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Die Baumwollspinnerei in Leipzig ist Sitz des HHL-Accelerators SpinLab.

SpinLab will Startups nach Leipzig bringen

Die HHL in Leipzig ist mit etwa 600 Studenten zwar eine der kleinsten Gründerhochschulen Deutschlands, aber laut des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft auch eine der besten. Mit ihrem neuen Accelerator-Programm SpinLab will die Einrichtung ihr Image als Gründerinstitution festigen. Zudem soll auch der Großraum Leipzig für Startups an Bedeutung gewinnen. Bisher gibt es hier nur wenige Dickschiffe, wie etwa das Big-Data-Unternehmen Datameer aus Halle.

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SpinLab bietet seinen Teilnehmern ab Februar ein sechsmonatiges Programm mit Co-Working-Space in der berühmten Leipziger Baumwollspinnerei. Außerdem stehen auch Mentoring, Workshops, Vorträge, Netzwerkveranstaltungen, Kontakt zu Investoren und Zugang zu Technologien auf dem Plan. Bewerben können sich Gründerteams auch ohne HHL- oder Leipzig-Bezug noch bis zum 15. Januar per Onlineformular.

Gründerszene sprach mit dem SpinLab-Geschäftsführer Eric Weber über den Accelerator, die HHL und Leipzig als Startup-Region.

Eric, die HHL wurde kürzlich mit dem Titel „beste kleine Gründerhochschule“ versehen. Was heißt das genau?

Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft rankte nun bereits im zweiten Jahr alle Hochschulen, die sich mit dem Thema Gründung beschäftigen. Man kann aber natürlich eine Hochschule mit unter 5.000 Studenten nicht mit einer großen wie beispielsweise der TU München vergleichen. Deswegen ist das Ranking unterteilt in kleinere, mittlere und große Hochschulen. In unserem Bereich sind wir auf Platz 1. Die WHU befindet sich auf dem zweiten Platz.

In der Außenwahrnehmung lauft ihr der WHU und EBS derzeit noch hinterher. Wie kommt das?

Zum einen ist unsere Hochschule derzeit noch viel kleiner. 1992 wurde der Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen und den verstärkten Fokus auf den Bereich Entrepreneurship gibt es seit drei bis fünf Jahren. Wir weisen bisher 1.500 Alumni auf, wachsen allerdings stark und generieren aktuell 300 neue Alumni pro Jahr. Aus diesen Absolventen sind bereits 150 Startups wie Trivago, Hitfox oder Spreadshirt entstanden.

Leipzig ist nicht gerade die Gründerhauptstadt schlechthin. Ist die Stadt nun auf dem Vormarsch, eine Startup-Hochburg zu werden?

Ich bin mir völlig darüber im Klaren, dass Leipzig in der Wahrnehmung noch nicht mit Berlin, München oder Hamburg gleichzusetzen ist. Und das wird auch innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre nicht passieren. Mein Traum ist allerdings, dass es irgendwann heißt: Der Großraum Berlin-Leipzig ist eine coole Region zum Gründen. In Kalifornien sagt auch niemand: San Francisco ist eine coole Region zum Gründen – sondern das Silicon Valley. Für Leipzig spricht unter anderem eine hohe Dynamik und ich wage die Hypothese, dass Dynamik für Gründungen entscheidender ist als Niveau.

Denn wenn es ein hohes Niveau an wirtschaftlichem Wohlstand gibt, heißt das auch, dass es hohe Lohnkosten, hohe Mieten und so weiter gibt. Berlin war lange Zeit der billigste Hotspot in Europa. Aber das ändert sich zunehmend und damit wird Leipzig als nächste coole Stadt attraktiver. Wir sind in einer Stunde in Berlin. Wenn man aber innerhalb Berlins von A nach B fährt, dauert das unter Umständen auch eine dreiviertel Stunde. Es gibt also wenig zeitliche Nachteile und irgendwann sollte man ja auch arbeiten und nicht nur im St. Oberholz rumsitzen. (lacht)

Klingt danach, als wenn SpinLab kein Hipster-Accelerator sein soll.

Nein. Das Programm ist ernsthaft aufgezogen und unsere Mentoren sind keine „Schnacker“. Wir wollen hier in Leipzig etwas aufbauen und den Leuten zeigen, dass die Region großes Potenzial hat.

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Braucht es wirklich noch einen weiteren Accelerator? Was zeichnet euch aus?

Zum einen ist das die Location: Die Leipziger Baumwollspinnerei. Das ist ein riesiges Gelände und hinter jeder Tür erwartet den Besucher etwas anderes. Beispielsweise eine riesige Carrera-Bahn, oder Neo Rauch, einer der beliebtesten zeitgenössischen Künstler. Hinter der nächsten Tür ist ein Kino und dahinter wieder ein Ingenieursbüro oder eine Werbeagentur. Hier kann man sich ausleben, ohne, dass man unter Beobachtung steht. Man ist kreativ und frei. Das ist ein tolles Umfeld für Gründungen. Zudem gibt es hier Leute, die sich für Kunst interessieren – und darin investieren auch Menschen, die sich potenziell für Startups interessieren könnten und umgekehrt.

Sucht ihr für den Accelerator dann auch die extravaganten Gründungen?

Es muss innovativ sein – wir wollen nicht den zehntausendsten Online-Shop für Schuhe. Es sollte zudem technologisch orientiert und skalierbar sein. Wir wollen kreative Gründer mit Energie und Leidenschaft.

Das Programm ist kostenfrei, die Gründer müssen keine Anteile abgeben. Was springt für die HHL oder den SpinLab-Accelerator dabei heraus?

Die HHL unterstützt das Projekt unter anderem aus Image-Gründen: Als Gründerhochschule muss man attraktive Angebote für Gründer schaffen. Warum wir keine Anteile nehmen, hat mehrere Gründe: Zum einen müssen wir nicht jeden Fall als Investment-Case sehen und sind frei und flexibel in unserer Entscheidung. Zudem finanzieren wir uns über Partner, beispielsweise klassische Investoren und Konzerne. Die wollen in die Startups finanzieren. Und würden wir uns beteiligen, würden wir diese Investoren verwässern.

Wie genau partizipieren eure Partner wie beispielsweise der High-Tech Gründerfonds an euren Startups?

Das funktioniert so, dass sich die Gründer-Teams bei Investitionsbedarf während der Zeit im Accelerator zuerst an unsere Partnern wenden müssen. Wir treffen also eine Vorselektion und generieren Investments.

Müsste euren Partnern nicht daran gelegen sein, gerade diese schnell skalierbaren und hochertragreichen Startups zu finanzieren? Denn gerade meintest du ja, dass ihr nicht alle Teams als Investment-Case seht.

Wenn wir beispielsweise sieben Teams aufnehmen, dann mischen wir ein oder zwei mit erhöhtem Risiko bei, da wir nicht bei jedem ein Investment generieren müssen. Langfristig wollen wir für unsere Partner aber natürlich schon Cases dabei haben.

Eric, danke für das Gespräch.

Bild: Baumwollspinnerei/Thomas Riese