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Man habe die eigenen Ziele nicht erreicht, war das Ergebnis des Spreadshirt-Board-Meetings in London diesen Monat, weshalb nun wohl wieder Mitarbeiter gehen müssen. Obwohl Spreadshirt weiterhin wachse, muss man den Gürtel nochmal enger schnallen, sei die Steigerung doch nicht so stark wie in den vorangegangenen Jahren, heißt es aus dem Unternehmen.

Spreadshirt (www.spreadshirt.net) ist eine weltweite Kreativplattform für personalisierte Kleidung, die als einer der Begründer der Customization auf dem deutschen Markt gilt.  Spreadshirt wurde unter anderem von Team Europe Ventures-Partner Lukasz Gadowski gegründet, dessen VC auch Gesellschafter von Gründerszene ist. Knapp 300 Mitarbeiter arbeiten derzeit noch daran, Bilderwelten auf Shirts, Pullover und einiges mehr zu bringen – von der Programmierung der Plattform über Marketing und Service bis zum fertigen Shirt.

Hintergrund der Kürzung ist, dass man trotz einer Reihe von Kostensenkungsmaßnahmen die eigenen Ziele für 2009 nicht erreicht hat. Spreadshirt wachse weiterhin, jedoch nicht so stark wie in den vorangegangenen Jahren. Zwar war sich das in Leipzig gegründete Unternehmen bewusst, dass es dieses Jahr nicht profitabel sein würde, aber das Ziel lautet, im nächsten Jahr profitabel zu sein. Weiter zu wachsen, ist daher das Top-Ziel, während man gleichzeitig die Flexibilität erhöhen will, ohne dass die Bruttomarge unangemessen verkleinert würde.

Daher sei es notwendig, dass man nun Projekte kippt und Stellen streicht, die man sich gegenwärtig nicht leisten könne. Betroffen sind Positionen in der Verwaltung in Deutschland und in den USA in einer Größenordnung von weniger als 10 Prozent, was nach dieser Rechnung rund 25 Mitarbeiter betreffen dürfte.

Rote Zahlen trotz umfangreicher Finanzierungsrunde

Dabei hatte man im Februar eine Finanzierungsrunde über 10 Millionen Euro durch Accel und Kennet Partners eingefahren, sodass sich die Gesamtfinanzierung mittlerweile auf 18 Millionen Euro beläuft. Eine Finanzierung, durch welche die Investoren noch einmal den Druck auf CEO Jana Eggers erhöht haben dürften. Überhaupt ist denkbar, dass deren Stuhl langsam auch ins Wackeln geraten könnte, hat doch erst im August Finanzvorstand Andreas S. nach knapp zwei Jahren im Amt seine Koffer gepackt. Ersetzt wurde dieser damals durch Tobias Schaugg von DocMorris, während gleichzeitig auch Philip Rooke und Jürgen Gauger als neue Manager an Bord kamen.

Jana Eggers sieht die Lage des Unternehmens objektiv und ist nicht zufrieden: „We are disappointed and frustrated that we have not been able to achieve goals that we saw as possible. Yes, the economy has impacted our business. We look across multiple indexes and see that we are trending better than ecommerce in general and the t-shirt sector specifically.“ Offenbar schafft man es bei Spreadshirt nicht, in den Bereich schwarzer Zahlen zu kommen.

Und die Ursachen? Selbstkritisch sagt Eggers weiter: „However, we take responsibility for our business, and we should be more flexible in an instable economy. We also see areas where we did not execute as well as we should have. We are reducing projects so that we make sure we execute well on our strategy of creative, self-expressive fashion, where we continue to see more opportunity for growth.“

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Exciting Commerce rechnet in einem Post vom August dieses Jahres vor, dass Spreadshirt seinen Umsatz 2007 von 12,2 Millionen Euro (2006) auf 15,3 Millionen (+25,7 Prozent) erhöht hat, wobei das deutschsprachige Geschäft 2007 nur minimal auf 6,4 Millionen Euro (+1,4%) wuchs. Nachzulesen sind die Ergebnisse für 2007 auch im elektronischen Bundesanzeiger (Suchbegriff: „Sprd“). Hierzu ist anzumerken, dass der Umsatz von Töchterfirmen wie LaFraise nicht berücksichtigt wird, das heißt der wirkliche Umsatz ist größer. Gemäß den von Spreadshirt herausgegebenen Zahlen zum Anfang des Jahres, dürfte sich der Umsatz im letzten Jahr – das kommunizierte Wachstum von 40 Prozent vorausgesetzt – wohl bei rund 21 Millionen Euro bewegt haben. Spreadshirt selbst kommentiert seine Umsätze nicht, sondern kommunizierte 2008 lediglich, dass man 1,3 Millionen Produkte versandt hat.

Soll dies gelingen und will man in Leipzig zukünftig nicht zum „Shrinkshirt“ werden, muss sich jenseits der guten Social Media Politik noch einiges mehr tun. Die notwendigen Kürzungsschritte wurden nun auf Kosten der Mitarbeiter vollzogen, alles weitere bleibt abzuwarten. Gründer und Aufsichtsrat Lukasz Gadowski hält sich zu diesem Thema bedeckt: „Als Aufsichtsrat kann ich mich nicht frei Äußern. Deswegen sage ich lieber gar nichts.“ Es ist anzunehmen, dass Gadwoski nicht sonderlich erfreut ist; in den ersten vier Jahren nach der gemeinsamen Gründung mit Matthias Spiess war das Unternehmen ohne jegliche externe Kapitalzufuhr gewachsen.