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Die sevenload-Gründer Ibrahim Evsan (l.) und Thomas Bachem

Ibrahim Evsan und Thomas Bachem sind das ungleiche Team hinter der Videoplattform Sevenload. Die beiden Gründer des Kölner Unternehmens zeigen, wie wichtig es ist, verschiedene Persönlichkeiten und Talente in einem StartUp zu vereinen, besonders dann, wenn irgendwann Gründertum und Management aufeinander treffen. Vor allem sind sie davon überzeugt, dass sich Kreativität auf professionelle Weise in ein Unternehmen einbinden lässt, ohne dessen Effizienz zu stören.

Man sagt dies ja recht oft, aber diese beiden sind wirklich ein ungewöhnliches Paar. Ibrahim „Ibo“ Evsan und Thomas „Tom“ Bachem sind die beiden Gründer von Sevenload (www.sevenload.com), einer Videoplattform, die mit rund 75 Mitarbeitern in Köln angesiedelt ist. Schon früh entdeckte Thomas seine Passion für die Softwareentwicklung, und betrieb lange Zeit die größte deutsche Visual-Basic-Website und -Community Deutschlands, über die er später auch Mitarbeiter für sevenload gewann. Parallel leitete er in der Schule den Informatikunterricht, weil ihn die Lehrer darum baten. Beinahe ein wenig bilderbuchhaft.

Als Hauptschulabgänger und aus einer Arbeiterfamilie mit Integrationshintergrund stammend mochten Ibos Kenntnisse auf dem Papier gering erscheinen, doch die Praxis zeichnete ein anderes Bild. Er beschäftigte sich mit spannenden Themen rund um neue Medien und Zukunftstechnologien und bereits während seiner Schülerarbeit am Fließband erklärte er seinem Chef, wie man denn das Unternehmen betrieblich optimieren könne. Seit Entstehung des Webs interessierten er und Tom sich für neue Angebote und Medien und entwickelten viele Websites.

Lesson to Learn: Auf den richtigen Gründer- und Persönlichkeiten-Mix kommt es an

Der 33-Jährige Ibo und der ziemlich genau zehn Jahre jüngere Tom ergänzen sich so auf interessante Weise: Der Eine ist ein Ass im Verkaufen und Kommunizieren, der Andere hat Produkt und Technik voll im Griff. Beide sind extrem verschieden, aber dennoch vertraut wie zwei Brüder. „Wir sind beide Experten mit Tunnelblick, da braucht man einfach einen ergänzenden Gegenpart. Nur durch diesen Gegensatz kann wahre Innovation entstehen“, erklärt Ibo mit einem Lächeln. Es herrscht seither auch eine ganz bestimmte Stimmung bei sevenload. Für den Plattform-Relaunch schloss sich etwa das ganze Team für beinahe ein halbes Jahr im Büro ein und bekam täglich frisches Mittagessen geliefert. Sechs Monate lang wurde sich (freiwillig) primär von Pizza und Red Bull ernährt, und PR-technisch gelungen coverte man den Neuaufbau (ganz im Stile einer Video-Plattform) durch einen Trailer.

Doch wie lernten sich Ibo, der visionäre Optimist, und Tom, der kreative Technik-Allrounder, eigentlich kennen? Mit 19 Jahren hatte Thomas gerade sein Abitur in der Tasche, war aber bereits in frühen Schulzeiten als selbstständiger Webentwickler unterwegs, wodurch er dann schließlich auch Ibo kennen lernte. Der war zu dieser Zeit mit Powerline-Projekten (Informationen über das Stromnetz versenden) bei RWE betraut. Es war im Jahr 2005, als die beiden sich dann sagten, sie müssten etwas Neues machen, etwas vollkommen Eigenes, ein großes Projekt. Eigentlich war Online-Gaming angedacht – ein Thema das sie im Übrigen nun angehen werden – , weil sich die beiden bis heute keinen spannenderen Markt vorstellen können. Da es aber noch zu früh für dieses Thema erschien und das Web 2.0 noch in der Prä-Boom-Phase steckte, entschied man sich für ein mindestens ebenso spannendes Bilder- und Videoportal. Und dies deutlich vor dem Launch von YouTube. Also musste ein Name her. Man brauchte etwas das zugleich international griffig und im Hinbick auf Domains noch verfügbar war. Also experimentierte man mit Zahlen, brainstormte und schlussendlich war es der Klang von „7load“, kur darauf dann „sevenload“, der allen am besten gefiel. „Einige haben uns nachgesagt, wir hätten es nur sevenload genannt, um von ProSieben oder der Telekom gekauft zu werden. Dem war nicht so – allenfalls unterbewusst“, erzählt Ibo schmunzelnd.  „sevenload war mit null Suchergebnissen bei Google vertreten, also konnten wir den Namen und die Marke komplett prägen. Das war uns wichtig, auch wenn wir rückblickend dann doch oft mit Videoload verwechselt wurden.“

