soundcloud marc strigel interview

Blick ins neue SoundCloud-Büro in der Factory Berlin

SoundCloud: 23 Millionen Euro Verlust im Jahr 2013

23,1 Millionen Euro Verlust, 11,3 Millionen Euro Umsatz – mit diesen eher alarmierenden Geschäftszahlen hat die Berliner Musikplattform SoundCloud das Jahr 2013 abgeschlossen, wie aus dem offiziellen Finanzbericht für das britische Handelsregister hervorgeht. Über das Jahresergebnis der in Großbritannien registrierten Firma hatte zuerst die schwedische Wirtschaftszeitung Dagens Industri berichtet.

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Dass der Umsatz dabei 40 Prozent höher lag als 2012 (8 Millionen Euro), ist nur ein schwacher Trost – schließlich hat sich der Nettoverlust von vorher 12,4 Millionen fast verdoppelt. Für das negative Ergebnis seien vor allem Investitionen in Technologie, Teamgröße und Marketing verantwortlich, wiegelt das Unternehmen ab. „Die Gemeinkosten sind schneller gewachsen als unsere Einnahmen“, stellt die Geschäftsführung um die beiden Gründer Alexander Ljung und Eric Wahlforss in dem Bericht fest.

Sollte SoundCloud weiter in diesem Tempo Verluste anhäufen, wird auch die 60-Millionen-Dollar-Finanzierung aus dem Januar bald aufgebraucht sein. Insgesamt wurden bislang 123 Millionen US-Dollar in das 2007 gegründete Berliner Startup investiert.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene „Das Geschäftsmodell ist nicht das Endziel“ –
SoundCloud-COO Marc Strigel im Interview

Für die Einnahmen seien bislang hauptsächlich zahlende Power-Nutzer verantwortlich, so das Unternehmen. Doch SoundCloud braucht weitere Erlösquellen. Im August kündigte das Unternehmen an, erstmals Werbung auf der Plattform zu zeigen. In Zukunft will SoundCloud vor allem mit Premium-Marken Umsätze erzielen, wie COO Marc Strigel vor einigen Monaten im Gründerszene-Interview erläuterte.

Das kann aber nur funktionieren, wenn das in Berlin ansässige Startup eine rechtlich befriedigende Lösung für das leidige Copyright-Thema findet. Das Problem: SoundCloud hat bislang keine Lizenzvereinbarungen mit den Rechteinhabern, also den Plattenfirmen. Die aber sind nötig, wenn SoundCloud urheberrechtlich geschützte Inhalte monetarisieren will. An der selben Frage soll schon die im Frühjahr erfolglos verhandelte Übernahme durch den US-Kurznachrichtendienst Twitter gescheitert sein.

Mit den drei weltweit größten Musiklabels Universal, Sony and Warner verhandelte SoundCloud deshalb über einen Deal. Der hätte so aussehen sollen: Die Plattenfirmen verzichten darauf, SoundCloud wegen möglicher Urheberrechtsverletzungen zu verklagen – und bekommen im Gegenzug Anteile an dem Unternehmen.

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Doch diese Verhandlungen sind offenbar ins Stocken geraten. Die Labels sind mit den von SoundCloud gebotenen Konditionen unzufrieden, wie aus Verhandlungskreisen zu hören ist. Laut einem Bericht der Financial Times warten die drei Plattenfirmen auf ein besseres Angebot. Mit Universal sei das Startup nicht einmal mehr in aktiven Gesprächen.

Die Zeitung zitiert einen Insider aus einem der drei Labels: „Die Uhr tickt, wie lange SoundCloud es gelingt, einen Service zu betreiben, der nicht monetarisiert werden kann.“

Bild: Hannah Löffler