Die operativen Köpfe hinter smava: Alexander Arttopé, Sebastian Rieschel und Eckart Vierkant (v.l.)

Alexander Artopé, Eckart Vierkant und Sebastian Rieschel sind die drei Gründer, die gemeinsam mit Jörg Rheinboldt smava, die Plattform für „Kredite von Mensch zu Mensch“ ins Leben riefen. Von Der Geschichte des jungen Unternehmens kann man einmal mehr lernen, dass es auf Sicherheit und Transparenz im Internet ankommt und dass eine intensive Planung zumeist unerlässlich ist, will man im Internet wirtschaftlich erfolgreich sein. Es zeigt sich, dass ein effektiver Mehrwert für den Kunden der Grundstein jedes erfolgreichen Internetunternehmers ist.

Um ein StartUp wie das von Alexander Artopé und seinen Mitstreitern zu etablieren, bedarf es dreier Dinge: Einem kompetenten Partnernetzwerk, einer ausgezeichneten Interaktionssicherheit und einer guten Prozessqualität. Denn Alexander Artopé verhilft gemeinsam mit Eckart Vierkant, Sebastian Rieschel und Jörg Rheinboldt den Deutschen dazu, sich ihre Träume zu erfüllen – indem sie ihnen Kredite geben. Genau genommen vergeben sie kein Geld, sondern stellen einen Marktplatz dafür bereit: smava (www.smava.de). Smava ist ein Kürzel für „Smart Value“ und soll eigentlich genau nicht nach Kredit klingen, sondern ein neues Verständnis für das Kreditwesen schaffen. Der Name ist kurz und einfach und smava hieß bis dahin nur eine tschechische Gebirgskette. Ein bisschen gleichen sich das Büro und die Webseite von smava: So wie die Unternehmensräume gepflegt und ordentlich sind, grenzt sich auch die Webseite vom Mief der Internetkriminalität durch ausgefeilte Sicherheitsmechanismen ab. Sowohl im Web als auch im Büro ist alles in einem hell leuchtenden Grün gehalten. Überall steht smava und so wie auch die Webseite größten Wert auf Sicherheit legt „Grün ist ja immer die Farbe der Hoffnung und des Vertrauens“ erklärt Artopé lächelnd. Er ist ein kultivierter junger Mann, der nicht müde wird, geduldig auf Fragen zu smavas Konzept zu antworten und dem man seine Begeisterung für das Internet anmerkt, wenn er des Öfteren mal auf seinen Laptop schmult. Und wie kamen die vier Gründer dazu, „Kredite von Mensch zu Mensch“ anzubieten?

Die Köpfe hinter smava: Alexander Arttopé, Sebastian Rieschel und Eckart Vierkant (v.l.)

Lesson to Learn I: Je komplexer Dein Unterfangen ist, desto besser plane es

In gewisser Weise begann die Geschichte von smava mit einem anderen Unternehmen: datango, eine Firma für Enterprise Software. Alexander Artopé gründete die datango AG mit mehreren Bekannten im Jahr 1999 und kam im Zuge dessen auch mit ebay Deutschland an den Verhandlungstisch, wo er Jörg Rheinboldt kennen lernte, der bald zu einem seiner engen Freunde in der Branche werden sollte. Bereits 2005 gab es dann erste Gespräche mit Jörg Rheinboldt über einen Marktplatz für Kredite und wenig später verließ Artopé auf eigenen Wunsch seinen Posten als Vorstandsvorsitzender bei datango. Es dauerte dann insgesamt rund ein Jahr bis das smava-Team komplett war. Da Jörg Rheinboldt, der sich durch seine langjährige Arbeit als Geschäftsführer bei ebay hervorragend mit Marktplätzen auskannte, eher strategisch und nicht operativ agierte, bedurfte es weiterer Mitspieler. Man musste nicht lange suchen. Eckart Vierkant hatte im Studium stets exakt die gleichen Kurse wie Artopé und war schnell überzeugt, der Private Equity-Szene den Rücken zu kehren. Sebastian Rieschel, der Dritte im Bunde und seines Zeichens ehemaliger Leiter des Versicherungs-Schutzbrief-Bereichs bei Jamba, hatte ein Praktikum bei datango absolviert gehabt und war sehr positiv im Gedächtnis geblieben. Schon immer war er an neuen Themen dran und daher ebenso schnell für die Idee zu begeistern.