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Der Großteil des sevenload-Teams

Thomas Bachem und Ibrahim Evsan war klar, dass Online-Videos eine wichtige neue mediale Macht werden würden, sei in der Gegenwart doch die Darstellung von Emotionen so wichtig. So wurde sevenload anfangs als Bilder- und Videoplattform für Professionals konzipiert, was sich schließlich entwickelte, da die beiden merkten, dass dieses Format ebenso gut für Private Sharing geeignet ist. Und „wir waren kein Copycat“, betont Thomas Bachem. Zu dieser Zeit kam auch Flickr auf, und YouTube befand sich in der Entstehung. Man nahm eine ähnliche Entwicklung und lernte natürlich voneinander. Und so ergänzten sich die beiden Gründer weiter: Gemeinsam konzipierten sie ihre Ideen, Thomas schrieb und designte dann die Software, Ibo testete und bewarb sie. Im April 2006 entstand daraus schließlich die sevenload GmbH, nachdem man bis dahin lange Zeit von daheim aus entwickelt und das Ganze eher als ein Projekt gesehen hatte. Die Seedfinanzierung kam von Axel Schmiegelow, den die beiden im Dezember 2005 kennengelernt hatten, schließlich war man sich bei sevenload auch sicher, dass man das erste richtige deutsche Web-2.0-Angebot war.

Lesson to Learn: Kreativität und Effizienz sollten wie das Team fein ausbalanciert sein

Im April 2006 ging man dann plötzlich unfreiwillig online: Unter „beta.sevenload.de“ gab es schon länger einen Onlinezugang zur Plattform, der sich allmählich herumsprach. Als dann aber Robert Basic in seinem Blog Sevenload als „Mix aus YouTube und Flickr“ postete, schnellten die Klickzahlen in die Höhe. Von nun an war sevenload unwiderruflich public, und es galt den Erwartungen gerecht zu werden. Entwickler wurden eingestellt, und im ersten Jahr fokussierte man sich stark auf Technik und Entwicklung. „Es war uns wichtig, gemeinsam mit den Mitarbeitern zu wachsen, schließlich war das auch eine Kostenfrage. Wir suchten uns vor allem Berufseinsteiger, mit denen wir eine lange und solide Zukunft etablieren könnten. Wir fanden viele junge, fitte und talentierte Leute, denen wir bis heute großen Tribut zollen, da sie einfach das Herz der Firma sind“, erzählt Thomas Bachem.

Man entwickelte mit sevenload eine Menge neuer Features, probierte ungemein viel aus und versuchte stets nutzerorientiert fortzuschreiten. „Manchmal waren es vielleicht auch zu viele neue Features und zu viele Experimente“, blickt Tom Bachem zurück, traten doch auch kleinere Schwierigkeiten bei größeren Projekten auf, weil es zu Beginn halt noch an der nötigen Erfahrung fehlte. „Wir waren zu Beginn sehr techniklastig aufgestellt und probierten vieles auf einmal. Es passte daher sehr gut, dass Axel Schmiegelow als Mitgründer und damaliger CEO der Internetagentur denkwerk den Drang nach etwas neuem operativen verspürte. So stieg Axel Ende 2006 voll operativ als CEO bei sevenload ein und systematisierte das Unternehmen konsequent, was der Firma sehr gut tat“, resümiert Ibrahim Evsan heute. Mit einem Lächeln fügt er hinzu, dass sie zuvor „eher kreativ-verrückt“ waren, nun aber die ideale Mischung gefunden hätten.

Vor allem aber verhalf Schmiegelows Verhandlungsgeschick zu einer hervorragenden Finanzierung: Im Herbst 2006 gewann er Dirk Ströers Media Ventures als Investor, der vor allem einen gigantischen Media-Deal mit Plakat- und Cross-Media-Kampagnen einbrachte. Als dann Anfang 2007 allmählich das Seedgeld verbraucht war, galt es zügig einen neuen Investor zu finden. Es prägt die sympathische Art der Gründer von sevenload, dass man auch über solche Herausforderungen ganz offen spricht. Schließlich kann man heute auch zufrieden zurück schauen, bekundete doch schließlich Hubert Burda Media überraschend auf der hauseigenen DLD Conference Interesse. Und weil man sich auf Anhieb gut verstand, vollbrachte man bis Ende Februar das Closing des Investments in Höhe eines mittleren einstelligen Millionenbetrags. Und dies war nur die Ruhe vor dem Sturm im März 2007, denn Burda half strategisch und öffnete Türen in die Medienbranche. Ibo war fortan quasi nonstop unterwegs und Tom konzentrierte sich auf eine technisch neue, mutige und umwälzerische Systemstruktur, die sevenload auch sehr stark in den B2B-Bereich führen sollte.

