Lars Krüger, Vertriebsleiter bei Trecker.com

Ein Beitrag von Lars Krüger, Vertriebsleiter für Deutschland beim Landwirtschafts-Tool Trecker.com.

Ich komme aus einfachen Verhältnissen. Mein Vater war Grundschulhausmeister. Meine Mutter arbeitete nicht, sie litt an einer psychischen Krankheit. Die Schule besuchte ich mit geringem Interesse. Mit einem erweiterten Hauptschulabschluss verließ ich die Oberschule, um eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann anzufangen. Dort wurde ich jedoch gekündigt.

Also begann ich eine weitere Ausbildung, dieses Mal zum Konditor. Irgendwann während der Lehre machte es „Klick“ und auf einmal wollte ich mehr lernen, früher auslernen und aufsteigen. Nach zweieinhalb Jahren schloss ich die Lehre erfolgreich ab. Aber: Wollte ich den Rest meines Lebens am Fließband Streuselschnecken abnehmen? Nein, eher nicht.

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Nachdem ich meinen Wehrdienst bei der Bundeswehr angetreten und absolviert hatte, entschied ich mich für eine dritte Ausbildung. Dieses Mal zum Bestatter. Ich kündigte jedoch nach fünf Monaten, da ich größtenteils für die Bestattung von Haustieren zuständig war und mich Fiffi und Co. nicht sonderlich begeisterten.

Über eine Servicestelle bei einer Bowlingbahn erhielt ich einen Job im Fitnessstudio. Check-In, Check-Out, Getränke ausschenken – ich hatte riesige Freude an der Arbeit. Bis der Manager auf mich zukam und sagte: „Schau mal, dass Du ein paar Verträge schreibst!“ Gesagt, getan!

Hinfallen, aufstehen und weitergehen

Den Leuten das Fitnessstudio zeigen, dabei Kaffee zu trinken, einen Vertrag abzuschließen und dafür auch noch besser bezahlt zu werden, gefiel mir auf Anhieb. Im Studio arbeiteten viele studentische Teilzeitkräfte, was mich irgendwie motivierte, mein Abitur nachzuholen.

Allerdings scheiterte auch dieser Versuch: Die Schulbank wollte mir immer noch nicht gefallen. Mit Nebenjobs bei Ikea, einem Bio-Apfel-Händler und als Abrisshelfer hielt ich mich über Wasser, bis eines Tages eine Stellenanzeige für eine Juniorverkäufer-Position bei einem Automobilkonzern in einer Tageszeitung auftauchte. „Kommen Sie für ein Interview einfach in ein Café“ stand in der Anzeige. Ich packte meinen alten Bestatter-Anzug aus und ging in das Café. Das Interview verlief gut, es folgte ein weiteres Gespräch in der Niederlassung und ein zusätzlicher Assessment-Center-Test in München. Obwohl alle anderen Mitbewerber eine weitaus ansprechendere Laufbahn vorweisen konnten als ich, wurde ich tatsächlich eingestellt. Was für ein Erfolg! Das war einer der schönsten Tage in meinem Leben.

Anstatt die Stelle jedoch ernst zu nehmen, war ich aus voller Freude am Fahren besonders schnell auf Deutschlands Straßen unterwegs – was der Verkaufsleitung missfiel. Nur drei Monate später wurde ich aufgrund von „Unreife“ gekündigt.

Ich fiel in ein tiefes schwarzes Loch. „Wie sollte es jetzt weitergehen“, fragte ich mich. Aber: „Wenn ich in einen Automobilkonzern reinkomme, komme ich überall rein, oder nicht?“

Immobilien und Nagelkosmetik

Nach einer exzessiven Phase fand ich einen Job in einem Immobilienbüro. Neun Monate lang telefonierte ich sieben Tage die Woche. Rückblickend war dies die beste Schule, die man im Vertrieb bekommen kann. Kein Grundgehalt, keine Freizeit und eine hohe Schlagzahl bestimmten meinen Alltag in dieser Zeit. Aber auch dort ging es nicht weiter: Im Unternehmen kam es zu Unstimmigkeiten in der Führungsebene und wir mussten das Büro verlassen. Ich ging zurück nach Berlin.

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Kurze Zeit später erlitt mein Vater einen Schlaganfall, meine Mutter war pflegebedürftig und ich war arbeitslos und pleite. Für 0,69 Cent gab es Erbseneintopf. „Steck niemals den Kopf in den Sand“, pflegte mein Vater zu sagen. Also bewarb ich mich wieder und kam für eine Weile bei Vodafone unter. Später begann ich, als Juniorverkäufer in einem schweizerischen Automotive-Unternehmen im Außendienst zu arbeiten.

