Silicon Valley Erfolg

Seid ihr wirklich bereit?

Spielt ihr mit dem Gedanken, euer Startup ins Silicon Valley zu verlegen? Diese gravierende Entscheidung will gut durchdacht sein. Eure Schwierigkeiten beginnen aber schon damit, herauszufinden, ob euer Startup wirklich dafür bereit ist und was ihr braucht, um die Erfolgschancen für den Standortwechsel ins Valley zu maximieren.

Heute würde ich mir wünschen, ich hätte diesen Artikel hier vor sieben Jahren lesen können. Damals ging ich von Deutschland in die Staaten. Ich verkaufte meinen ganzen Besitz und flog mit einem One-Way-Ticket und meiner Geschäftsidee im Kopf nach San Francisco. Ich wusste nicht, was mich dort erwarten würde und hatte keine Ahnung vom Markt. Was ich mitbrachte, war die große Leidenschaft für mein Startup und die Überzeugung, dass das Silicon Valley der beste Ort auf der Welt wäre, um es zum Erfolg zu machen.

Fünf lange, intensive und schmerzhafte Jahre lang kämpfte ich mit meinem ersten Silicon Valley-Startup – bis es schließlich und endgültig scheiterte. Mit den Tipps, die ich euch hier an die Hand gebe, hätte ich mir damals eine Menge ersparen können. Meine Ratschläge helfen euch also hoffentlich dabei, die unternehmerische Achterbahn über den Pazifik gut zu überstehen – mit weniger schmerzvollen, dafür aber umso mehr positiven Erfahrungswerten.

Um nicht länger um den heißen Brei herum zu reden – hier also acht einfache Schritte, die jeder europäische Gründer beherzigen sollte, der im Sinn hat, sein Startup im Valley zum Erfolg zu führen:

Schritt 1: Lernt das Valley kennen

Zuallererst ist es essentiell für jedes europäische Startup, dass ihr ein grundlegendes Verständnis fürs Silicon Valley mitbringt. Ihr solltet also schon im Vorfeld eure Hausaufgaben gemacht haben. Wer sind eure Konkurrenten dort drüben? Wer sind ihre Kunden? Worüber bloggen sie? Wie akquirieren sie ihre Kunden? Wie ist ihre Preispolitik? Nehmt euch Zeit, um diese Basics zu recherchieren, bevor ihr mit irgendwas anderem loslegt.

Schritt 2: Zielgerichtete regionale (US-)Werbekapagnen

Sobald eure Website online ist, solltet ihr damit anfangen, US-Traffic zu generieren. Investiert ein bisschen Geld für Google AdWords, Facebook-Anzeigen, Retargeting-Kampagnen, alle ausschließlich mit US-Traffic. Beobachtet, wie sich das Ganze entwickelt und ob euer Produkt in Amerika gut ankommt.

Schritt 3: Bei der Tech-Presse pitchen

Nehmt Kontakt zu SV-Blogs auf und versucht, dort mit eurem Startup erwähnt zu werden. Wenn euer Startup in der Tech-Presse Traction erzeugt, noch bevor ihr überhaupt ins Valley übergesiedelt seid, dann ist das ein guter Indikator dafür, dass das, was ihr tut, erfolgversprechend ist.

Schritt 4: Networking mit anderen zugezogenen Gründern

Tretet in Kontakt mit Gründern aus eurem Heimatland, die mit ihrem Startup bereits in den Staaten Fuß gefasst haben. Vernetzt euch mit ihnen via Email und Twitter. Auch per Skype könnt ihr versuchen, von ihnen Tipps zu bekommen und Netzwerke im Silicon Valley aufzubauen. (Gerne könnt ihr auch mich direkt kontaktieren: steli@close.io :))

Schritt 5: Verknüpft euch mit anderen Startups eures Bereichs

Sucht nach Startups, die mit eurem in Beziehung stehen und eine vergleichbare Traktion haben. Bemüht euch, mit ihnen Kontakt und Austausch herzustellen. Wenn ihr dann den Schritt über den großen Teich macht, habt ihr bereits ein Netzwerk großartiger Leute.

Schritt 6: Besucht das Valley, bevor ihr dorthin zieht

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Fahrt für ein paar Wochen ins Silicon Valley. Dieser Trip sollte im Vorfeld gut durchgeplant sein. Wenn ihr dort seid, nehmt an zahlreichen Meetups, Konferenzen und anderen Events teil (im Valley mangelt es nie daran). Nehmt via Twitter und LinkedIn Kontakt mit Leuten vor Ort und trefft euch mit ihnen auf einen Kaffee. Co-working spaces sind super, um euch mit anderen Gründern und Freelancern zu vernetzen. So gebt ihr eurem Startup ein Gesicht und vertieft eure lokalen Beziehungen und Netzwerke.

Schritt 7: Wiederholt euren Besuch noch mal (und dann noch mal)

Wenn ihr nach eurem ersten Besuch immer noch vorhabt, ins Silicon Valley zu wechseln, dann fahrt noch einmal hin. Wiederholt diese Trips für ein Jahr, ungefähr alle drei Monate. Es braucht seine Zeit, Netzwerke aufzubauen, Legitimität zu erlangen und die wichtigen Feinheiten zu verstehen, die entscheidend für euren Wechsel ins Valley sein werden. Wenn ihr wiederholt von verschiedenen Leuten hört, dass ihr unbedingt ins Valley kommen sollt, dann bemüht euch, jemanden zu akquirieren, der als erstes Teammitglied oder Angestellter im Valley ist, bevor ihr selbst dorthin zieht. Denn wenn ihr selbst nicht dort seid, dann ist diese Person vor Ort, um die Fäden in der Hand zu behalten, neue Chancen zu suchen und eure Traction weiter auszubauen.

Schritt 8: Mit dem ganzen Team umziehen?

Je nachdem, wie groß euer Startup ist, kann es sinnvoll sein, nur die Business-fokussierten Mitarbeiter ins Valley zu versetzen und die Entwickler in Europa zu behalten. Auf diese Weise wärt ihr in der Lage, weitaus bessere Engineers zu beschäftigen, als es im hart umkämpften Silicon Valley der Fall wäre.

Wenn ihr mit eurem Startup aus dem Ausland ins Silicon Valley zieht, kann es dem Ganzen eine Menge Auftrieb geben (mehr Funding, Talent, Business Development, Akquisitionsangebote, etc.), auf der anderen Seite, kann es euch aber auch vom Wesentlichen ablenken und  ausbremsen. Einen so gewaltigen Sprung mit eurem kleinen Startup zu riskieren, kann entweder der große Durchbruch sein – oder der Todesstoß.

Bereitet euch also umfassend vor, baut ein lokales Netzwerk auf und zeigt, dass euer Startup Traction hat. Dann könnt ihr sofort durchstarten, sobald ihr erst einmal im Silicon Valley seid.

Wollt ihr mehr über Steli Efti wissen? Trefft ihn bei der Heureka Conference in Berlin am 6. Mai.

Bild: © panthermedia.net / Uwe Fischer; Dieser Artikel erschien zuerst auf VentureVillage am 25. Februar 2014, Übersetzung: Lydia Skrabania