Stephan Uhrenbacher

Der Kopf hinter Qype: Stephan Uhrenbacher

Stephan Uhrenbacher ist ein Serial-Entrepreneur, dessen Weg schon verschiedene erfolgreiche Internetprojekte bei Firmen wie lastminute.com oder Docmorris pflastern. Seine eigene Gründung Qype – Europas größte Bewertungsplattform für Lokales – ist gleich in drei Ländern (Großbritannien, Frankreich und Deutschland) Marktführer und lehrt einen den Wert von Durchhaltevermögen und Konstanz. Qype ist ein interessantes Beispiel, wie man durch einen gezielten Fokus eine kritische Masse an Nutzern mit hoher Reichweite aufbauen kann, die sich zu User-generated Content bewegen und schließlich auch monetarisieren lässt.

Er spricht ganz entspannt und selbstsicher über sich und seine Internetprojekte. Seit 1996 hat Stephan Uhrenbacher (www.stephan-uhrenbacher.com) in irgendeiner Form das Internet mit seiner Arbeit stetig ein Stückchen besser gemacht und ist somit eigentlich ein alter Hase im Geschäft. In der Frühzeit des deutschen Internets gründete er 1996 Geo Online, zwei Jahre später folgte der Travel Channel, zum Ende des Jahrtausends dann lastminute.com in London (wo er Nordeuropa-Chef war) und 2002 schließlich die Bild-Webseite. Nicht zu vergessen Docmorris, wo Stephan Uhrenbacher als COO das operative Geschäft leitete. In gewisser Weise ist er so etwas wie der Feuerwehrmann des Internets, sorgte er doch für viele Turn Arounds bei strauchelnden Internet-Plattformen.

Lesson to Learn: Schrecke nicht vor Herausforderungen zurück, wenn sich so das Leben besser machen lässt

Selbst zum Gründer wurde er 2005, als er als einzelner Gründer Europas größte Bewertungsplattform für Lokales mit Namen Qype (www.qype.com) ins Leben rief. Ähnlich dem Prinzip von Wikipedia sollte es bei Qype möglich sein, bestimmte Einrichtungen des sozialen Umfelds (zum Beispiel Zahnärzte, Friseure, Restaurants usw.) einzusehen, zu bewerten und auch zu recherchieren, was andere Nutzer von diesen denken – Positives und Negatives. Qype war kein Retortenbaby: Stephan schielte zur Gründung nicht auf das, was gerade in den USA en vogue war. Als er einen Kindergarten für seinen Sohn suchte, fiel ihm auf, dass es für Dienstleistungen keine Bewertungen gab, sondern nur für Produkte. So war die Idee zu Qype geboren. „Ich will nur sinnvolle Sachen machen“, sagt Stephan von sich.

Mit Yelp gab es ein amerikanisches Pendant, welches zur Gründung von Qype jedoch noch nicht öffentlich zugänglich war. So sind sich die Seiten ähnlicher als etwa Xing im Vergleich zu LinkedIn, aber auch nicht so ähnlich wie beispielsweise StudiVZ und Facebook.  Man lernte auch gegenseitig von einander. Heute ist Qype mit etwa zehn Millionen Unique Visitors Marktführer in Deutschland sowie auch in England und Frankreich. Dass am Schluss die Unternehmen für Werbung auf der Plattform bezahlen würden, war Stephan genauso klar, wie die Tatsache, dass User Generated Content in Suchmaschinen gut funktioniert. Dennoch war der Dreisprung aus „Community“, „Reichweite“ und „Vermarktung“ ganz klar ein langfristiges Projekt und die Investorensuche nicht leicht.

Es wurde nicht einfacher dadurch, dass Stephan gleich in drei Märkten antreten wollte. Für einen Markt allein lohne ein solcher Aufwand nicht und ebenso wollte er vermeiden, dass ein Mitbewerber in einem anderen europäischen Markt die Idee adaptiert. Also entwickelte das Qype-Team die Plattform gleichermaßen auch für Großbritannien und Frankreich und begann die Finanzierung nach einer Angel-Runde gleich mit einem französischen VC (Partech), bevor ein englischer (Advent Venture Partners) und erst nach zwei Jahren mit Wellington ein deutscher VC folgten.

