Philip Siefer (links) und Waldemar Zeiler Zwei Einhörner auf dem Weg ins Weltall?

Es war nicht der Quotenbringer, den man sich bei der ProSiebenSat.1-Tochter Kabel1 erhofft hatte. Rund 650.000 Zuschauer konnte die Show „Vom Spinner zum Gewinner“ am gestrigen Abend auf sich ziehen. Das ist ungefähr so viel wie die Premierenfolge in der vorigen Woche – aber ein Bruchteil dessen, was „Die Höhle der Löwen“ bei Vox erreicht. Dort sind es regelmäßig über zwei Millionen Zuschauer.

Allerdings ist das Format auch anders. Es wird nicht gecastet, sondern die Schicksale dreier Gründer beziehungsweise Gründerteams werden erzählt. Diesmal dabei: die Zwillinge Johannes und Josef Schreiter aus Offenbach, die Einhörner Philip Siefer und Waldemar Zeiler aus Berlin und Daniela Steinberger aus Greiling in Bayern.

Wir haben die Geschichten der zweiten Folge für Euch zusammengefasst, die ganze Folge gibt es hier zum ansehen:

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Frankfurter Brett

Es geht einem bekennenden Hessen wie dem Autor ja „runner wie Öl“, wenn es um Erfindungen aus der alten Heimat geht. Die Zwillinge Johannes Schreiter, Koch, und Josef Schreiter, Produktdesigner, aus Offenbach haben sich mit Brettern beschäftigt, genauer: Schneidebrettern für Küchen. Das Frankfurter Brett gibt es mit oder ohne Betonbasis. „Was soll schon schief gehen?“, dachten sie sich. Ähem. Finanziert wurde alles durch die Crowd: 75.000 Euro hatten sie einnehmen wollen, 130.000 Euro wurden es dann. Nun müssen 500 Bretter ausgeliefert werden, weltweit warten die Kunden – mittlerweile schon eine ganze Weile. Im grau-beigen Volvo Kombi geht’s zum Produzenten. Und der sorgt gleich für Ernüchterung: Der Herstellungspreis wird doppelt so hoch sein wie geschätzt.

Also selbst machen, das ist billiger. Jeder Gussversuch kostet 60 Euro und zwei Stunden. Erste Zwischenbilanz: 600 Euro und 20 Stunden Arbeit in den Sand gesetzt. Fünf Wochen sind die Brüder in Verzug. Immerhin: Die kleineren Nur-Holz-Varianten liefert ein Schreiner on-time. Bislang haben sich nur einige Hobby-Köche interessiert, aber auch an Profis wollen sich die Gründer wenden. Sozusagen ein B2B-Geschäftsmodell. Und im Offenbacher Startup wird es eng – zwölf Paletten Verpackungsmaterial passen nicht ins Wohnzimmer.

Die beiden versuchen es auf einer Küchenmesse. 450 Euro plus Behälter sollen die Beton-stabilisierten Schneidebretter kosten. Profi-Koch Mirko Reeh stutzt, lädt die beiden aber zum Praxistest ein. Der sorgt dann immerhin für gutes Feedback. Verkauft haben die Zwillinge trotzdem nichts.

Die große Hoffnung: ein Treffen mit einem Großhändler. „Wenn’s billig wär, wär’s nicht gut.“ Am Preis stört der sich nicht, da geht vielleicht noch was. Und ja, es klappt, zumindest wird über ein Angebot gesprochen. Sämtliche Vorbestellungen aus der Crowd-Kampagne können die Brüder allerdings noch nicht ausliefern. Aber immerhin, ein Anfang ist geschafft. (Bild: Kabel1)

Bild: Kabel1