Was ist denn jetzt los? Da veröffentlichen wir ein Interview mit der Gründerin Pia Poppenreiter, in dem sie ganz offen über ihre Karriere- und Lebensplanung spricht – und dann das. Viele Männer kommen im Jahr 2015 immer noch nicht damit klar, dass Frauen Kinder bekommen und sich ernsthaft Gedanken machen müssen, wie das mit ihren beruflichen Zielen zu vereinbaren ist.

Pia Poppenreiter hat uns erzählt, dass sie sich dafür entschieden hat, ihre Eizellen einfrieren zu lassen. Weil ein Baby gerade nicht in ihre Lebensplanung passt und sie sich derzeit lieber um ihr neues Startup kümmern will. Das sogenannte „Social Freezing“ ist vor allem in den USA im Gespräch, weil Firmen wie Apple und Facebook die Kosten übernehmen, wenn sich Frauen dafür entscheiden. In Deutschland hatte dieses Vorgehen vor einigen Monaten eine lebhafte Debatte ausgelöst.

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Auf unserer Facebookseite gab es nach der Veröffentlichung des Interviews auch eine Debatte. Und die lässt uns vermuten, dass in der vermeintlich jungen und progressiven Startup-Szene altbackene Rollenbilder weit verbreitet sind. Viele Männer sind offenbar immer noch nicht in der Lage, sich in die Situation ihrer Kolleginnen zu versetzen und halten das Thema Familienplanung und Kinder bekommen für eine reine Privatangelegenheit – der Frauen natürlich. Ja, sogar für irrelevant. Oder Gedöns, wie Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagen würde.

  • Warum soll ich mich für ihre Eizelle oder Vagina interessieren? Privat soll doch privat bleiben! (Benjamin A.)
  • Leute, was ist das für eine Sch…? Ist das nicht eher was für die Gala? Schuster, bleib bei deinen Leisten. Geschichten über „richtige“ Gründer und ihre Ideen plus Probleme fand ich interessanter… (Goran M.)

Auch die üblichen „Sack Reis in China“-, „Who cares“-  und „Sommerloch“-Kommentare zeigen in diesem Fall, wie ignorant die Szene sein kann. Ironischerweise spiegeln sich eben die gesellschaftlichen Hindernisse, von denen im Interview die Rede ist, in der Facebook-Kommentarspalte wider. Das Thema mag auch privat sein. Doch ist es eines, das viele Frauen beschäftigt – und eines, das offenen und konstruktiven Dialog braucht, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

Eigentlich hatten wir vermutet, dass mehr Verständnis für solche Sorgen vorhanden wäre. Und es geht ja auch um das Business. Wie gehen CEOs und Chefs gerade in kleinen Unternehmen mit dem Kinderwunsch ihrer Mitarbeiterinnen um? Wie geht man eigentlich als Startup-Unternehmen damit um, wenn plötzlich zwei oder drei Mitarbeiterinnen schwanger werden? Wie kann man das Thema Kinderbetreuung in einer kleinen Firma angehen? Warum gibt es so wenige Gründerinnen? Kann das auch mit dem Thema Kinder zu tun haben?

Uns stellen sich jede Menge Fragen. Und deshalb werden wir uns in den kommenden Wochen noch intensiver um das Thema Familie, Frauen und Nachwuchs in der Startupszene kümmern. Vielleicht kommen dann mehr Kommentare von Männern wie diesem hier:

  • Wie viele von denen, die hier in der Kommentarsektion massiv Kritik üben, haben sich mit diesen Thema tiefer auseinandergesetzt? Vermutlich so gut wie keiner. Was ist hier das Problem? Dass es ein Frauenthema ist oder dass es innovativ ist? Das Thema ist megaspannend und wichtig: Der Erfinder der Pille, Herr Carl Djerassi, sieht das Thema Eizellen einfrieren als die nächste große sexuelle Revolution. Hintergrund ist, dass mit eingefrorenen Eizellen Frauen relativ problemlos noch im hohen Alter Kinder kriegen können (was für Männer ja normal ist). Gibt einen TEDx Vortrag dazu. Zuerst informieren. (Fabian F.)

Informieren! Das werden wir in den kommenden Wochen. In gewohnter Zurückhaltung und Sachlichkeit. Wir freuen uns darauf.

Es gibt bereits einige Netzwerke, die etwas für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun wollen, zum Beispiel Mompreneurs. 15 Mütter, die ihr eigenes Startup gegründet haben:

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Die Journalistin Stefanie Bilen gründete 2011 zusammen mit der Medienmanagerin Nicole Mai das Startup Saal Zwei, ein Business-Online-Magazin für Frauen. Beide kennen sich vom Handelsblatt. Inzwischen bieten die Hamburgerinnen auch Seminare und Events für die Community an.

Titelbild: Namensnennung Rekha Garton / Getty Images