fab jobbörse groupon

Mit diesem Wandgemälde heißt Groupon bei der Jobmesse in der Berliner Fab-Dependance mögliche neue Mitarbeiter willkommen.

Grinsende Giraffe, trauriger Anlass

Sogar die Männchen auf den Klotürschildern haben hier ein Herzchen als Kopf. Die Lobby der Berliner Fab-Zentrale sieht aus wie ein Hort des Quietschvergnügten und der ungetrübten Adoleszenten-Albernheit. Eine mannshohe Plastikgiraffe feixt am Eingang, aufblasbare Pferdchen und Dinosaurier stehen herum, dazu Wasserbälle und knallbunte Plakate: „Don’t fuck it up“, steht auf einem, was tragisch-ironisch ist, denn die Lobby ist voll von frisch gekündigten Fab-Mitarbeitern, die auf der Suche nach einem neuen Job sind.

Dabei behilflich ist ihr ehemaliger Arbeitgeber – Mitarbeiter aus HR und Marketing haben eine Jobmesse organisiert, bei der gestern 34 Unternehmen um die frei gewordenen Mitarbeiter warben: Dickfische wie Ebay, Zalando und Booking.com, aber auch Startups wie Getyourguide und Sofatutor. „Eine nette Geste“, sagt eine gekündigte Fab-Mitarbeiterin, „traurig sind wir natürlich trotzdem.“ Am Dienstag vergangene Woche erhielten mehr als 100, dem Vernehmen nach sogar mehr als 150 Mitarbeiter des Berliner Standorts des Designshoppingportals ihre Kündigung, weil das Unternehmen nach einer Umstrukturierung auch sein Europageschäft weitgehend von der Zentrale in New York betreuen will.

„Wir hatten keine Zeit für lange Planungen“, sagt Martin Percival, Fabs Vize-HR-Chef für Europa, der die Messe mitorganisert hat, „wir haben direkt damit angefangen unsere Kontakte abzuklappern, nachdem die Entlassungen verkündet waren.“ Vor 13 Jahren habe ein Unternehmen in England in einer ähnlichen Situation ebenfalls eine Jobbörse für ihre entlassenen Mitarbeiter auf die Beine gestellt, eine gute Idee, fand Percival damals. „Ich dachte: Hoffentlich muss ich niemals so etwas organisieren. Leider ist es heute so weit.“ Am kommenden Donnerstag soll eine weitere Jobbörse bei Fab stattfinden, interessierte Startups können sich noch melden.

Willkommen, sagt der Biber

Kleine Tischchen und größere Stände reihen sich in Lobby und Kantine, ein Groupon-Mitarbeiter malt im Hof mit bunter Kreide die Email-Adresse für Initiativbewerbungen auf das Pflaster, die Wand hinter dem Stand des Unternehmens ist ebenfalls bunt beschrieben. „Welcome Fab to the World of Groupon“, sagt dort ein gezeichneter Biber im Weezer-T-Shirt, daneben sind die Stellen vermerkt, die derzeit bei der Dealplattform besetzt werden sollen: Senior Buyer, Customer Care Agent, Tech Specialist. Auch am deutschen Groupon-Standort wurde im Mai einem Teil der Mitarbeiter gekündigt, andere sollten nach Dublin umsiedeln.

Die ehemaligen Fabler schlendern durch die Popup-Jobmesse, manche zögerlicher, andere höchst zielstrebig, einen Stapel Lebensläufe zum Verteilen im Arm. „Wie sieht es denn mit deinem Englisch aus?“ und „Send me your CV!“, summst es im Vorübergehen aus den Gesprächen. „Die Jobbörse ist eine gute Idee“, sagt eine geschasste Produktmanagerin. „Sie könnten ja auch einfach sagen, tschüss, das wars für euch. Man hat das Gefühl: Sie kümmern sich.“ Andere sehen im Vermittlungsangebot ihres Ex-Arbeitgebers „schon ein Zeichen für schlechtes Gewissen“. Und wieder andere präsentieren abgeklärten Pragmatismus, den Arm voller Infomaterial potenzieller neuer Arbeitgeber: „Wer auf eine solche Situation nicht vorbereitet ist, sollte nicht in einem Startup arbeiten. Es kann immer wieder mal passieren, dass man seine Stelle verliert. Klar, das hat hier schon eine ziemlich große Dimension. Aber aus wirtschaftlicher Sicht kann ich die Entscheidung total nachvollziehen“.

„Wie in amerikanischen Filmen“

Geschockt waren die meisten, als am Dienstag die Nachricht verkündet wurde, sagt Martin Percival, das sei ja auch sehr verständlich. „Aber das Durchschnittsalter bei Fab ist 26 Jahre – sie werden alle wieder einen Job finden. Wir reden hier ja nicht über 50-jährige Stahlarbeiter in Essen.“ Einige der Entlassenen seien auch immer noch „ein bisschen wütend“. So schnell sei alles gegangen, sagt eine Ex-Mitarbeiterin, dass sie es noch gar nicht richtig kapiert habe: „Der Dienstag war dann auch direkt unser letzter Arbeitstag. Zack, raus, so, wie man es sonst nur in amerikanischen Filmen sieht.“ Und nun gleich wieder zack, rein in den nächsten Job? „Ich habe auch überlegt, ob es vielleicht ein bisschen zu früh ist“, sagt Percival, „viele haben erst ein paar Tage nach der Kündigung wirklich realisiert, was passsiert ist. Aber alle, mit denen ich gesprochen habe, sagten mir: Wir wollen gleich weitermachen.“

Ein bisschen, sagt ein Ex-Fabler, der einen Jobmessenstand nach dem anderen abarbeitet, fühle sich das ganze hier wie Speeddating an. „Nur, dass man dabei mit seiner alten Beziehung noch nicht abgeschlossen hat.“

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