Gabriele Sosnizkij (links) und Katherina Engelhard haben zusammen ShoeVita gegründet

Vor einigen Wochen stand Gabriele Sosnizkij in einer Frankfurter Kaufhof-Filiale und wartete auf die nächste Kundin. Eine Frau kam auf sie zu und bat um ihre Hilfe. Sie habe sich gerade ein lilafarbenes Kostüm mit orangenefarbenem Innenfutter für die Hochzeit ihres Sohnes gekauft, jetzt sei sie auf der Suche nach den passenden Schuhen. Eine ungewöhnliche Farbkombination. Aber eine gewöhnliche Anfrage, zumindest für Gabriele Sosnizkij. Die 30-Jährige hat zusammen mit ihrer Freundin Katherina Engelhard (37) das Startup ShoeVita gegründet, das Schuhe in den Wunschfarben und -materialien ihrer Kunden herstellt.

Die Idee für ShoeVita hatten Sosnizkij und Engelhard vor knapp drei Jahren. Die beiden kannten sich aus dem Studium in Berlin und Cambridge und gingen zunächst in verschiedene Städte – Sosnizkij nach Hamburg zu Iglo, Engelhard nach Düsseldorf zu Peek & Cloppenburg. In Frankfurt trafen sie sich schließlich wieder. Das Konzept von ShoeVita entwickelten sie abends am Küchentisch. Im Mai 2014 gingen sie mit einer Online-Plattform live. Seitdem hat ShoeVita nach eigenen Angaben rund 1.000 Kunden gewonnen und mehrere hunderttausend Euro Umsatz gemacht. Zehn Mitarbeiter arbeiten für das Startup, Praktikanten und Werkstudenten eingerechnet.

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„Als wir anfingen, dachten wir uns: Warum gibt es Müsli und Schokolade zum Zusammenstellen, aber keine Schuhe?“, erinnert sich Gründerin Sosnizkij im Gespräch mit Gründerszene. Ihre Idee: Schuhe für Frauen anzubieten, die eine besonders große oder kleine Schuhgröße benötigen. Oder einen passenden Schuh zu einem extravaganten Outfit suchen. Auch Brautschuhe fertigt ShoeVita nach den Vorstellungen der Braut.

Auf der Plattform des Startups können Kundinnen ihr Lieblingsmodell auswählen. 20 verschiedene Formen hat das Startup im Angebot – von Ballerinas über Chelsea Boots bis hin zu Pumps mit Keilabsatz. Zwischen 149 und 269 Euro kosten die Modelle. Im zweiten Schritt kann die Farbe des Ober- und Innenleders, der Sohle, des Absatzes und des Plateaus gewählt werden. Der Konfigurator zeigt jede Veränderung an. Wer sich vor der Bestellung unsicher ist, kann Farbmuster und Probeschuhe in verschiedenen Größen zur Anprobe bestellen, die kostenlos zurückgeschickt werden können.

Die Schuhe lässt ShoeVita in Polen fertigen, mit Leder aus Italien. Sechs bis acht Stunden Handarbeit rechnet der angebundene Hersteller pro Paar. Maschinelle Massenware ist bei den individuellen Schuhen nicht möglich. 1.300 verschiedene Paar Schuhe hat ShoeVita schon herstellen lassen. Die Kunden scheinen mit dem Ergebnis fast immer zufrieden zu sein: Die Retourenquote liegt bei drei Prozent. Vor dem Start im Mai 2014 hatten die Gründerinnen rund 100 Paar Schuhe bei Herstellern bestellt, bis sie mit der Qualität zufrieden waren. „Wir haben oft gedacht, dass wir das niemals schaffen werden“, sagt Sosnizkij. „Eigentlich ist das total krank, was wir hier machen.“ Sie muss lachen.

Der Stand vor ShoeVita bei Kaufhof

100 bis 150 Paar Schuhe verkaufen die Gründerinnen im Monat. Um weitere Kunden zu gewinnen, haben die Gründerinnen vor wenigen Wochen eine Kooperation mit Galeria Kaufhof gestartet. Mitarbeiter der Kaufhauskette hatten die Gründerinnen auf einer Messe angesprochen. Für Sosnizkij passt das perfekt: „Wir sind nicht Deichmann oder Tamaris. Wir sind eine Premium-Marke, aber nicht so luxuriös wie beispielsweise Christian Louboutin oder Jimmy Choo.“ Häuser wie das KaDeWe in Berlin seien daher zu edel, Karstadt aber beispielsweise zu billig. Bisher gibt es die Zusammenarbeit mit Kaufhof nur in einer Frankfurter Filiale, Shops in weiteren Filialen sollen folgen. Bisher fehlt dafür das Geld. Erste Gespräche mit Investoren haben die Gründerinnen schon geführt, bisher finanzieren sie ihr Startup selbst.

Kaufhof bekommt nun von jedem verkauften Schuh etwas ab – und das, obwohl die Margen von ShoeVita ohnehin niedrig sind. Das liegt auch an dem hohen Arbeitsaufwand, der für jedes Schuhmodell anfällt. Sosnizkij will keine Zahlen nennen, aber die Marge sei „nicht handelsüblich“, sagt sie. Trotzdem hätten sie und Engelhard nie bereut, dass sie mit ShoeVita ein sehr komplexes Modell gewählt haben: „Klar wissen wir, dass wir viel schneller Geld verdienen könnten, wenn wir unsere Ware einfach in Italien einkaufen und einen coolen Shop dafür aufbauen. Aber dafür brennen wir nun einmal nicht.“

Bilder: ShoeVita