Ron Hillmann (l.) und Arend Lars Iven

LBI Iven & Hillmann ist eine Agentur für Online-Marketing, die von Arend Lars Iven udn Ron Hillmann gegründet wurde. Die beiden zeigen, dass es für das eigene Unternehmen unerlässlich ist, Fachmann in einem Gebiet und gut informiert zu sein. Interessant ist LBI Iven & Hillmann vor allem auch, weil es stets organisch mit seinem Cash-Flow gewachsen ist, aber dennoch stets groß dachte und eine Vision hatte.

Sie sind ein ziemlich ungewöhnliches Duo. Der Eine ein typischer Netzwerker aus der Agenturwelt mit einer ausgeprägten Passion für das Internet und seine neuesten Trends. Der Andere ein eher klassischer, gut strukturierter Querdenker mit Bank- und Kaufmanns-ausbildung, der sein Hobby (Überraschung: ebenfalls das Internet) zum Beruf gemacht hat. Ron Hillmann (41) und Arend Lars Iven (33) sind die beiden Köpfe hinter einer der erfolgreichsten Online-Marketing-Agenturen Deutschlands – LBI Iven & Hillmann (www.iven-hillmann.com). Aber was macht man als Online-Marketing-Agentur eigentlich? Man hilft recht bekannten Unternehmen dabei, ihre Absatzzahlen zu erhöhen.. Iven & Hillmann erhält eine Vorgabe, wie viel es kosten darf, anhand von Werbung Kunden von anderen Webseiten zu gewinnen und eine Zielzahl, welche Menge eines Produktes bis wann abgesetzt werden soll. Ihre Hauptaufgabe liegt dann im Prinzip darin, Streuungen zu vermeiden. Dafür wählen sie Keywords sehr gezielt aus und gehen von einer eher konservativen Conversion aus (ca. 1%). Man könnte sagen, sie sind so etwas wie ein Vertriebs- oder Salesteam auf Online-Basis. Zum Kundenstamm zählen unter anderem Congstar, ImmobilienScout24 oder Xing. Doch warum machen diese Unternehmen das nicht einfach selbst? „Heutzutage haben große Unternehmen hohe Budgets für das Online-Marketing und erwarten daher eine ebenso hohe Effizienz.“, sagt Arend Lars Iven dazu. „Doch mit einer InHouse-Lösung würde man auf einer zu schmalen Knowhow-Basis stehen. Es gäbe nicht den Austausch, den es in einer spezialisierten Agentur gibt, deren Teams Erfahrungen mit unterschiedlichen Kunden aus verschiedenen Branchen haben. Hier kommen wir ins Spiel, uns ist es möglich, schneller auf Neuerungen zu reagieren.“

Lesson to Learn I: Sei Fachmann in einem Gebiet und sammle dort Erfahrung

Zu der Zeit als Iven und Hillmann erstmals in das Online-Marketing-Geschäft einstiegen – ungefähr um das Jahr 2001 – handelte es sich dabei noch weitgehend um unentdecktes Neuland. Seither hat Google massiv an Reichweite gewonnen, sind die Budgets für Online-Marketing immens gewachsen und das Bewusstsein für den virtuellen Informationsmarkt hat sich geschärft. Spezialisierte Agenturen wie Iven & Hillmann bieten ihr spezifisches Knowhow Firmen an, die bisher im Datenwust des Internets zu wenig Beachtung finden, ihre eigene Marke stärken oder neue Märkte erschließen wollen. Wenn von Online-Marketing die Rede ist, bezieht sich dies zumeist auf vier zentrale Elemente: Affiliate-Marketing (siehe hierzu zum Beispiel Gründerszenes früheren Artikel im Marketingbereich), Display-Advertising (Banner & Co.) E-Mail-Marketing (Mails an die Zielgruppe) und Suchmaschinenmarketing (umfasst Suchmaschinenoptimierung und Suchmaschinenadvertising).

