Facebook-Managerin Sheryl Sandberg (4.v.l.) in Berlin inmitten einiger Gründer

Sheryl Sandberg bereist derzeit Berlin – und will Facebooks Image aufmöbeln. Die US-amerikanische Top-Managerin und Milliardärin hat dafür gestern ihr Gesicht bei zwei Veranstaltungen gezeigt. So traf die 46-Jährige beispielsweise die Gründer einiger kleiner Unternehmen in einer schicken Boutique in Friedrichshain und ließ sich von ihnen erzählen, wie sie Facebook für ihr Startup nutzen.

Sandberg selbst betonte bei dem Event, wie wichtig sie kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) findet und sagte Sätze wie: „There is nothing small about small businesses.“ Schließlich sorgten diese Firmen für etwa 50 Prozent des Outputs der deutschen Wirtschaft. „Auch wir hatten ein kleines Business in unserer Familie“, so die Managerin. „Mein Großvater hatte einen Shop mit Farbe in New York. Er kannte seine Kunden genau. ,Hey Arthur‘, würde er zum Beispiel rufen und mit einem Eimer Farbe wedeln. ,Die Farbe von Deinem Dach blättert ab, Du brauchst neue!‘“

Anzeige
Natürlich will Sandberg mit der Anekdote auf Facebook hinaus: Über das Netzwerk könnten KMUs heute personalisiertes Marketing betreiben. Die Firmen sind für Facebook als Kunden sehr wichtig – schließlich bezahlen sie für Werbung und alle Posts, die sie promoten möchten. Nach Angaben von Facebook sind mehr als 85 Millionen Unternehmen weltweit mit einer eigenen Seite bei dem Netzwerk online. Und das sind längst nicht nur Konzerne.

Zu den Startups auf dem Event zählten The Knots von Gründerin Katrin ten Eikelder, der CupcakeladenGastroHeroBakerware und die Brooklyn Soap Company. Sie berichteten Sheryl Sandberg, wie genau sie Facebook-Marketing betreiben. „Really great“, fand Sandberg das. Außergewöhnliche Tipps der Top-Managerin gab es allerdings nicht.

Facebook reagiert auf die Debatte um Hasskommentare

Bei Sandbergs weiterem Termin lag gestern deutlich mehr Spannung in der Luft. Die COO setzte sich mit dem Vorwurf auseinander, Facebook belasse extremistische Hasskommentare viel zu lange Zeit online – sogar, wenn sie schon gemeldet worden seien. In Deutschland hat es deswegen bereits Ermittlungen gegen Facebook-Manager gegeben; die Diskussion hat Justizminister Heiko Maas und auch Angela Merkel beschäftigt.

Um Engagement in der Sache zu demonstrieren, präsentierte Sheryl Sandberg Facebooks neue „Initiative für Online-Zivilcourage“ in einem Berliner Hotel. Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat das Unternehmen die Bertelsmann-Tochter Arvato damit beauftragt, einschlägige Kommentare zu finden und zu löschen. Es soll einem Spiegel-Bericht nach eine dreistellige Zahl an Kontrolleuren geben, die verschiedene Sprachen beherrschen.

Laut Handelsblatt sagte Sandberg gestern, Facebook sei kein Ort, um Hassreden zu verbreiten. Für die Initiative hat das Unternehmen einige politische Organisationen ins Boot geholt: die Amadeu-Antonio-Stiftung, das International Centre for the Study of Radicalisation and Political Violence und das Institute for Strategic Dialogue. Fördergelder in Höhe von einer Million will Facebook geben, um Gegenrede gegen Hasskommentare zu fördern.

Denn, so glaubt zumindest Sandberg: Das beste Mittel gegen Hass sei Liebe.

Bild: APCO Worldwide