jay hallberg spiceworks

Jay Hallberg, Gründer und COO von Spiceworks

„In den nächsten ein, zwei Jahren werden wir nach Deutschland kommen“

Vier Gründer aus Austin, Texas, die aus Versehen eines der erfolgreichsten sozialen Netzwerke der letzten Jahre geschaffen haben: Das ist die Geschichte von Spiceworks. 2006 gründen die Jungs um Jay Hallberg das Unternehmen, das zunächst nur ein kostenloses Tool für Netzwerkadministratoren anbietet und sich über Werbung finanziert. Daraus entwickelt sich eine Community, ein soziales Netzwerk – acht Jahre später ist Spiceworks das Facebook für Informatiker, fünf Millionen ITler aus der ganzen Welt kommen regelmäßig auf die Seite.

Heute verkündet Spiceworks ein weiteres Investment: In einer Serie-E-Finanzierungsrunde, die von Goldman Sachs angeführt wird, fließen 57 Millionen US-Dollar in das Unternehmen. Das Gesamt-Investment seit 2006 beläuft sich damit auf 111 Millionen. Es ist wahrscheinlich die letzte Finanzierungsrunde vor dem Börsengang.

Was das Unternehmen mit dem Geld vorhat und wie Spiceworks das wurde, was es heute ist – Mitgründer Jay Hallberg spricht darüber im Kurz-Interview.

Spiceworks preist sich selbst als das „LinkedIn für IT-Professionals“. Was macht ihr anders, was könnt ihr besser als LinkedIn?

Ich glaube, wir sind Teil eines größeren Trends: Berufstätige organisieren sich in besonders spezialisierten und reichhaltigen sozialen Netzwerken. Bei uns gibt es eine richtige community, nicht nur connections. Dazu gibt es auf unserer Plattform Applikationen, die den ITlern helfen, ihre Arbeit zu tun. Es gibt auf der Welt ungefähr 15 Millionen IT-Fachleute, vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen, die Computer einkaufen, die Netzwerke am Laufen halten, Drucker reparieren. Jeden Monat kommen fünf Millionen davon zu uns. Sie nutzen unsere Anwendungen zur Verwaltung der IT, für das Alltagsgeschäft. Nichts davon kann man logischerweise über LinkedIn erledigen. Dann gibt es bei uns ein sehr detailliertes Wissen zu allen Fragen im Job: Wie schütze ich mein Netzwerk? Welcher Router ist gut? Wie bekomme ich eine Gehaltserhöhung vom Chef? Die Leute antworten wirklich in Sekundenschnelle. Man bekommt so ein Engagement- und Expertise-Niveau, das über LinkedIn nicht möglich ist.

Ursprünglich seid ihr nicht mit einem sozialen Netzwerk gestartet, sondern mit einem Network-Mapping-Tool für ITler.

Ja, unser Ausgangspunkt war nicht: Lass uns Facebook kopieren. Wir wollten etwas machen für IT-Leute in kleinen und mittleren Unternehmen. Die hatten keine guten Tools, und sie waren ehrlich gesagt auch ziemlich einsam. Eine Firma mit 100 Mitarbeitern hat nicht viele ITler. Nach zwei Jahren hatten wir schon 250.000 Nutzer, die bald angefangen haben, andere Nutzer nach Tipps zu fragen. Ungefähr 2008 haben wir begonnen, in diesen Teil des Geschäfts zu investieren. Das war die Zeit, in der Facebook, LinkedIn, Xing so richtig in Mode kamen.

Anzeige
Was habt ihr mit den 57 Millionen vor?

Wenn man wie wir ein Drittels des Markts abdeckt, dann ist das ein Tipping Point. Es kommt jetzt darauf an, in die technologische Basis zu investieren, in die APIs, um es anderen Marken zu erleichtern, Anwendungen in Spiceworks zu integrieren. Dann wollen wir unseren Mitgliedern helfen, ihre Karrieren voranzubringen, mit einem Job-Bereich, in dem sie ihre Lebensläufe auf eine neue, sehr visuelle und projektbasierte Weise präsentieren können. Und wir werden in den Marktplatz investieren, um den IT-Kaufprozess zu verändern.

Werdet ihr eure Präsenz in Deutschland ausbauen?

Seit einem Jahr haben wir offiziell ein Büro in London. In den nächsten ein bis zwei Jahren werden wir auch nach Deutschland selbst kommen. Das Land ist ein sehr wichtiger Markt für uns. Wir haben hier schon deutlich mehr als 100.000 Nutzer, einige der aktivsten Spiceworks-Mitglieder sind aus Deutschland. Allerdings setzen wir auf der Business-Seite in Europa noch nicht genug um, dort werden wir also in Wachstum investieren.

Gerade bei Investoren sind Ideen für Social Networks derzeit nicht mehr besonders beliebt. Wenn ein Gründer ein soziales Netzwerk umsetzen will – würdest du ihm dennoch dazu raten?

Das kommt darauf an. Es kann funktionieren. Es gibt so viele Spezialbereiche, Branchen, Nischen auf der Welt. Wir fokussieren uns auf IT. ResearchGate macht das für die Wissenschaft, es gibt Netzwerke für Mediziner, für Buchhalter. Gibt es schon was für Juristen? Das ist für fast jede Industrie denkbar. Auf der anderen Seite sind Konsumenten-Netzwerke immer noch attraktiv, weil man potenziell jeden Menschen auf dem Planeten erreichen kann. Denk an Pinterest oder Snapchat. Man muss sich entscheiden: Will ich auf dem Konsumentenmarkt etwas erreichen, ist das befriedigend? Oder will ich ein Business-Problem lösen? Mich hat letzteres immer mehr interessiert. Und die gute Nachricht ist: Es gibt immer Business-Probleme, die man lösen muss. Soziale Netzwerke sind eine Antwort darauf. Bei Consumer Networks ist zudem das Problem: Für jede Idee gibt es immer 20 andere, die die gleiche Idee versuchen. Es geht dann nur darum, wer am schnellsten Geld einsammeln kann.

Bild: Spiceworks