Das Gimahhot-Team

Das Gimahhot-Trio: Thomas Promny, Henning Fredersdorf und Jürgen Lankat (v.l.)

Gimahhot ist ein Onlineshop, der neben günstigen Preisen vor allem durch eine Börsenfunktion bei der Preisbestimmung hervorsticht. Geführt durch Thomas Promny, Henning Fredersdorf und Jürgen Lankat ist Gimahhot ein gutes Beispiel für den Sieg der Funktionalität. Geschickt macht man bei Gimahhot durch gewiefte Marketing-Maßnahmen auf die eigene funktionale Besonderheit aufmerksam, kennt sich aber auch mit jenen Bedürfnissen des Markts aus, welche es unbedingt zu bedienen gilt.

Seit zehn Jahren ist er bereits Internet-unternehmer und gründete schon während seines Abiturs im Jahr 1999 sein erstes Unternehmen. Jenes Unternehmen sollte Thomas Promnys persönlicher Beginn im Online-Marketing werden, welches damals noch in den virtuellen Kinderschuhen steckte. Eines seiner frühen Projekte Lustich.de weist noch heute rund eine Million Besucher im Monat auf. Nach einer universitären Stippvisite zum Thema Medieninformationsmanagement und einigen SEO-Projekten ist er heute einer der führenden Köpfe hinter dem Onlineshop Gimahhot (www.gimahhot.de), der neben günstigen Preisen vor allem durch eine Börsenfunktion bei der Preisbestimmung hervorsticht. Die Nutzer von Gimahhot können Einfluss auf den Preis nehmen, indem sie – etwas abfälliger formuliert – darum feilschen. Aufmerksam wurde Thomas auf den Ansatz, als er über einen gemeinsamen Freund mit dem IT-Profi Henning Fredersdorf und dem ehemaligen Börsenhändler Jürgen Lankat zusammen traf. Die beiden hatten sich die Idee 2004  überlegt (ebay war zu diesem Zeitpunkt schon sehr erfolgreich) und ein Jahr später einen ersten Prototyp fertig gestellt, dessen Layout jedoch noch nicht attraktiv genug war. Das Konglomerat aus Techie- und Wirtschaftssicht musste noch um eine Marketing-Perspektive ergänzt werden.

Gimahhot basiert im Prinzip auf zwei verschiedenen Nutzungsszenarien. In der klassischen Variante sucht man im Portal ein Produkt, ersteht es per Sofortkauf und macht dabei mit etwas Glück noch ein Schnäppchen. In Szenario zwei kommt das Börsenkonzept zum Tragen: Diesmal gibt man ein eigenes, niedrigeres Gebot ab und ist der Verkäufer mit den Konditionen einverstanden, kommt es zum virtuellen Handschlag-Deal oder aber es wird weiter verhandelt. Daher auch der Name „Gimahhot“, welcher sich aus dem Mittelhochdeutschen ableitet und soviel wie „gemacht“ oder „Deal!“ bedeutet, jener Ausruf den sich zwei Handeltreibende zurufen, wenn sie sich einig geworden sind. „Das Konzept der Börse ist für den Großabverkauf prädestiniert, wohingegen sich Auktionen eher nicht für Neuware eignen“, erklärt Jürgen Lankat den Geschäftsansatz. Eigentlich ein sehr einfaches Konzept, welches im Ecommerce so bisher nicht gegeben ist.

Lesson to Learn: Unterscheide Dich von Deinen Mitbewerbern und mache auf Dich aufmerksam

Betritt man das Büro von Gimahhot sind das Erste, worüber man sich wundert, die zahlreichen Flecken auf dem Teppich. Doch spätestens wenn man eine der legendären Gimahhot-Parties erlebt hat, weiß man, warum der Boden so aussieht: Er zeigt die Spuren von Gimahhots Öffentlichkeitsarbeit. Es geht neben der wirtschaftlichen Tätigkeit im Ecommerce vor allem um eines: Sichtbarkeit. Und sobald man den blonden Riesen Thomas Promny sieht, wird einem unmittelbar klar, dass ihm die Aufmerksamkeitsgenerierung wohl ein wenig in die Wiege gelegt wurde. Nicht nur ist er rund zwei Meter groß, sondern auch seine nach oben frisierten, wasserstoffblonden Haare sind ein ziemlicher Hingucker. Konsequenterweise schmücken auch stets drei Dosen Haarspray seinen Schreibtisch. Das absolute Steckenpferd von Thomas ist seit 1999 Suchmaschinenoptimierung und um eingehende Links zu gewinnen, scheint sein Repertoire an aufmerksamkeitswirksamen Maßnahmen nahezu unerschöpflich.

