Florian Gschwandtner über den Springer-Einstieg

In zehn Tagen wird die Fitness-App Runtastic vier Jahre alt – heute gibt es für die Gründer um den 30-jährigen Florian Gschwandtner ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk: Der Medienkonzern Axel Springer steigt bei Runtastic als Mehrheitseigner ein. 50,1 Prozent der Anteile gehen an die Berliner, dafür wird nach Gründerszene-Informationen ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag fällig. Für Springer passt die Runtastic-Akquise in den gerade verstärkt verfolgten Digitalisierungskurs – wie aber passt Springer zu Runtastic? CEO Florian Gschwandtner über die Hintergründe des Deals, Runtastic als Hardware-Dealer und warum es keine Bild-Fitness-App auf Runtastic-Basis geben wird.

Glückwunsch, Springer ist jetzt bei Euch Mehrheitseigner! Wie fühlt sich das an?

Danke, fühlt sich gut an. Aber der Deal kam ja nicht überraschend, das war ja alles vorbereitet. Das ist einfach ein nächster wichtiger Schritt in der Entwicklung unseres Unternehmens.

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Ist Springer auf euch zugekommen? Oder umgekehrt?

Wir haben uns kennen gelernt, daraus hat sich das entwickelt.

Was versprecht ihr euch von dem Deal?

Springer bringt uns Know-how, ein Netzwerk und eine gewisse Sicherheit. Wir sind ja sehr schnell gewachsen, von vier Gründern und einem Mitarbeiter in vier Jahren auf fast 90 Vollzeitkräfte. An uns jungen Gründern hängt damit immer mehr Verantwortung. Der Einstieg ist damit auch ein Schritt in Richtung Sicherheit.

Welches Know-how kann Springer vorweisen, das für euch von Interesse ist?

Was mich betrifft: Es gibt in Österreich einfach nicht mehr so viele Leute, mit denen ich mich über bestimmte Fragen austauschen kann: Wie führe ich meine Mitarbeiter? Wie kommt man auf das nächste Level? Wie spricht man die ganz Großen an?

Was, glaubst du, hat Springer mit euch vor?

Für Springer steht die Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Sie investieren in ein wirtschaftlich gesundes, profitabel wachsendes Unternehmen. Wir haben einen Plan, wo die Reise in den nächsten Jahren hingehen soll.

Gab es andere Interessenten in der Größenordnung?

Sicherlich gab es öfters hier und da Gespräche, die in eine ähnliche Richtung gingen.

Versteht Springer eigentlich, was ihr macht?

Definitiv. Die Springer-Leute haben unser Produkt sehr schnell verstanden und auch unsere Startup-Mentalität, die uns sehr wichtig ist. Wir haben unsere Investoren immer sehr vorsichtig gewählt. Man muss auch mit den Leuten können.

Ihr macht ein ziemlich trendiges Produkt, Springer gilt dagegen nicht unbedingt als cool. Auf Twitter gibt es viele negative Reaktionen zum Deal.

Bei jeder Veränderung gibt es Unsicherheit und Kritik, aber es gibt auch viele positive Stimmungen und wir werden gerne allen zeigen, dass diese Entscheidung langfristig der richtige Weg für beide Unternehmen ist.

Wird es bald eine Bild-Fitness-App geben, die mit eurer Engine läuft?

Da habe ich im Leben noch nicht darüber nachgedacht! Es wird überhaupt nicht in die Richtung gehen. Wir machen weiter unser eigenes Produkt.

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Aber Springer hat schon angekündigt, auch Synergie-Effekte etwa mit der Sport-Bild oder den Sportteilen von Welt und Bild ausschöpfen zu wollen.

Klar, wir haben ein sehr großes Know-how im mobilen Bereich, da können wir viel einbringen.

Ihr macht in letzter Zeit zunehmend Geschäfte im Hardware-Bereich, mit Sport-Equipment wie Pulsgurten oder intelligenten Waagen. Hat Springer jetzt eine App-Schmiede oder einen Sport-Shop gekauft?

Weder noch, würde ich sagen. Wir machen Mobile Health und Fitness, und da bauen wir unser eigenes Vertical, ein ganzheitliches Ökosystem.

Bild: Runtastic