TunedIn und Zapitano: Viele Sendungen nicht geeignet

Second Screen boomt. So viel steht fest. Denn immer mehr Menschen nutzen mehrere Endgeräte parallel. Beim Fernsehen gleichzeitig Mails auf dem Smartphone zu checken oder mit Freunden zu chatten, ist total normal geworden. Auch Social-TV-Plattformen, auf denen sich Nutzer während einer Sendung über das Geschehen austauschen oder live kommentieren können, galten lange Zeit als Tool der Zukunft. Beim Social TV Summit am vergangenen Mittwoch in München waren sich die anwesenden Experten nach Medienberichten einig: Social TV wird immer wichtiger.

Doch für zwei Berliner Social-TV-Startups hat sich diese Prognose bisher nicht bestätigt: Sowohl die Anfang 2013 von Axel Springer übernommene Social-TV-Plattform TunedIn als auch ihr wohl wichtigster Konkurrent in Deutschland, Zapitano, mussten nun Insolvenz anmelden.

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„Der Second-Screen-Markt hat sich nicht so entwickelt wie wir geplant hatten“, kommentierte ein Sprecher von Axel Springer das TunedIn-Aus. Auch der Insolvenzverwalter von Zapitano geht lieber nicht ins Detail: „Die Anlaufphase zum Aufbau und zur Entwicklung des Geschäftsmodells der Zapitano GmbH, die 2011 gegründet wurde, dauerte länger als ursprünglich geplant“, lässt er sich zitieren. „Um die Positionierung am Markt zu unterstützen, war Zapitano auf weiteres Kapital angewiesen.“ Eine weitere Finanzierung habe es jedoch nicht gegeben – am 30. Mai musste das Insolvenzverfahren eröffnet werden.

Das Münchner Startup Wywy, das im vergangenen Jahr über sieben Millionen Euro einsammeln konnte, glaubt trotzdem an den Second-Screen-Markt. Social TV alleine sei derzeit allerdings noch nicht erfolgversprechend genug, erklärt Mitgründer Andreas Schroeter: „Wir haben Ende 2012 erkannt, dass es schwer wird, mit einer unabhängigen Social-TV-App eine große Reichweite zu bekommen und haben deswegen unser Geschäftsmodell noch einmal geändert.“

Anstatt die Zuschauer über eine Plattform dazu zu animieren, eine Sendung zu kommentieren und so eine Fanbasis aufzubauen, setzt Wywy jetzt vor allem auf Real-Time-Advertising und synchronisiert mit einer eigenen Technologie TV- und Online-Inhalte. Ein Programm erkennt, welche Werbung gerade läuft und schaltet parallel die passende Werbung auf den zweiten Screen des Zuschauers.

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„Viele Menschen nutzen zwar einen Second Screen, machen auf dem zweiten Bildschirm aber Dinge, die nichts mit dem Fernsehprogramm zu tun haben“, ergänzt Schroeter. „Viele Nutzer für eine reine Social-TV-App zu bekommen, ist deswegen extrem schwierig.“ Ein großes Problem sei, dass die meisten Sendungen überhaupt nicht für Social TV geeignet seien: „Es eignen sich vor allem Live-Sendungen mit hoher Emotionalität und viel Reichweite.“ Für wichtige Fußballspiele oder beliebte Shows sei Social TV sinnvoll, für Wiederholungen von beliebten Serien oder Shows beispielsweise wiederum überhaupt nicht.

Zapitano und TunedIn sind aktuell auf der Suche nach neuen Investoren. Mit den richtigen Kooperationspartnern und mehr Geld könnte der Anschub doch noch klappen, so die Hoffnung. Doch ein Blick in die USA zeigt, dass Social TV sich auch dort bisher nicht durchgesetzt hat: Zwar ist es gerade bei Live-Sendungen wie Casting-Shows oder Wahl-Debatten mittlerweile üblich, Tweets oder Facebook-Kommentare direkt einzublenden und Live-Votings einzubinden, aber selbst große Social-TV-Startups wie Beamly (vorher Zeebox) oder Tvtag (vorher GetGlue) konnten laut Brancheninsidern bisher nicht die breite Masse erreichen.

Bild: © panthermedia.net / Benis Arapovic / Disclaimer: Axel Springer ist Gesellschafter der Vertical Media Gmbh, dem Medienhaus von Gründerszene. Weitere Informationen zur Vertical Media Gmbh: www.VMPublishing.com