodelle lässt. Die Sharing Economy braucht neue Regeln – nicht, weil sie etablierte Sozialstandards unterlaufen will, sondern weil die existierenden Gesetze überwiegend eine innovationshemmende und protektionistische Wirkung haben.

Das zeigte sich erst letzte Woche in den USA, wo das Putzportal Homejoy geschlossen werden musste. Vorhergegangen waren verschiedene Gerichtsverfahren. Die ließen Zweifel laut werden, ob die durch Homejoy vermittelten Reinigungskräfte überhaupt als Angestellte gelten durften. Der Gewinner des Ganzen? Google. Der Suchmaschinenkonzern gab bekannt, das Technologie-Team von Homejoy übernehmen zu wollen.

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Und in Deutschland verkündete IG-Metall-Chef Detlef Wetzel via Bild am Sonntag, dass das Silicon Valley kein Vorbild für Deutschland sein dürfe. Denn dort würden die Interessen der Arbeitnehmer nicht ausreichend berücksichtigt. Was Wetzel übersieht: Politik sollte nicht nur die Interessen der abhängig Beschäftigten vertreten, sondern auch die der freiberuflich tätigen Arbeitnehmer. Die schätzen die Flexibilität der neuen Arbeitsmodelle und wollen sich nicht in das Korsett einer Nine-to-Five-Economy zwängen lassen. Ein Student zum Beispiel, der seinen Lebensunterhalt durch Chauffeur-Fahrten aufbessert, ist kein Taxifahrer.

Angesicht der vielfältigen neuen Möglichkeiten der Sharing Economy, den Verbraucher zu stärken und Beschäftigung zu schaffen, sind es sind nicht die Unternehmen, die sich ändern müssen. Sondern die Gesetze, die sie regulieren.

Bild: NamensnennungWeitergabe unter gleichen Bedingungen Bestimmte Rechte vorbehalten von David Holt London