Immer mehr Exits und viele US-Käufer

Brüssel ist neidisch aufs Silicon Valley. Echte High-Tech-Hochkaräter kämen nicht aus Europa, klagt die EU-Kommission. Und wenn doch, machten sie sich aus dem Staub, sobald sie eine kritische Größe erreicht hätten. Den Entscheidern in Brüssel reicht es.

Um der Startup-Hochburg an der Westküste Paroli bieten zu können, soll die europäische Startupszene zu einem dichten Ökosystem zusammenwachsen. Dazu rief die EU-Kommission Anfang dieses Jahres das Programm Startup Europe Partnership (SEP) ins Leben. Die Initiative vermittelt zwischen jungen Unternehmen und etablierten Konzernen.

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Nebenbei veröffentlicht SEP europaweite Studien zu sogenannten Scaleups. Laut SEP-Typologie sind das Startups, die in den vergangenen drei Jahren zwischen einer und 100 Millionen US-Dollar aufgenommen haben.

Die heute herausgegebenen, jüngsten Daten basieren eigenen Angaben zufolge auf über 1.000 zwischen Anfang 2011 und Juli 2014 abgeschlossenen Finanzierungsrunden und 200 Exits beziehungsweise Mergers & Acquisitions aus allen Ländern des Kontinents. Die Studie erhebt den Anspruch, repräsentativ zu sein.

Der vorläufigen Bericht bildet ausschließlich ICT-Unternehmen, also Unternehmen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie, ab und gibt einen Vorgeschmack auf die fertige SEP-Studie, die Anfang 2015 veröffentlicht werden soll. Die Ergebnisse in der Zusammenfassung:

  • Das meiste Geld konnte seit seiner Gründung Delivery Hero aufnehmen. Insgesamt gingen bis Juli 2014 635 Millionen US-Dollar an den Berliner Lieferdienstvermittler. Es folgen Spotify mit 538 Millionen und Bigpoint mit 460,5 eingefahrenen Millionen US-Dollar.
  • In der Stichprobe am häufigsten investiert ist der Schweizer VC Index Ventures. Ebenfalls vorne mit dabei sind der High-Tech Gründerfonds und Accel Partners. Von 1.500 Investoren sind 341 an mehr als einem Unternehmen beteiligt. 35 tauchen im Datensatz zehnmal oder häufiger auf.
  • Die Zahl der Exits ist in Europa seit 2011 kontinuierlich gestiegen. Während sich 2011 noch 30 Exits auf das ganze Jahr verteilten, sind es im ersten Quartal 2014 bereits 67. Der schwedische Spieleentwickler Mojang etwa ging Mitte September 2014 für 2,5 Milliarden US-Dollar an Microsoft. 900 Millionen US-Dollar legte der japanische E-Commerce-Riese Rakuten Anfang des Jahres für die WhatsApp-Alternative Viber hin.
  • Bei knapp der Hälfte (47 Prozent) aller untersuchten Exits stammen die Käufer aus den USA.
  • Die meisten Jungunternehmen aus der Studie sind in den Bereichen Software, E-Commerce und Mobile tätig. Die Höhe eines Investments steigt mit zunehmender Größe eines Sektors.
  • 25 Prozent der untersuchten Scaleups sitzen in Großbritannien, vor allem in London; 15 Prozent in Berlin. Weitere zehn Prozent sind in Frankreich ansässig.
Bild: (c) Bildagentur PantherMedia – A19837381 /