„Man muss sich immer über die eigenen Ziele im Klaren sein, wenn man diese Mittel einsetzt. Display-Advertising verursacht hohe Kosten und ist eher zur Markenbildung geeignet. E-Mail-Marketing ist ein passendes Instrument für das gezielte Ansprechen spezifischer Zielgruppen“, gibt Arend Lars Iven zu bedenken. Er und Hillmann konzentrieren sich mit ihrem Berliner Unternehmen vor allem auf die effizientesten Online-Kanäle: Affiliate- und Suchmaschinenmarketing. „Wir haben uns bewusst spezialisiert, um Qualität statt Masse anbieten zu können“, sagt Iven weiter. „Beim Online-Marketing kann man nämlich vieles richtig und vieles falsch machen und es hängt meist absolut an Details.“

Lesson to Learn II: Wachse organisch aus deinem Cash-Flow…

Doch wie begann die Geschichte der beiden? Relativ typisch. Nachdem Arend Lars Iven von 1994 bis 1996 bei einer Bank beschäftigt war, fing er bald darauf an, erste Websites zu gestalten. Er studierte BWL in Münster, startete erste wirkliche „Verdienprojekte“ und begann, sich für Suchmaschinenoptimierung zu interessieren. Unerfahren in diesem Bereich, wurde er zum echten Autodidakten und brachte sich via Trial and Error alles selbst bei, vor allem anhand der damaligen Suchmaschine Fireball und deren Anleitung zu Metatags. So gelang es ihm schließlich, mit seinen Webseiten großen Traffic zu generieren (im Jahre 2002 waren es immerhin schon 20 Millionen Page Impressions), was ihm die Aufmerksamkeit von Ron Hillmann sicherte, der damals schon für ImmobilienScout 24 arbeitete und ein bekanntes Gesicht in der Szene war. Die Geschichte von Hillmann zeichnet sich ebenfalls sehr webaffin ab: Nach dem BWL- und Medienberatungsstudium an der TU Berlin war er unter anderem für die Werbeagentur Scholz & Friends, Idealo.de und Zanox tätig. Ein wirklich gutes Timing: Drei Tage nach Ivens letzter Examensprüfung rief Hillmann also bei diesem an und wollte ihn gewinnen, bei ImmobilienScout 24 das Online-Marketing des Unternehmens zu etablieren. Ein Ausbau hin zu Affiliate-Marketing, Suchmaschinenoptimierung und -Marketing sollten bald folgen. Iven, der die New Economy kennen lernen wollte sagte zu und ein paar Tage später traf man sich auf der inzwischen eingestellten Online Marketing Düsseldorf (OMD).

Dann ging alles ziemlich schnell. Nach 2 Monaten Urlaub kam Iven an einem Donnerstag zur Vertragsunterzeichnung zu ImmobilienScout24, suchte sich Freitag eine Wohnung in Berlin, feierte Samstag seine Abschiedsfeier, beging Sonntag seinen Umzug und startete am Montag seinen neuen Job. Binnen anderthalb Jahren etablierten beide bei ImmobilienScout24 den Online-Marketing-Bereich, welcher heute noch immer durch eine umfangreiche Abteilung repräsentiert wird. Doch irgendwann drängte es die beiden Internet-Fans nach mehr. Im Mai 2004 machten sich die beiden selbstständig und verließen ImmobilienScout24. Man trennte sich freundschaftlich und steht auch heute noch in regem Kontakt. Der erste Auftrag kam von einer Berliner Mobile-Entertainment-Firma, während sich die beiden zusätzlich durch Beraterstellen bei ImmobilienScout24 ihren Unterhalt sicherten. Mit ihrem Firmennamen wollten sie die verspielten Fantasienamen der Branche ablösen. Es sollte auf Seriosität gesetzt werden und es galt zu zeigen, dass man mit seinem Namen für die eigene Arbeit einstand. So entstand „Iven & Hillmann“ mit dem Kaufmanns-Und. Eine Stilart, die man sonst nur aus dem Anwalts- oder Bankenbereich kennt. Nach einem Jahr war die Firma auf sieben Leute und einen EBIT von gerade mal 3.000 Euro angewachsen. „Es ging uns eigentlich nicht darum, über Nacht reich zu werden, sondern um Selbstverwirklichung“, sagt Iven. „Ich schaffe gerne Strukturen und wir haben uns dann einfach entschlossen, unser Hobby zum Beruf zu machen. Wir fanden unsere Nische und haben sie auf professionalisierte Weise besetzt.“

Lesson to Learn III: … aber denke groß und habe eine Vision.

