Smoobu Interview

Die Smoobu-Gründer: Benjamin Regitz (links) und Olaf Stichtenoth

Mehrere Buchungskanäle mit Smoobu steuern

Benjamin Regitz vermietet Ferienwohnungen. Und gründet Startups, zum Beispiel ePortrait oder die Gewürzkampagne. Da lag es nahe, auch im Bereich Ferienwohnungen zu gründen. Sein Startup Smoobu hat ein Tool entwickelt, mit dem Vermieter von Ferienwohnungen einfach und schnell mehrere Kanäle wie Airbnb oder Booking.com bedienen können. Für die technische Umsetzung holte sich Regitz Mitgründer und IT-PartnerOlaf Stichtenot mit ins Boot.

Im Interview mit Gründerszene sprechen Regitz und Stichtenoth darüber, weshalb es auch im Interesse von Buchungsplattformen wie Airbnb oder Booking.com ist, dass Vermieter Smoobu nutzen – und wie man sich sein Startup mit dem Vermieten von Ferienwohnungen finanzieren kann.

Wofür steht „Smoobu“?

Benjamin: Smoobu ist natürlich ein Kunstbegriff. Wir haben etwas gesucht, das kurz ist und für sich alleine stehen kann – und es ist einer der wenigen Begriffe, bei dem mit sechs Buchstaben noch eine .com-Endung frei war. Smoobu kann aber auch als Abkürzungen für „Smooth Booking“ stehen, also ein reibungsloses Buchen. Das ist das, was wir für den Vermieter erreichen wollen.

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Worum geht es also bei Smoobu genau?

Benjamin: Smoobu ist einerseit eine Channel-Management-Software und andererseits eine Marketing-Assistenz für Vermieter von Ferienwohnungen. Heutzutage vermarktet ein Vermieter seine Ferienwohnungen ja in der Regel auf mehreren Kanälen, beispielsweise auf Airbnb oder Booking.com, da jeder weitere Kanal zusätzliche Gäste und somit mehr Mieteinnahmen bringt. Dadurch hat der Vermieter aber natürlich auch einen entsprechenden Mehraufwand, da er diese ganzen Kanäle jeweils bedienen muss: Er muss zunächst einmal sein Angebot einstellen und dann täglich die Daten aktuell halten, um Doppelbuchungen zu vermeiden.

Mit Smoobu werden all diese verschiedenen Buchungskanäle über eine Software integriert und synchronisiert. Das heißt, man muss sich als Vermieter dann nicht manuell überall einloggen und Verfügbarkeiten aktualisieren, sondern macht das eben mit einem Klick über Smoobu.

Und wie funktioniert das?

Benjamin: Der Nutzer hat bei uns einen Account und wir stellen über seine Log-in-Daten der verschiedenen Buchungsportale die Verbindung zu dem jeweiligen Kanal her und pflegen für ihn die Daten. Wir sind quasi ein Erfüllungsgehilfe für den Vermieter, der laut den AGB der einzelnen Buchungsplattformen dazu verpflichtet ist, seine Daten aktuell zu halten.

Olaf: Technisch ist das so gelöst, dass wir auf unserer Seite eine sehr saubere Schnittstelle haben. Wir haben für jeden Kanal einen Adapter geschrieben, der Daten an unsere Schnittstelle übermittelt. Der steht jeweils für sich, das heißt, ein einzelner Kanal hat keinen Einfluss auf unsere gesamte Software. Dadurch sind wir unabhängig und in der Lage, relativ schnell und einfach weitere Kanäle anzubinden.

Gibt es da Regelungen oder Partnerschaften zwischen Smoobu und den entsprechenden Buchungsportalen?

Benjamin: Derzeit benötigen wir nur die Log-in-Daten der Vermieter und wir können ohne weitere Rücksprache diese ganzen Kanäle anbieten. Das geschieht natürlich auf der Grundlage des Vertrags zwischen dem Vermieter und der entsprechenden Buchungsplattform – und auch auf der Basis des Interesses der Buchungsplattformen, aktuelle Verfügbarkeiten zu haben. Allerdings wollen wir in einem zweiten Schritt mit ausgewählten Partnern stärker kooperieren, wenn es nämlich nicht mehr nur um die Verfügbarkeiten geht, sondern auch um die Preise. Wir planen da eine Synchronisierungsfunktion für Preise: Unsere Kunden könnten dann auch über Smoobu die Preise ihrer Ferienwohnungen mit einem Klick anpassen und so zum Beispiel Last-Minute-Angebote einfach steuern.