In dieser Zeit lernte ich eine Freundin kennen, die mich auf die Idee brachte, einen eigenen Onlineshop zu gründen. Nagelkosmetik sollte wohl der Renner sein. Mit meinem letzten Gehaltscheck nahm ich einen Kredit auf und gründete Nail-Dress. Nach einem Jahr verkaufte ich das Projekt an meinen polnischen Großhändler. Zwar fiel für mich hierbei kein Gewinn ab, aber ich war um einige Erfahrungen reicher. Dann kam mir die Idee, Hausverkäufer zu werden.

Käuferportal und erste langfristige Erfolge

Aber: auch als Hausverkäufer wollte sich der Erfolg bei mir nicht einstellen: Ich musste die Tätigkeit bereits nach einem Jahr wieder aufgeben und bewarb mich 2010 bei einem Internet-Startup namens Käuferportal. Zwei Gründer, die mit 23 Jahren ein unschlagbares Marketinginstrument gegründet hatten, suchten einen „Top-Verkäufer“ – so die Stellenanzeige.

Bis dahin war mir nicht wirklich bewusst, was ein Startup überhaupt ist. Umringt von Begriffen, die mir völlig fremd waren – Business-Bullshit-Bingo! – und hippen Typen, die den ganzen Tag vor dem Rechner saßen und gratis Essen bekamen, fand ich mich in einer völlig neuen Welt wieder.

Käuferportal hatte 42 Mitarbeiter, aber keinen Vertrieb. Ich sollte der erste Mitarbeiter für diese Abteilung werden. Gut, dass ich das zuerst nicht wusste. Witzig, dass überhaupt niemand wusste, was zu tun war. Ich gab Vollgas und gewann die ersten Kunden. Die Aufgabe im Außendienst lag mir und alle waren von meinen Ergebnissen begeistert. Mein Glück war perfekt: eine starke Bezahlung, ein schickes Auto und ein Unternehmen, das hinter mir stand.

Alle bisherigen Rückschläge und Erfahrungen trugen jetzt ihre Früchte. So begleitete ich Käuferportal bis zu einer Größe von 250 Mitarbeitern. In dieser Zeit lernte ich Miro Wilms kennen, der ebenfalls dort gearbeitet hat. Dieser hatte sich bereits aus dem Unternehmen zurückgezogen und das Landwirtschafts-Tool Trecker.com gegründet.

Der Wechsel zu Trecker.com

Kaum verließ ich Käuferportal, kam Miro auf mich zu und fragte mich nach meinen Zukunftsplänen. Er zeigte mir voller Begeisterung seine App für die Landwirtschaft und machte mir das Angebot, den Vertrieb für sein Startup aufzubauen. Landwirtschaft? Der für mich gänzlich neue Bereich mit vielen Herausforderungen machte mich neugierig. Also nahm ich es an.

Lars Krüger und das Team bei Trecker.com

Es war eine riesige Herausforderung, ich war der zweite Mitarbeiter des Unternehmens. Das Büro befand sich in einem Gebäude der Humboldt Universität zu Berlin, direkt neben den Toiletten. Täglich um 17 Uhr zog der Geruch rüber.

Nach zwei Jahren harter Arbeit im Vertrieb, einigen Messen, Terminen und tausenden von Telefonaten, kamen wir zu dem Schluss, Investoren mit in das Boot zu holen. Wir waren erfolgreich und bekamen in einer Serie-A-Runde 2,1 Millionen Euro von dem Risikokapitalgeber Target Partners.

Wohlgemerkt hatten die Gründer bis dato das Unternehmen komplett ohne Fremdkapital aufgebaut. Allerdings hatten wir bis dahin auch schon ausreichend Kunden gewonnen, sodass wir keinerlei Druck hatten. Jetzt sind wir schon 35 Mitarbeiter und wachsen stetig weiter – besonders im Vertrieb, den ich mittlerweile leite.

Rückblickend war die Lernkurve in den Online-Startups am steilsten. Wer Vollgas gibt, kommt schnell nach vorn und wird dementsprechend besser bezahlt. Ich werde wohl die nächsten Jahre in diesem Bereich bleiben und freue mich, mein Wissen mit anderen Startups, Gründern und Leuten aus dem Vertrieb zu teilen.

Bilder: Lars Krüger