Finanziert haben sich die beiden alles selbst. In Iven & Hillmann steckt kein Cent Fremdkapital, sondern man ist organisch gewachsen, um die Qualität der eigenen Arbeit zu sichern. „Nach einem Jahr lief das Geschäft schon besser, nach zweien schließlich hervorragend“, verrät Ron Hillmann mit ein wenig Stolz in der Stimme. „Im Boom von 2005 entdeckten viele Firmen das Online-Marketing für sich. Es entstanden komplett neue Absatzmärkte und –Kanäle, die bedient werden mussten.“ Das Geschäft florierte. Und doch wollten die beiden mehr. Im Dezember 2007 verkauften sie schließlich. Dennoch war ein Verkauf nie das Ziel, vielmehr wurde der Markt globalisierter. Aus nationalen Pitches wurden europäische. Man kämpfte in New York für den US-Etat, in London fand der Europa-Pitch statt. Eine große Ausweitung wäre nötig gewesen, was nach dem Prinzip des organischen Wachstums viel Zeit in Anspruch genommen hätte, während jedoch schon andere große Netzwerke vorhanden waren. „Wir haben versucht uns zu erweitern, den nächsten Schritt zu gehen“, sagt Iven. „Diese Liga organisch zu erreichen hätte zu lange gedauert.“ Also ging man auf die Suche nach einer Exit-Möglichkeit und wurde mit der LBI International fündig. Iven und Hillmann verkauften an die Holding und wurden Teil des Netzwerks, das die verschiedenen Skills vieler Agenturen zusammenbringt und eine regionale wie auch inhaltliche Ergänzung ermöglicht. Der Preis? Darüber wird geschwiegen. Beide haben sich verpflichtet, ihn nicht zu nennen. Doch es war einer von Deutschlands besten Agentur-Deals auf Earn Out-Basis.

Noch heute geht es bei Iven & Hillmann zu wie in einer waschechten Agentur: Eine Computerklitsche, wo Achtzehnjährige Computer-Nerds mit Pott-Frisur und zu langen Fingernägeln in die Tasten hauen? Weit gefehlt! Es herrscht Betriebsamkeit bei den Angestellten, die zu einem großen Teil weiblich sind. Geordnetes Chaos hat die Arbeitsräume der beiden Chefs erfasst. Auf dem Schreibtisch stehen drei Monitore, im Büro zwei Fahrräder. Man wird höflich und sehr sympathisch empfangen und die Räume sind von Licht durchflutet. In der Toilette stehen Zahnbürste und Aftershave parat, falls ein Projekt doch mal enger wird. Gearbeitet wird grundsätzlich in Teams. Ein Team pro Kunde. Und eher weniger Kunden als Mitarbeiter, man wächst halt organisch, also mit der Anzahl der Kunden. Ein internationales Team aus Muttersprachlern betreut Kunden vom gesamten Globus. „Man muss sich der Besonderheiten eines Marktes unbedingt bewusst sein, will man z.B. in Saudi-Arabien Fuß fassen“, gibt Hillmann zu bedenken. Mit einem Fahrradhelm auf dem Kopf, sucht er sein iPhone, während er gleichzeitig durch sein Blackberry schreddert. Trocken sagt er „So, ich geh mir jetzt ein Haus kaufen“ und verlässt, angetrieben von seinen vier Red Bulls das Büro. Iven bleibt ruhig und lächelt sanft. Es scheint tatsächlich so, als würde sich das Duo hervorragend ergänzen: Der eine kreativ, flippig und kommunikativ, der andere strukturiert, bedacht und eher zurückhaltend. Beide sind ungemein aufgeweckt und verliebt ins Internet.

Hürden habe Iven & Hillmann praktisch nicht überwinden müssen. Die Gefahr einer Agentur besteht zumeist darin, auf den Kosten eines Projektes sitzen zu bleiben, wenn ein Kunde insolvent geht, da man selbst in Vorleistung geht. Die größere Schwierigkeit ist eher, gute Mitarbeiter zu finden, die zur eigenen Philosophie passen. Überhaupt sei die Arbeitsatmosphäre das wichtigste in einer Agentur. Und wo soll es noch hingehen? In fünf Jahren wollen die beiden mit Iven & Hillmann noch internationaler unterwegs sein und ihre StartUp-Investments, welche sie mit ihrer BVP Berlin Venture Partners GmbH tätigen, als aktive Co-Investoren weiter vorantreiben. Ihr Tipp für junge Gründer, die es auch so weit bringen wollen lautet dabei, sich in Gründerteams zusammenfinden, die alle wichtigen Bereiche abdecken (Technik, Produkt, Marketing und Vertrieb). Man solle sich nicht nur in seinen Fähigkeiten, sondern auch in der eigenen Erfahrung ergänzen. Wobei stets gelte: Je weniger Gründer desto besser. Vielleicht reichen ja zwei sich ergänzende Querdenker, wie im Falle von Iven & Hillmann oft schon aus.