Wie seid ihr denn überhaupt auf die Idee zu Smoobu gekommen?

Benjamin: Die Idee dazu habe ich mitgebracht, ich bin nämlich selbst Vermieter von Ferienwohnungen. Wir haben da damals eine Lücke identifiziert. Im Hotelbereich ist das Ganze übrigens schon sehr etabliert, da existieren mehrere dieser Channel-Management-Firmen. Für Ferienwohnungen gibt es das allerdings kaum, beziehungsweise bieten unsere Mitbewerber keine flexible Lösung. Bei uns hingegen kann der Vermieter bestimmen, welche Kanäle bespielt werden sollen, wir geben da kein Netzwerk vor.

Wer sind denn eure Wettbewerber?

Olaf: Ich denke, es ist ganz wichtig zu sagen, dass wir natürlich selbst keine Ferienwohnungen vermitteln, sondern wir synchronisieren die Kanäle mit den Daten des Vermieters und schlagen weitere Kanäle vor – deswegen sind wir eben auch keine Konkurrenz für Airbnb und Co.

Benjamin: Unsere Konkurrenten sehen wir eher in Anbietern wie Kigo und Lodgify.

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Und wie grenzt ihr euch von denen ab?

Benjamin: Kigo liefert zum Beispiel eine Komplettlösung für Verwaltung und Vermarktung für Vermieter. Das Ganze ist sehr komplex in der Einrichtung und Anwendung, so eine Art Mini-SAP für Ferienwohnungen, auf das man seinen Betrieb umstellen muss. Wir hingegen konzentrieren uns nur auf die Vermarktung; das heißt, wir haben ein deutlich schlankeres Tool, mit einem einfachen Design – einfach und schnell einzurichten und leicht zu bedienen. Wir sind also an dieser Stelle für solche Vermieter interessant, die vielleicht nur eine beziehungsweise wenige Wohnungen vermieten und kein riesiges Tool brauchen – und auch für solche, die bereits eine Verwaltungslösung haben und noch einen Marketinghebel benötigen.

Olaf: Als zusätzlichen Mehrwert generieren wir außerdem eine Übersicht für die Vermieter. Über Smoobu können die Vermieter sehen, aus welchen Kanälen die Buchungen kommen und welche Kanäle gut funktionieren. Wir haben auch eine Übersicht über Rest-Kontingente, das ist vor allem vorteilhaft, wenn man mehrere Ferienwohnungen anbietet und dann eben entscheiden und steuern kann, ob man mit dem Preis runter- oder hochgeht. Ein relevanter Punkt für unsere Abrenzung ist außerdem der Preis. Die anderen Anbieter sind deutlich teurer.

Was kostet der Smoobu-Service denn?

Benjamin: Im Monat kostet der Service von Smoobu pro Apartment neun Euro. Das Geschäftsmodell dahinter ist ein klassisches Angebot von Software-as-a-Service.

Ihr arbeitet bereits seit über einem Jahr an Smoobu. Wie seid ihr bisher finanziert?

Benjamin: Bisher haben wir komplett eigene Mittel in Smoobu gesteckt, also klassisches Bootstrapping. Dem kommt zugute, dass ich eben auch Ferienwohnungen vermiete – das deckt das Grundrauschen ein bisschen mit ab. Wir benötigen für die weitere Unternehmensentwicklung nun aber etwas mehr Geld und sind deshalb dabei, eine Crowdinvesting-Runde vorzubereiten. Wir können uns aber auch vorstellen, mit Investoren ins Gespräch zu kommen.

Was sind denn eure nächsten Pläne für die Unternehmensentwicklung?

Benjamin: Es gibt auf jeden Fall zwei wesentliche Entwicklungsrichtungen. Zum einen wollen wir das Produkt noch weiter stärken und die Usability für den Vermieter mit zusätzlichen Funktionen noch weiter erhöhen. Außerdem wollen wir natürlich in weitere Regionen gehen und weitere Kanäle, vor allem regionale Buchungskanäle der typischen Urlaubsorte, anbinden wie zum Beispiel Ost- und Nordsee. Perspektivisch haben wir das Auge schon auf dem europäischen Markt. Mittelfristig können wir uns auch vorstellen, für Vermieter virale Tools und Community-Vermittlungen zu entwickeln, um dann eben wirklich an Dynamik aufzunehmen und eine breite Userbasis zu bekommen.

Benjamin und Olaf, danke für das Gespräch!

Bild: Smoobu