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Meinestadt.de mit Innovationshunger

67 Prozent der Deutschen kennen die Marke Meinestadt.de (www.meinestadt.de), was unter anderem daran liegt, dass die Webseite bereits seit 1999 existiert und der Betreiber, die Allesklar.com AG, seit 1996 mit mehreren Projekten am Markt agiert. Dennoch ist das Unternehmen nicht so angestaubt, wie es das mittlerweile angegraute Frontend der Meinestadt-Webseite glauben machen mag.

Derzeit finanziert sich das Zugpferd, das Portal für derzeit ewa 12.000 deutsche Städte, Meinestadt.de, vor allem durch sein Stellenangebots- und Reichenweitengeschäft – Advertisung und Corporation Business. Nach Angaben vom Vorstandsvorsitzenden Georg Konjovic gegenüber Gründerszene „ist das Unternehmen hochprofitabel und etabliert.“

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Um nicht stehen zu bleiben, innoviert Allesklar an mehreren Fronten und stellte sich laut Konjovic die Fragen: „Wie können wir da noch eine Schaufel drauflegen. Wo ist Wachstum? Wo sind die Innovationen, die zu Meinestadt.de passen?“

Als Konsequenz ist unter anderem für nächstes Jahr ein Relaunch der Webseite geplant und mit der App Nur10.de ist gerade eine internes Projekt dabei, ausgegründet zu werden. „Für viele unserer Wachstumsideen ist ein neues Meinestadt.de die Basis. Aber wir wollten nicht bis nächstes Jahr den Relaunch abwarten, sondern müssen schon vorher etwas tun – und deshalb haben wir jetzt Projekte wie Nur10.de gestartet.“

Nur10: was Groupon und Fiverr nicht konnten?

Nur10 ist eine mobile Anwendung, bei der dem Nutzer Dinge in seiner Umgebung für zehn Euro angeboten werden. Das erinnert an das in Deutschland gescheiterte Fiverr-Modell, bei dem Dienstleistungen von Privatpersonen für einen Fixpreis angeboten wurden. Nur10 überträgt das Konzept allerdings auf die Geschäftsebene: So kann zum Beispiel ein Restaurant ein Menü oder ein Fitnessstudio eine Probestunde zum fixen Preis anbieten. Dieses Szenario erinnert dann doch weniger an Fiverr und mehr an Groupon.

„Die Idee mag leicht aussehen, aber die Nur10-Jungs haben eine Mission, die Groupon und Co nicht geschafft haben“, sagt Konjovic. „Der Unterschied zu bestehenden Modellen ist die Art der Kommunikation: Im Falle von Nur10 werden die Prozente erst gar nicht und der Preis nur leise kommuniziert, aber dahinter gibt es einen Warenkorb, der attraktiv gestaltet werden muss.“ Sprich: Das Produkt und nicht das Schnäppchen soll im Fokus stehen.

Als Testmarkt für Nur10 fungiert seit wenigen Wochen die Stadt Köln – auch die Allesklar AG hat ihren Sitz in Siegbug in der Nähe der größten Rheinstadt. Die ersten Nur10-Kunden mussten allerdings erst einmal überzeugt werden, da Groupon und Konsorten hauptsächlich entnervte Kunden hinterließen. „Die meisten Türen zum Thema Couponing sind zu. Was Nur10.de aber schafft, ist es, die Türen wieder zu öffnen“, so Georg Konjovic. Je nachdem wie der Testmarkt läuft, will man entscheiden, ob man in andere Städte expandiert.

Zu Nur10 kam Meinestadt allerdings wie die Jungfrau zum Kinde, durch einen Zufall: Zwei Mitarbeiter – Peter Pletsch und Sebastian Drees -, eine ausgearbeitete Business-Idee und ein Arbeitgeber, der die Synergien zum bestehenden Geschäft erkannte und das Projekt lieber gemeinsam mit den bestehenden Ressourcen umsetzen wollte. „Die Nur10-Idee haben wir ausnahmslos intern evaluiert“, sagt Konjovic und fügt hinzu: „Wir kennen das lokale Business in- und auswendig und konnten gut abschätzen, ob das Couponing-Business klappen kann.“

Innovationen von Innen

Damit es aber nicht beim Zufall bleibt, setzt Meinestadt verstärkt auf den Unternehmer-Gedanken und Innovationen von innen. „Wir sind total offen für Unternehmer aus den eigenen Reihen. Ich freue mich über jeden, der sagt, dass er unternehmerische Verantwortung tragen will.“ Nur10 sei „der erste Schritt einer denkbaren Fortsetzungsreihe“, so Georg Konjovic.

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Neben dem bei Nur10 gefahrenen Inkubator-Ansatz will man aber den Fokus nicht Richtung Startup abändern: „Wir sind nicht auf der Jagd nach weiteren Startups und Early-Stage- und Seed-Investments“, sagt Konjovic klar, fügt aber hinzu, man habe für entsprechenden Projekte „zwar keinen Startup-Charakter – dafür wären 300 Leute doch zu viel – aber zumindest die Dynamik eines Startups: das schnelle Entscheiden und Exekutieren.“

Mobile und stationär gehen Hand in Hand

Neben dem bald ausgegründeten und schon jetzt eigenständig agierendem Nur10 und der bereits seit über drei Jahren existenten Meinestadt-App entwickelt Allesklar auch mobile Ausbildungs- und Job-Anwendungen und zum Beispiel die Plunder-Verkaufs-App Plundr. Zudem hat das Unternehmen mit der Übernahme durch Axel Springer vor einem Jahr einen überaus Mobile-fixierten Neueigner an Bord.

Derzeit weist das Unternehmen einen Mobile-Traffic-Anteil von etwa zehn bis zwölf Prozent auf. Das ist vergleichsweise gering, aber mit einer Verdreifachung seit Jahresanfang ein solides Wachstum. Zudem, so Konjovic, „sind wir nicht Yelp oder Facebook, wo der mobile Use Case früher losgeht“. Er ist davon überzeugt, dass das lokale Business, der Stellenmarkt und weitere von Meinestadt promiment abgedeckte Bereiche immer mobiler werden.

„Wir gehen dahin, wo das Business ist, und es gibt eine Verschiebung vom Stationären zum Mobilen. Deshalb müssen wir gute Services auch im Mobilen bringen – aber vernachlässigen das stationäre Angebot nicht.“

Bild: Meinestadt