Lesson to Learn: Gründertum und Management sind zwei ebenso wichtige, aber verschiedene Disziplinen

Ab 2007 belieferte man fortan Kunden wie BMW, Endemol oder Grundy UFA mit Videolösungen im B2B-Segment. Sevenload sollte dabei nicht wie eine gewöhnliche Agentur arbeiten – darin waren nach Meinung der Gründer andere besser. Die Herausforderung bestand vielmehr darin, ein whitelabelfähiges System und Produktportfolio zu etablieren, das schnell an Kundenbedürfnisse angepasst werden konnte. „Wir haben in diesem Sommer viele B2B-Aufträge angenommen, und waren natürlich sehr stolz auf die großen Namen dahinter. Unsere Lesson Learned war dennoch, dass wir es etwas übertrieben haben und den Gesamtaufwand unterschätzten. Wir waren im Aufbruch und jonglierten drei Großprojekte gleichzeitig. Aber ich halte es dennoch für wichtig, dass eine Firma diese Lektionen durch die Praxis lernt“, meint Thomas entspannt. “Das ist wie bei allen Menschen. Jeder muss seine eigenen Fehler machen – auch Firmen.“.

Heute anders machen würden sie deshalb wenig. Allenfalls ihre Internationalisierung  schneller punktuell vorantreiben und weniger ängstlich sein, Themen zu entwickeln, die international erfolgreich sein können: „Wir hätten vielleicht mehr Mut beweisen können, was Produktentscheidungen angeht. Zum Teil wurden Features für die Plattform zurück gehalten, die wir exklusiv unseren B2B-Kunden anboten – und YouTube launchte sie dann kostenlos. Ich habe den 1.0-Crash am eigenen Leib mitbekommen und ihn immer noch nicht ganz verarbeitet. Hinzu kommt, dass sich die Deutschen nicht trauen, Risiken einzugehen. Es spielen halt viele Faktoren eine Rolle, und besonders die Personenkultur beginnt hier gerade erst, wichtig zu werden“, resümiert Ibrahim Evsan.

Sevenload wuchs also recht rasant und brachte stets neue Herausforderungen mit sich. Im Herbst 2007 gelang es dem inzwischen dreiköpfigen Management-Team dann, Andreas Heyden für die gemeinsame Sache zu gewinnen. Dieser war zuvor knapp acht Jahre bei RTL tätig, und baute dort unter anderem das hauseigene Videoportal Clipfish auf, sehnte sich jedoch nach mehr unternehmerischer Freiheit. So kam es, dass man der Konkurrenz einen hochkarätigen Manager abwerben konnte. Als COO stellte Andreas fortan einen weiteren erfahrenen Management-Ausgleich zum Gründerteam dar. „Gründertum und Management sind schon zwei verschiedene Disziplinen. In jedem Gründer schlummern beide, zu verschiedenen Anteilen. Während das Eine ganz nah und subjektiv am direkten Geschehen dran ist, Fehler macht und neue Themen anpackt, mal mutig und mal leichtsinnig, muss das Andere Sicherheit anstreben und darüber nachdenken, wie man zügig die fixen Kosten reinbekommt. Leidenschaft ist also ein wenig der Fluch und der Segen der Gründer, denn du willst ganz nah dran sein, darfst dabei aber nicht deine Objektivität verlieren“, erklärt Thomas Bachem.

Und so teilte man sich also auch bei sevenload die Aufgaben.

Während Axel die Geschäftsmodelle und Lizenzmodelle entwickelte, die Internationalisierung vorantrieb, anfangs das Sales-Geschäft steuerte und sich den Investoren widmete, konzentrierte sich Andreas Heyden auf die Bereiche Content, Marketing und Sales. Vor allem beim Thema Content beeindruckte Andreas Heyden die beiden Gründer: Er holte Premiuminhalte wie Big Brother, Verbotene Liebe oder Atze Schröder auf die Plattform. „Bei einem so neuartigen Thema wie Social Entertainment im Internet muss man experimentieren und ausprobieren, denn es gibt keine Vorlagen“, erklärt Ibo Evsan. „Von daher waren wir sehr dankbar, kompetente Manager und Partner gewonnen zu haben, die schon viel Erfahrung in verwandten Bereichen wie dem TV mitbrachten.“ So waren die letzten anderthalb Jahre also davon geprägt, vom StartUp zum Unternehmen zu werden, bei dem Prozesse und Strukturen neu gewachsen sind. Im Sommer 2008 stieg T-Venture im Rahmen einer  großen Finanzierungsrunde im zweistelligen Millionenbereich ein und mittlerweile ist man kurz davor, den Break Even zu erreichen. Schließlich ist das Ziel, sevenload in zwei Jahren zu einer der wichtigsten Crossmedia-Plattformen Deutschlands zu machen. Verschiedene Standbeine wie das B2B- und das B2C-Geschäft helfen dabei ungemein. Doch vielleicht widmen sich Ibo und Tom bis dahin auch schon wieder dem angenehmen Gefühl, das eine junge Firma mit sich bringt, die in neue Bereiche vordringt… Und vielleicht sind es ja dann doch Onlinegames