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SquadMail-CEO Philipp Mayer auf der Next-Konferenz 2012

Squadmail ist offline

Sie waren eine echte Berliner Startup-Hoffnung: 2011 gründeten Benjamin EckartJan Brunnert und Philipp Mayer Squadmail, eine Art „Dropbox für Email“. Nutzer konnten über Squadmail E-Mail-Ordner teilen und synchronisieren. 2012 gewann das Startup den Startup-Pitch der Berliner Next-Konferenz, die Telekom nannte den Dienst „the next big thing“, Ende 2013 wählte der Londoner Top-Accelerator Seedcamp Squadmail sogar als einziges deutsches Startup für sein Programm aus.

Und dennoch, gereicht hat es nicht: Seit dem Jahresende ist der Dienst offline, die Website seither nicht mehr verfügbar. „Squadmail ist in der bisherigen Form Geschichte“, bestätigt Philipp Mayer gegenüber Gründerszene. Möglich sei, dass wenigstens der Squadmail-Code von einem anderen Unternehmen übernommen werde – doch entschieden sei nichts.

Squadmail hatte nur ein einziges Mal Kapital von Investoren aufgenommen, laut Mayer eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich. Das war 2013, es investierten die German Startups Group von Christoph Gerlinger, die Gruschel GmbH von StudiVZ-Gründer Ehssan Dariani und Family’s Venture Capital, hinter der mehrere Unternehmerfamilien stehen. In der Spitze beschäftigte das Startup drei Festangestellte und fünf Praktikanten.

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Zwischendurch, so steht es im Seedcamp-Porträt, sollen über 1.500 Unternehmen in 75 Ländern Squadmail genutzt haben. Am Schluss waren nur noch etwa 100 Unternehmen unter den aktiven Nutzern, sagt Mayer.

Schon seit einem knappen Jahr hätten nur noch zwei Leute für Squadmail gearbeitet. Sie hätten versucht, den Dienst besser auf das B2B-Geschäft auszurichten – und gaben im Herbst doch auf. „Wir haben im September erkannt, dass wir mit dem zur Verfügung stehenden Kapital das nicht in der Form ausrollen können, wie wir es wollten.“

Woran lag’s? Mayer glaubt, Squadmail habe sich verzettelt – indem es seinen Dienst für alle Mail-Dienste optimieren wollte. „Uns ist irgendwann klar geworden: Der ganze Aufwand für IMAP ist eigentlich unnötiger Aufwand gewesen – wir hätten besser für eine tiefere Integration in Gmail arbeiten sollen. Vor allem wegen der 4,5 Millionen Unternehmen, die das nutzen, ist Gmail die wichtigste Plattform.“ IMAP heißt jenes Netzwerkprotokoll, das den Zugriff auf Mailserver ermöglicht, egal bei welchem Dienst.

In einem weiteren Punkt habe sich das Startup vertan. „Als wir gegründet haben, gab es außer uns fast niemanden in dem Space“, erzählt Mayer. Die Nutzer hätten Squadmail daher für viele unterschiedliche Zwecke eingesetzt. „Das hat uns zu dem Trugschluss geführt, wir wären eine Multi-Purpose-Application wie Dropbox.“ Doch Squadmail hätte „eine viel bessere Fokussierung“ gebraucht. „In keinem unserer vier Use Cases wären wir die Nummer eins gewesen.“ Am Ende gab es viele besser spezialisierte Wettbewerber, die Squadmail in ihrem jeweiligen Spezialgebiet überholten.

Was Mayer gelernt hat? „Man sollte nicht versuchen, der Hans Dampf in allen Gassen zu sein, es allen recht und alles gut zu machen.“ Es sei „viel besser, für eine Plattform und für ein Muster-Zielunternehmen der beste zu sein und diesem ganz genau zuzuhören“.


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