Facebook hat ein Imageproblem. Einer der größten Vorwürfe derzeit: Das soziale Netzwerk gehe nicht ausreichend gegen Mitglieder vor, die Hasskommentare posten. Seit im Zuge der Flüchtlingskrise die Zahl rassistischer und volksverhetzender Kommentare auf der Plattform zunimmt, steht Facebook deswegen zusätzlich unter Druck. Kürzlich flog der Konzern daher sogar COO Sheryl Sandberg nach Berlin ein, um eine „Initiative für Online-Zivilcourage“ zu präsentieren, die die Gegenrede gegen Hasskommentare fördern soll.

Vor einer Woche folgte eine Pressekonferenz in Hamburg, eingeladen hatte diesmal der Verein „Laut gegen Nazis“. Der plant eine ganze Tournee für „Counter Speech“ und hatte zu diesem Zweck zum Beispiel einen syrischen Musiker und einen Vertreter der Bundesliga-Stiftung eingeladen. Im Blickpunkt stehen nun aber zwei weitere Beteiligte: Rapper Smudo von den „Fantastischen Vier“ und Eva-Maria Kirschsieper, Head of Public Policy für Facebook Deutschland.

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Denn zwischen Smudo und Kirschsieper entspann sich auf der Bühne ein Wortgefecht, dass das soziale Netzwerk ein weiteres Mal schlecht aussehen lässt. Anlass ist die Frage eines Journalisten, der wissen möchte, wie viele Personen für Facebook Meldungen über Hasskommentare aus Deutschland bearbeiten. Seit kurzem ist bekannt, dass die Bertelsmann-Tochter Arvato diese Aufgabe für Facebook in Berlin übernimmt, eine dreistellige Zahl von Kontrolleuren soll damit beschäftigt sein, Kommentare zu filtern und zu löschen. Aber wie viele Personen sind das genau? Das hat Facebook nie verraten.

Und auch Kirschsieper ist offenbar nicht gewillt, mehr dazu zu sagen. Es gehe doch heute um die „Counter Speech Tour“, entgegnet sie. „Sie können doch kurz eine Zahl nennen, oder?“, fragt der Journalist. An diesem Punkt meldet sich Smudo zu Wort: „Also ich würd’s auch gern wissen.“

„Es ist nichts, worüber wir heute kommunizieren. Ich kann Ihnen diese Zahl heute nicht geben.“ Die Facebook-Lobbyistin windet sich nun.

Der Meinung ist auch der Rapper. „Ich findet es schon ganz wichtig zu sehen, mit welchem Aufwand Facebook heute und morgen vielleicht gegen das Thema arbeitet“, sagt Smudo. „Das macht jetzt keinen guten Eindruck, dass sie sich jetzt ein bisschen da rauswinden.“

Und: „Jetzt machen sie gerade rum wie ‘ne Kakerlake, wenn das Licht angeht.“

Festgehalten hat den Austausch ein Kamerateam des NDR-Magazins Zapp:

Inzwischen geht das Video, das zu einem Fünf-Minuten-Beitrag des Medienmagazins über die restriktive Informationspolitik von Facebook gehört, viral – kein Wunder: Die Unterhaltung zeigt exemplarisch, wie schwer sich das US-Unternehmen damit tut, klar anzusagen, wie es Extremismus und Hass auf seiner Plattform begegnen will.

Bild: Youtube/Zapp