Jorge Schura, Philip von Have und Eiso Kant lernten sich im Studium in Madrid kennen.

Dieses Problem dürfte wirklich jeder Startup-Gründer kennen: Ein Entwickler wird dringend gebraucht, aber auf die ausgeschriebene Stelle bewirbt sich niemand. Also fragt man Gründer oder Investoren aus dem eigenen Netzwerk nach Kontakten. Auf LinkedIn oder Xing kommt aber keine Antwort auf die Nachricht der HR-Abteilung. Wieso? Von den Entwicklern hört man häufig, dass die ständigen Anfragen von Recruitern sie nerven. Meist sei sofort klar, dass der Absender keine Ahnung habe und nicht einmal die verschiedenen Programmiersprachen kenne. Häufig wird das Problem gelöst, indem der CTO oder sein Team alte Kollegen oder Freunde an Bord holen.

Das kann aber keine Lösung auf Dauer sein – dachten sich die Macher des neuen Startups Sourced mit Standorten in Madrid, Berlin und London. Sourced will Tech-Unternehmen dabei helfen, den passenden Entwickler zu finden. Natürlich gegen Bezahlung. Wie das funktioniert? Sourced analysiert die Daten der Open-Source-Plattform GitHub, auf der Millionen Entwickler zusammenarbeiten.

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Insgesamt enthalte der Datensatz von GitHub 14,4 Millionen Code-Projekte von 4,6 Millionen Entwicklern, erklärt Philip von Have, Mitgründer von Sourced. „Wir haben eine Datenmenge von einem Petabyte heruntergeladen, das ist in etwa so groß wie die Datenmenge von Google vor etwa zehn Jahren“. Möchte ein Unternehmen einen neuen Entwickler einstellen, sucht Sourced nach der idealen Besetzung unter den GitHub-Nutzern. Bei der automatischen Code-Analyse berücksichtigt Sourced nicht nur die Programmiersprache, sondern beispielsweise auch die Struktur des Codes. Mehr möchte von Have nicht verraten. Genauso wenig äußert er sich zur Frage, woher Sourced weiß, wo der Entwickler arbeitet, wo er wohnt, welche Sprache er spricht – auch wenn die betreffende Person nicht auf Karriereportalen wie LinkedIn angemeldet ist. Nur so viel: Man ziehe die Kontaktdaten von Open-Source-Plattformen.

Meldet sich der Entwickler auf die Anfrage von Sourced, führen Mitarbeiter noch einmal ein ausführliches Interview – natürlich mit der nötigen Expertise. „Wir arbeiten in den Recruitment-Prozessen ausschließlich mit Software-Entwicklern, um die technischen Bedürfnisse unserer Kunden besser zu verstehen“, erzählt Philip von Have. „Sie alle sitzen in Madrid, weil wir uns dort sehr gute Entwickler leisten können. Von dort suchen sie die passenden Entwickler zu den Anforderungen der Unternehmen.“ Passt alles, wird er dem Unternehmen als möglicher Kandidat vorgestellt.

Die drei Gründer von Sourced lernten sich während ihres Studium am Instituto de Empresa, einer renommierten Business School in Madrid, kennen. Philip von Have (27) kommt ursprünglich aus Hamburg, Jorge Schura (25) ist gebürtiger Spanier und Eiso Kant (25) stammt aus Holland. Gemeinsam gründeten die drei bereits 2011 das Startup Tyba. Ursprünglich sollte Tyba das größte Jobportal für Startups in Europa werden. Das ganze lief gut an, insgesamt rund 3,6 Millionen Euro Risikokapital gab es von verschiedenen Investoren.

Doch dann fiel den Gründern auf, dass ihr CTO extrem erfolgreich darin war, andere Entwickler an Bord zu holen. „Da haben wir uns gefragt, warum wir immer so schnell an Entwickler kommen und kamen mit ihm zusammen auf die Idee für Sourced“, erzählt von Have. Seit März 2015 basteln die drei nun an ihrem neuen Konzept. Seit vergangenem Monat ist die Plattform live. Tyba existiert zwar immer noch, aber Sourced ist nun das Hauptprojekt geworden. Immer noch sitzen die meisten Mitarbeiter in Madrid, die Standorte Berlin und London bauen die Gründer gerade auf. In Deutschland konkurriert Sourced nicht nur mit den üblichen Jobportalen und Headhuntern, sondern auch mit Berliner Startups wie Honeypot oder 4Scotty, die sich ebenfalls auf die Vermittlung von Entwicklern spezialisiert haben.

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Für von Have und seine Mitgründer ist das Projekt eine besondere Herausforderung, schließlich ist nur Mitgründer Kant von Haus aus Entwickler. „Ich musste mich intensiv mit dem Thema beschäftigen, um anfangs mitreden zu können“, gibt von Have zu. „Insgesamt liegt das Produkt in der Hand von unserem sehr starken CTO, dem wir komplett vertrauen. Und natürlich ist es hilfreich, dass Eiso auch einen technischen Hintergrund hat.“ Mehr als 50 Unternehmen, darunter TrivagoLovoo oder GetYourGuide, nutzen schon Sourced. Als Kunden müssen sie neben einer monatlichen Gebühr einen Prozentsatz des Jahresgehalts des erfolgreich vermittelten Entwicklers zahlen.

Mit 8.000 Entwicklern pro Monat spricht Sourced aktuell, knapp 30.000 Entwickler hat das Startup schon im System. „Insgesamt gibt es etwa 20 Millionen Entwickler weltweit“, fasst von Have zusammen. „Unser Ziel ist es, langfristig mit jedem Entwickler in Kontakt zu stehen.“ Doch dafür braucht es weitere Mitarbeiter, die die Entwickler suchen, interviewen und bewerten. Das kostet. Gerade erst war von Have deswegen im Silicon Valley, um mit Investoren zu sprechen, auch in Europa verhandelt er. Das Funding-Ziel: eine höhere siebenstellige Summe. „Das könnte klappen“, glaubt von Have.

Bild: Sourced