Lesson to Learn: Community-Aufbau – Erst kommt die Reichweite, dann die Monetarisierung

Nun sind vom Nutzer erstellte Inhalte aber nicht für jeden Ansatz sinnvoll und nur für bestimmte Plattformen praktikabel. Qype war in seiner Konzeption eine Plattform, bei der es praktikabel wurde und mehr noch: Eine, die geradewegs auf diesem Community-Gedanken aufbaute und darauf angewiesen war. Im lokalen Bereich vollzog niemand den Bewertungsansatz, weil es keine direkte Monetarisierung dafür gibt. Zum Funktionieren bedurfte es bei Qype erst des Aufbaus eines Werbegeschäfts, was hohe Kosten und die Notwendigkeit einer großen Masse von Nutzern bedeutet. Allesamt Anforderungen, die bei Produktbewertungen nicht notwendig sind.

Durch das Design der Webseite, PR und Marketing schaffte man es, dass Qype schon früh sehr voll aussah. Mittelgroße Städte waren nach sechs Monaten stark vertreten, kleinere Städte nach zwei Jahren. Denn das Prinzip von Qype basiert nicht darauf, dass sich viele Nutzer anmelden, sondern auf einer bestimmten Zielgruppe, die aktiv schreibt und wie bei Wikipedia genügen wenige Aktive gegenüber vielen Halbaktiven. So lernen sich Gruppen kennen und schreiben wie bei Twitter für das eigene Umfeld. Dies bedeutet natürlich auch, dass man in jedem Land PR und Öffentlichkeitsarbeit benötigte, also Großbritannien, Frankreich und Deutschland gleichermaßen mit Anregungen und Informationen bespielen musste. Heute weißt Qype darüber hinaus auch ein schnelles Wachstum in Spanien, Polen und Brasilien auf. Österreich, Schweiz und Irland sind dabei zu folgen.

Die Frage musste also lauten: Wie eine kritische Masse bekommen und wie diese noch dazu anregen, auch aktiv zu partizipieren? Durch aktives Arbeiten in der Blogger-Szene konnte man eine breite Masse auf das Portal aufmerksam machen. Und im Gegensatz etwa zu den Gelben Seiten gelang es Qype somit, einen reichhaltigen Content aufzubauen, zumal man mit Qypes Marke auch eine Community aufbauen konnte: „Wer würde sich bei den Gelben Seiten, einer seit fast hundert Jahren etablierten Marke einbringen wollen, wenn man sich bei Qype in einer aktiven Community selbst verwirklichen kann?“, meint Stephan zu dieser Thematik. „Bei Qype können die Nutzer selbst einen Einfluss ausüben und ich könnte stundenlang zeigen, was für Funktionalitäten dafür auf Qype bestehen. Viele andere haben versucht, solchen Content zu produzieren, es aber nicht geschafft, weil ihnen diese Community-Funktionalitäten fehlten.“ Der von Beginn an existente Wunsch, eine Gemeinschaft unter den Nutzern zu etablieren, bedeutet natürlich auch einen gewissen Aufwand an Community-Management. Qypes Vernetzung funktioniert zwar nicht so komplex wie die bei Facebook und anderen Sozialnetzwerken, dafür ist angedacht, auch solche Plattformen einzubinden, damit man gleich aus seinem sozialen Kreis heraus bewertet und einsehen kann, was andere so bewerten.

Lesson to Learn: Eine Monetarisierung erfordert einen klaren Fokus und manchmal einen langen Atem

