Geldbaum

Roots of Impact: Inkubator für Social-Startup-Finanzierung

Ökologisch oder gemeinnützig orientierte Startups fallen häufig durchs Raster klassischer VCs – auch, weil sich Investoren vor einem Ungleichgewicht der sogenannten Double Bottom Line fürchten, sich also fragen, ob finanzielle Rendite und gesellschaftlicher Nutzen tatsächlich im Einklang miteinander stehen können.

Inzwischen haben sich einzelne Kapitalgeber und Initiativen auf soziale Projekte spezialisiert. So stellt etwa der Münchner VC Ananda Ventures europaweit Wagniskapital für Sozialunternehmen bereit, die marktorientierte Ansätze zur Lösung sozialer Problemstellungen verfolgen. 2011 gründete der Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus den sozialen Accelerator Yunus Social Business mit angeschlossenem Investment-Arm, der weltweit agiert. Und in Berlin unterzeichneten zuletzt knapp fünfzig Gründer den Entrepreneur’s Pledge von Waldemar Zeiler und Philip Siefer und verpflichteten sich damit, eines Tages ein soziales und nachhaltiges Unternehmen zu gründen und die Gewinne daraus zur Hälfte zu reinvestieren.

Björn StrüwerBjörn Strüwer, Ex-Banker und Senior Advisor beim Social-Entrepreneurship-Förderer Ashoka, reicht das nicht. Er findet, dass es dem Social-Investing-Bereich an Infrastruktur fehlt und stellt deshalb gerade einen entsprechenden Inkubator auf die Beine. Der Venture-Brutkasten namens Roots of Impact soll innovative Projekte zur Finanzierung von Sozialunternehmen hervorbringen. Für Ende dieser Woche ist der Launch der Webseite angesetzt. Daneben plant Strüwer, Schulungsvideos zu produzieren, um Sozialunternehmer, potenzielle Geldgeber und Studenten mit der Materie vertraut zu machen.

Björn, Du warst 20 Jahre als Banker tätig, zuletzt als Managing Director bei Credit Suisse. Jetzt trittst Du für die gute Sache ein. Wie kam’s?

Zu der Zeit habe ich mich schon intensiv mit Impact Investing beschäftigt. Die Möglichkeiten einer Bank sind in diesem Bereich allerdings limitiert – insbesondere wenn es um Direktinvestments in Social Enterprises geht. Für mich war klar: Wenn ich einmal die Zeit dazu habe, will ich erleben, was in dem Sektor wirklich möglich ist. Nach der Bank wollte ich etwas Spannendes und gleichzeitig Sinnstiftendes machen und meine Finanzkenntnisse dafür nutzen. Also habe ich mich als Senior Advisor für Ashoka engagiert, einer Förderorganisation für Social Entrepreneurs. Dies war sozusagen mein Learning Sabbatical. Auch im globalen Netzwerk war ich dann schnell „Mister Social Finance“. Die Idee, später etwas Eigenes aufzubauen hatte ich aber nicht von Anfang an. Das hat sich so ergeben.

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Vor welchen Hindernissen steht das Sozialunternehmertum in Deutschland überhaupt?

Es gibt zwar weltweit einen regelrechten Hype um Impact Investing und Social Entrepreneurship, viele Investoren berücksichtigen die Besonderheiten von Social Ventures aber nicht ausreichend. Darüber hinaus fehlt es an öffentlicher Förderung. Es gibt nur links oder rechts – Sozialunternehmen sind jedoch in der Mitte und gehen neue Wege. Und so müssen sie sich auch finanzieren. Ein For-Profit Unternehmen, das mit unternehmerischen Mitteln soziale Herausforderungen löst, ist quasi in unserer Gesellschaft nicht vorgesehen. Gemeinsam mit Ashoka und einem Gründerteam habe ich daher Fase, die erste Finanzierungsagentur für Social Entrepreneurship in Deutschland umgesetzt.

Was genau macht Fase?

In erster Linie: Gründern sozialer Startups und auch etablierteren Sozialunternehmen bei der Finanzierung helfen. Es geht darum, neue Wege aufzuzeigen – insbesondere durch die Gruppierung verschiedener Investoren wie zum Beispiel Business Angels, Stiftungen und institutionelle Kapitalgeber. Diese Modelle müssen jedoch in der Breite adaptiert werden. Es geht um Skalierung. Das Kapital ist da. Doch es fehlt an Markt-Infrastruktur, um es effektiv einzusetzen. Es braucht mehr und vielfältigere Intermediäre und vor allem katalytische Lösungen, die den gesamten Markt des Impact Investing beleben. Diese Infrastruktur baue ich mit Roots of Impact. Ashoka ist dabei ein wichtiger Partner.

Welche Projekte willst Du mit Roots of Impact unterstützen?

Roots of Impact soll kein Inkubator für Sozialunternehmen sein, davon gibt es genug, sondern Lösungen für Social Investing aufbauen. Zunächst einmal wollen wir nichts Fremdes inkubieren, sondern unsere eigenen Ideen umsetzen. Und davon haben wir mehr als genug.

Zum Beispiel?

Die Realisierung der Evergreen Foundation in Zusammenarbeit mit Fase. Diese gemeinnützige Gesellschaft soll Spendengelder von Stiftungen aufnehmen und in Sozialunternehmen investieren. Stiftungen haben ein großes Interesse, Ihre Fördermittel revolvierend einzusetzen, sind durch die Regulierung aber stark eingeschränkt. Dieses Problem lösen wir. In Großbritannien gibt es solche Ansätze bereits.

Und was hat es nun mit der Akademie auf sich, die Du ebenfalls angekündigt hast?

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Die Social Finance Academy ist eines der wichtigsten Inkubationsprojekte von Roots of Impact. Mit Hilfe von Online-Learning-Tools wie MOOCs werden internationale Social-Finance-Experten ihr Know-how teilen. Die Möglichkeiten der Skalierung sind hier enorm. Schulungsvideos wie diese sind weltweit einzigartig – auch, weil wir sie mit Seminaren vor Ort kombinieren. Selbst in weiterentwickelten Märkten wie Großbritannien oder den USA gibt es nichts Vergleichbares. Im nächsten Schritt soll der Content auch an Universitäten und Business Schools verbreitet werden. Social Innovation wird dort zwar immer häufiger aufgegriffen und in den Lehrplan gepackt, doch es fehlt an praktischen Inhalten und vor allem Case Studies. Unser Angebot soll diesen Engpass ausgleichen. Den Studenten wollen wir damit auch einen Überblick über den gesamten Markt verschaffen.

Werden diese Kurse kostenlos sein?

Für Sozialunternehmer sollen die Kurse kostenlos bleiben, ja. Universitäten und Investoren werden für die Kurse zahlen. Die Akademie soll hierdurch irgendwann kostendeckend arbeiten. Ein Social Business eben.

Bild: NamensnennungKeine kommerzielle Nutzung Bestimmte Rechte vorbehalten von Will Montague