Spitzeljagd

Mit Smartphone durchs Agentenmilieu

Wer sich in die Fänge des öffentlichen Nahverkehrs begibt, entkommt diesem in der Regel erst nach endlosen Minuten wieder. Im besten Fall trifft man ein Pony, im schlechtesten Fall schläft man ein und verpasst die richtige Station. Auch das Gründer-Team um Medienwissenschaftler und Buchautor Philipp Reinartz beschäftigte die vornehmlich langweilige Reisezeit zu Fuß oder per Nahverkehr und erkannte sie schließlich als Chance – zum Zocken!

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In ihrem jungen Mobile-Game Spitzeljagd (www.spitzeljagd.de) kann der Spieler reale Orte in seiner Umgebung virtuell besetzen, indem er dort hinterlegte Aufgaben auf seinem Smartphone löst. Die Spielmechanik erinnert deutlich an die moderne Schatzsuche Geocaching: Der Spitzeljagd-Spieler sieht eine Karte mit Spitzelspots in seiner aktuellen Umgebung, momentan Stationen des Nahverkehrsnetzes. Ist er nah genug an einem Spot, kann er dort eine der Aufgaben, wie kleine Geschicklichkeits- oder Rätselspiele, einsammeln. Löst der Spieler die Aufgabe – direkt vor Ort oder später – kann er den Spot mit einem seiner virtuellen Spitzel besetzen.

Wie bei Monopoly profitiert der Spieler nun sobald Konkurrenten den Spot besuchen, natürlich versuchen diese jedoch den Spot durch gelöste Rätsel wiederum an sich zu reißen. Durch In-Game-Güter wie kann der Spieler versuchen seinen Spitzel-Sport zu verteidigen, das Wettrüsten beginnt. Über eine Highscore kann sich der Spieler in Echtzeit mit seinen Konkurrenten messen – in Zukunft über einen Favoritenhighscore zusätzlich auch direkt mit seinen Freunden.

Spitzeljagd zieht es nach Tallinn

Seit Mitte 2012 arbeitet das fünfköpfige Team bestehend aus Philipp Reinartz, Jacob Beutler, Sebastian Zillessen, Tarek Hohberg und Daniel Finck am Smartphone-Spiel Spitzeljagd. Seit September 2012 ist eine erste Beta-Version für iOS und Android verfügbar die sich im Verlauf der letzten Monate auf 15 Städte ausgebreitet hat. Den erbittertsten Schlagabtausch liefern sich zur Zeit die Berliner Spieler: Jeder aktive Nutzer sammelt hier durchschnittlich 40 Aufgaben pro Woche ein.

Eine Startfinanzierung erhielt das Team durch die Initiative „Herausforderung Unternehmertum“, einer Kooperation der Stiftung der Deutschen Wirtschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung. Nachdem in den vergangenen Monaten die Spielmechanik ent- und die Spitzeljagd angeworfen ist, zieht es das Team in die estnische Hauptstadt Tallinn.

Vom Games-Inkubator Gamefounders (www.gamefounders.com) erhält das Startup rund 15.ooo Euro Seed-Kapital, Büroräume für drei Monate und ein Netzwerk aus mehr als 70 Game-Gurus. Größte Nummer hierbei: Paul Bragiel. Der US-Entrepreneur hat nicht nur ein eigenes Entwicklungsstudio für Mobile Games gegründet, sondern hat auch beim Limousinendienst Uber seine Finger im Spiel. Erst vor wenigen Wochen startete das US-Startup medienwirksam in den deutschen Markt. Funding und Netzwerk lassen sie die Esten jedoch gut bezahlen: Laut Unternehmensangaben wird die Seed-Förderung zum festen Kurs von neun Prozent der Unternehmensanteile vergeben.

Spion & Spion – Die Konkurrenz

Auch wenn Spitzeljagd auf dem deutschen Markt noch einzigartig daher kommt, drohen dem kleinen Agenten-Team Gefahren an allen Fronten: Mit dem Mobile-Game Google Ingress hat der Suchmaschinenriese sein eigenes „Beherrsche-deine-Welt“-Spiel im Rennen, bisher jedoch nur als Closed-Beta. Ingress kombiniert die reale Welt mit mystischen Elementen und präsentiert sich laut Screenshots in recht aufwändiger 3D-Optik.

Mit Geocaching, dem Urgestein der Geodaten-Spielerei, teilt sich Spitzeljagd den Nervenkitzel der Schatzsuche. Vorteil von Geocashing ist die große Menge an user-generated Content, der ohne Aufwand der Entwickler Schatzsuchen rund um den Globus ermöglicht. Spitzeljagd könnte dieser Masse an Inhalten jedoch die Qualität der eigenen Story, die Balance der Spielmechanik, sowie die Qualitätskontrolle der Spots entgegensetzen. Fährt ein Geocasher quer durch Berlin auf der Suche nach einem Cache, findet jedoch nur eine geplünderte Büchse ist der Spielspaß schnell passé.

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Auf sozialer Ebene muss Spitzeljagd dem einstigen Social-Hype Foursquare die Stirn bieten. Der Eincheck-Dienst konnte sich in kürzester Zeit eine große Nutzerbasis verschaffen und bindet diese, wie auch Spitzeljagd es plant, mit einem Gamification Ansatz. Während jedoch Foursquare-Nutzer eher daran interessiert sind ihren Freunden anzuzeigen wo sie sich grade befinden, rückt bei Spitzeljagd die Storyline und der Wettbewerb mit den Konkurrenten in den Vordergrund. „Einzelne Elemente verwenden auch andere erfolgreiche Apps“, bewertet Geschäftsführer Philipp Reinartz. „So kombiniert sind wir jedoch einzigartig. Einchecken, Minigames und Story soll Spitzeljagd zu einem täglichen Begleiter auf dem Weg durchs Stadtgetümmel machen.“

Die Sache mit dem Geldkoffer

Am Beispiel von Foursquare zeigen sich die Monetarisierungs-Probleme des Eincheck-Modells: Wie Meedia berichtet machte das soziale Netzwerk im vergangenen Jahr lediglich einen Umsatz von zwei Millionen US-Dollar. Bei einer einstigen Bewertung von 760 Millionen US-Dollar nicht grade sehr erbaulich. Im konkreten Foursquare-Fall hängt die Flaute mit der Einführung der Check-In-Funktion von Facebook und dem folglichen Nutzerschwund zusammen, doch auch für Spitzeljagd stellt sich die Frage wie das Startup langfristig den Geldkoffer füllen möchte.

„Wir haben den Vorteil, dass wir in zwei Richtungen monetarisieren können“, erklärt Philipp Reinartz. „Spieler haben die Möglichkeit, kleine Extras für kleine Echtgeldbeträge zu erwerben, gerade um im Konkurrenzkampf mit den eigenen Freunden die Nase vorne zu haben. Und Partnern bieten wir die Möglichkeit, in einem positiv konnotierten Spielumfeld wahrgenommen zu werden – zum Beispiel durch Filialen als gesponserte Spots.“

Bildmaterial: Spitzeljagd