Stephan Uhrenbacher, Qype

Zu Stephans Devise gehört es, stets einen Mehrwert zu stiften

„Das Wichtigste ist, das eigene Ziel zu kennen“, merkt Stephan mit ernstem Blick an. „Jeff Jarvis sagt dazu „Know what Business you are in“, das heißt, es ist einfach wichtig, sich zu fokussieren und einen Inhalt zu definieren, den Du besser beherrschst als andere.“ Für Qype war dieser Inhalt ein Community-Aufbau für Bewertungen, bei dem das positive Erlebnis im Zentrum stand. Heutzutage war man als Nutzer mit großer Wahrscheinlichkeit schon mal auf Qype, obwohl man es vielleicht gar nicht bewusst wollte. Über Google rankt das Portal bei den meisten regionalen Einrichtungen unter den Top Drei. „Man braucht für solch ein Unterfangen definitiv einen langen Atem“, gibt Stephan weiter zu bedenken. „Als ein halbes Jahr nach unserer Gründung nur zirka 30 Beiträge pro Tag eintrudelten, wurde es mir schon etwas mulmig. In diesem Moment half mir wirklich meine frühere Zusammenarbeit mit anderen Gründern, deren Stärke das Durchhalten ist.“ Damit meint Stephan etwa die Lastminute-Gründer Brent Hoberman und Martha Lane Fox, die erst nach zirka acht Jahren einen Exit erzielten. Oder Ralf Dägenhaus von DocMorris, der mit vielen Gerichtsprozessen der Apotheken zu kämpfen hatte, bevor sich sein Konzept durchsetzte. So lernte Stephan, dass Durchhaltevermögen ungemein wichtig ist und als er Qype Ende 2008 verließ, waren es bereits rund 3.000 Beiträge, die Qype täglich reichhaltiger machen.

Lesson to learn: Ein festes, motiviertes Team und innovationsorientiertes Denken sind die Wettbewerbsvorteile schlechthin

Im Jahre 2005 deckte Stephan Uhrenbacher seinen Mitarbeiterbedarf allein mit Freelancern ab. „Im Jahr 2005 wollte sich leider kein Freelancer fest in einem StartUp anstellen lassen, weil diese nicht gerade angesagt waren und die anfängliche Unklarheit der Finanzierung  erlaubte auch keine Festanstellungen, weil ich niemanden entlassen müssen wollte“, erklärt Stephan seine damalige Personalpolitik. „Es hätte definitiv Sinn gemacht, früher festangestellte Mitarbeiter reinzuholen, weil der Knowhow-Abfluss zu Beginn sehr hoch war.“ Seine heutige Personalpolitik beschreibt Stephan so: „Qype brauchte Mitarbeiter, die wissen, was sie tun und die das Leuchten in den Augen haben. Begeisterung ist ungemein wichtig; Mitarbeiter, die nur arbeiten um einen Job zu haben, erfüllen nicht den Sinn der Sache. Die mit dem Leuchten findest Du meist auch nicht selbst, sondern Du wirst von ihnen gefunden.“

Als einer der ersten, die mit Ruby on Rails in der Version 1.0 arbeiteten, wurde Stephan zu Beginn belächelt, heute ist es ein Branchenstandard, und es fällt Qype leicht, Entwickler zu finden. Und diese Entwicklung soll so weitergehen: Qype plant, zu einer „Killer-App“ zu werden, die auf mobilen Endgeräten wie Android oder dem iPhone funktioniert. Hier sieht Stephan noch viel Entwicklungspotential.

Stephan selbst hörte nach knapp vier Jahren auf, für Qype tätig zu sein. Für ihn ist ganz selbstverständlich, dass in einem Unternehmen zu jeder Phase unterschiedliche Manager gebraucht würden. „Inzwischen geht es bei Qype um Verbesserung und Verbreiterung des Bestehenden. Und da gibt es andere Leute, die das mindestens genauso gut können wie ich, wenn nicht besser“, sagt er dazu. Als Nachfolger hat Stephan gemeinsam mit den Investoren Stephen Taylor ausgesucht, der vorher bei Yahoo das Europageschäft operativ führte. Ein Mann von dem Stephan sagt, dass es schwierig ist, an dieses Kaliber ranzukommen.

Mittlerweile ist Stephan nur noch beratend und als Aufsichtsrat bei Qype tätig und hat sich nach einer „Entrepreneur in Residence“-Phase, wo er den Kopf frei kriegen wollte, nun dazu entschieden, gleich drei StartUps zu gründen und sucht dafür Unternehmerteams. Wenn er dabei ein ebenso glückliches Händchen wie bei seinen bisherigen Stationen beweist, kann für ihn auch hier eigentlich gar nichts mehr schief gehen…