Zunächst wurde an Gimahhot auch ein Blog angegliedert, der attraktive Inhalte bereithält, wie beispielsweise Gewinnspiele, deren Preise man wiederum nur gewinnt, wenn man Fan der Facebook-Seite des Unternehmens wird. Oder die Aprilscherz-Meldung, dass Gina Wild nun Werbeträger für „Ginahhot“ würde. Eine Aktion, die viel Aufmerksamkeit und ein anwaltliches Schreiben von Frau Schaffrath einbrachte. Eine andere spannende Aktion zur Linkgenerierung rührte vom Thema Umweltschutz her. Im Rahmen seiner Umwelt-Aktion zahlt Gimahhot zehn Euro an den World Wildlife Fond (WWF) für jede Seite, die auf Gimahhot verlinkt und dazu ein entsprechendes Siegel auf der eigenen Seite führt. Die Aktion brachte in einem Jahr 160 Links auf Gimahhot und rettete bisher Regenwald in der Größe Gibraltars.

Online Marketing im EcommerceUnd was ist das Beste an all diesen aufmerksamkeits-generierenden Aktionen? Sie kosten wenig, bringen aber viel. Über Statusmeldungen bei Facebook und Twitter-Tweets kann sogar gänzlich kostenlos das eigene Produkt publik gemacht werden. Dies hört bei Onlineinhalten auch nicht auf. Drei Tage seines (selten vorhandenen) Urlaubs nutze Thomas um ein kleines Büchlein zum Thema SEO zu schreiben, dass er kostenlos als PDF zum Download feilbietet. Der Effekt? Ein persönliches Branding in der Szene, Online-Händler, die auf Gimahhot durch das Buch aufmerksam wurden und 1.000 neue Links. In Verbindung mit Vorträgen und Blog-Posts ergibt sich so ein komplexes Firmen- und Personenimage, mit Mehrwert für andere und Aufmerksamkeit für Gimahhot. Dabei geht es auch um Andersartigkeit: Anstelle von klassischen Dumpingpreisen macht man durch neue Verkaufskonzepte und amüsante Marketing-Aktionen auf Gimahhot aufmerksam – in einem Regal voller Milchtüten ist man der Kakao.

So locker die Außendarstellung funktioniert, so entspannt verläuft auch die Teamarbeit bei Gimahhot. Der Besprechungsraum ist mit Bionade-Flaschen bestückt, ein Kicker sorgt für Ablenkung und anstelle einzelner Büros teilt man sich verschiedene große Räume gemeinsam. Hierarchisch ist man sehr flach geblieben und den drei Geschäftsführern unterstehen lediglich ein paar wenige Abteilungsleiter und die StartUp-üblichen Praktikantenhorden. Insgesamt bevölkern rund 25 Mitarbeiter die Räume mit dem schmutzigen Teppich.Man ging stets sparsam bei Gimahhot vor und finanzierte das Unternehmen eng. Die Hälfte der Mitarbeiter besteht aus Praktikanten und nachdem die oft so schwierige Startphase überstanden ist, befindet man sich momentan in der Wachstumsphase, nahe dem Break Even.

Lesson to Learn: Lass Dich nicht von großen Konkurrenten erschrecken, Funktionalität siegt

Heute gibt Thomas zu, dass er anfangs viele Probleme und Herausforderungen des Ecommerce-Geschäfts unterschätzt hat. „Man wird mit dem Alter ganz klar konservativer, weil man einfach immer besser weiß, wo die Hürden und Risiken eines Geschäftsmodells liegen“, erklärt Thomas. Junge Gründer würden gar nicht mal so viele Dinge wesentlich besser machen, sondern sich überhaupt trauen, sie zu probieren. Auf die Frage, ob er sich nicht vor Branchenriesen wie ebay oder Amazon fürchtet, die zu seiner direkten Konkurrenz zählen, reagiert er hingegen ganz gelassen. „Würde man so anfangen, dürfte man gar nichts mehr machen. Dabei deckt Amazon gerade mal einen Marktanteil der Größenordnung 10% ab und im Gegensatz zu beispielsweise Social Networks tendiert der Online-Retail-Markt weit weniger stark zur Monopolbildung.“

Viele Onlineshops greifen über den Preis an oder richten einfach selbst einen Shop bei ebay ein. Bis zu einer gewissen Größe genügt es durchaus, einfach der günstigere Anbieter zu sein. Da die Nutzer aber, wenn sie vor der Wahl zwischen einem kleinen unbekannten, aber günstigen Shop und einem etwas teureren bekannten Unternehmen, häufig letzteres wählen, muss ein Prädikat her, will man auf Dauer überleben und eine gewisse Größe erreichen. Ein USP wie das Prinzip der Börse ist folglich in der Kommunikation sehr gut, weil es heutzutage einfach nur noch wenig innovative Ansätze jenseits des Preisdumpings gibt. Und eine noch geringere Anzahl dieser Ansätze stammt aus Deutschland.

„Es geht im Unternehmertum darum, den Menschen das Leben zu erleichtern. Ihnen eine gute Funktion angedeihen zu lassen, auf deren Basis man dann Geld verdient. Deshalb muss man in Sachen Fortschritt immer am Ball sein“, führt Jürgen Lankat dazu aus. Natürlich stellt sich bei einfachen Geschäftsideen auch die Frage nach der Gefahr von Nachahmern. Besteht für Gimahhot denn die Gefahr von Imitatoren des Börsenprinzips? Zumindest nicht bei den Marktführern wie Amazon, die mit einem solchen Konzept nicht viel gewinnen könnten und den Preisdruck als Marktführer nur unnötig erhöhen würden. Gleichzeitig gilt es vor allem auch, sich der Elemente bewusst zu sein, die aus gutem Grund von jedem im Markt auf diese oder jene Weise umgesetzt werden.

Lesson to Learn: Sei Dir dennoch bewusst, welche Aspekte aus gutem Grund von allen auf die gleiche Weise umgesetzt werden

Freilich wurde das Konzept von Gimahhot auch kritisch beäugt. „Jene Nutzer, die es verstehen, mögen es auch und die Händler haben über die Preise sehr gut die Möglichkeit, ihre Produkte zu steuern. Aber es ist trotzdem zum Teil schwierig zu erklären, wie das Börsenprinzip funktioniert“, meint Thomas. Neue Features erklären zu müssen, ist wohl allgemein das Schwerste am Internetgründen. Es überrascht daher nicht wirklich, dass der überwiegende Anteil des Umsatzes bei Gimahhot nach wie vor über den Sofortkauf erzielt wird. Als bei Gimahhot das erste Geld floss, fing man dementsprechend auch zunächst mit dem Marketing an und skalierte das Produkt. Durch direkte Anrufe lockte man die Händler auf die Plattform und durchbrach im letzten Jahr den Bottle Neck. Die Nutzer kommen vor allem über Suchmaschinen.

Anfangs sah man dabei nur die angedachte Gebotsfunktion im Börsenformat vor; der Sofortkauf folgte später, als man bei Gimahhot erkannte, das dieser einfach notwendig ist, weil sich die Nutzer an das Prinzip des Sofortkaufs so sehr gewöhnt hatten. Und wie so oft sah vieles auf dem Papier zunächst einfacher aus, als es dann in der Praxis war, aber Thomas Promny ist immer noch vom Konzept überzeugt: „Wir merken einfach, dass das Konzept immer besser angenommen wird und wenn ich nicht dran glauben würde, hätten wir das Projekt wohl kaum bis 2006 selbst finanziert.“ Denn erst Ende 2006 begann Gimahhot, das stetig seine Verkaufszahlen verbessern konnte, eine Finanzierungsrunde, welche Mitte 2007 mit Investoren wie dem Hightech Gründerfonds und verschiedenen Business Angeln erfolgreich endete.

„Besonders die Zahlarten sind ein schwieriger Aspekt, aber die Nutzer verraten einem viel, wenn man ihr Feedback zu lesen weiß“, erklärt Thomas weiter. Nutzerbefragungen würden oft nicht helfen, weil ihre Aussagen nicht mit ihrer Nutzung zusammen laufen und ihre Antworten häufig inkonsistent sind. Thomas Promny ist insofern ein Anhänger der B2C-Weisheit “Listen to your Customers, but ignore what they say”. Stattdessen zog man lieber quantitative Daten zu Rate und glich diese mit den Einsichten qualitativer Interviews ab. Um dort anzugelangen, wo sich Gimahhot heute befindet, war wie bei vielen Internetunternehmen also auch eine gute Portion Trial and Error notwendig. Die notwendigen Nutzungskonventionen von den obsoleten zu trennen, funktioniert eben meist nur über das altbekannte Learning by Doing. Henning Fredersdorf charakterisiert diesen Drahtseilakt so: „Es ist sinnvoll, sehr ähnliche Konzepte zu machen, weil man dann auf eingewöhnte Bedienweisen der Nutzer zurückgreifen kann. Es gibt eine klare Unsicherheit gegenüber neuen Konzepten, aber längst keine Angst vor Innovationen.“ Zukünftig solles in Richtung Social Commerce und einer noch besseren Realtime-Darstellung der verfügbaren Güter gehen. „Man darf mit neuen Inhalten nicht zu früh aufgeben, sondern muss flexibel bleiben und sich aus Sackgassen durch Anpassung befreien“, sagt Thomas zur Thematik. Für Gimahhot soll der Weg über funktionale Neuerungen den Weg zum Break Even bilden, welchen man bald erreichen will. Wer weiß, da Innovation ein guter Weg zu Gimahhots Entstehung war, könnte sie ja ein noch besserer für dessen Wachstum werden…