Somit stand eine vierköpfige BWLer-Truppe bereit, den Kreditmarkt in Deutschland neu zu interpretieren. Man wollte einen Marktplatz für Geld schaffen, was viel Denkarbeit und die Gewährleistung einer hohen Sicherheit erforderte. „First ship it, then test it“ war im Finanzbereich keine Option, weil es massiv auf die Sicherheit der Transaktionen ankommt. Und wie es so oft im Geschäftsleben ist, traten auch andere Teams mit einer sehr, sehr ähnlichen Idee den Weg zum Markteintritt an: Im März 2005 ging Zopa in den USA an den Markt, ein Jahr später folgte mit Prosper, der zweite weltweite Player. Wenngleich sich auch hier Privatleute über das Internet Geld leihen konnten, ließ man sich bei smava dennoch nicht aus der Ruhe bringen. Im Zentrum der Gründungsarbeit standen die Produktentwicklung sowie das Aufbauen wichtiger Partnerschaften, etwa mit der späteren Partnerbank, der Bank für Investments und Wertpapiere (biw AG). Im März 2007 konnte man dann nach einem Jahr des Planens und der Vorbereitung starten.

„Ganz pragmatisch kann man es darauf herunter brechen, dass es um das sauer Ersparte der Nutzer ging, was es zu sichern galt“, sagt Eckart Vierkant. Die Mittel zur Unternehmensgründung waren vorhanden: Neben dem Management, der ECONA AG und Jörg Rheinboldt im Jahr 2006 finanzierten Business Angels wie Lukasz Gadowski, Tim Schwenke, Oliver Jung, Stefan Glänzer und Peter Schüpbach Anfang 2007 die Anlaufphase. Im April 2007 und September 2008 wurden mit Earlybird und Neuhaus Partner eine Series A und Series B durchgeführt, sodass mit einer Finanzierung von acht Millionen Euro in Ruhe das Geschäft einer Online-Kreditbörse aufgebaut werden konnte. Während man mit der Finanzierung also keine Probleme hatte, war die aufsichtsrechtlich einwandfreie Durchführung des Geschäftsmodells eine aufwändigere Denkaufgabe. In Deutschland ist es aufsichtsrechtlich nicht erlaubt, mehr als zwei bis drei Personen Geld zu leihen, sonst benötigt man eine Banklizenz. Also strebte man eine andere Lösung an: Die Bank vergibt die von den Anlegern ausgewählten Kredite und verkauft diese ohne Preisaufschlag an die Anleger weiter. Die Anleger erhalten mit der Kreditforderung das vollständige Erlös- (Zins) und Risiko-(Kreditausfall) Potenzial. Deshalb benötigen weder Anleger noch Kreditnehmer eine Banklizenz und smava verbleibt als Vermittler und Betreiber des Marktplatzes.

Lesson to Learn II: Biete Deinen Kunden Sicherheit und Transparenz

Smavas größte Hürde bestand darin, ein gutes Risikomanagement zu entwickeln, was zunächst mal arbeitsintensiv ist und die Berücksichtigung multipler Szenarios erfordert. Die Schwierigkeit war, dass es in der Natur der Sache liegt, dass es bei Konsumentenkrediten zu Ausfällen kommt. Denn beispielsweise kann sich durch Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Berufsunfähigkeit die Haushaltsrechnung von Kreditnehmern so stark ändern, dass sie ihren Kredit nicht mehr zurückzahlen können. Der erste wichtige Schritt war, die Marktteilnehmer vor ihrer Zulassung sorgfältig zu prüfen. Neben der Identität und dem SCHUFA-Score wird das Einkommen von Kreditnehmern anhand von Dokumenten ausführlich von smava geprüft. „Das Ergebnis ist eine Haushaltsrechnung, anhand der wir beurteilen können, ob jemand einen Kredit zurückzahlen kann oder nicht.“ beschreibt Eckart Vierkant den Vorgang. Wenn der Kredit ausgezahlt worden ist, stellte sich die Frage, wie Anleger vor Totalverlusten geschützt werden können. „Die Lösung war nach vielen Konzeptionen dann nahe liegend“, verrät Sebastian Rieschel. „Man sollte nicht alle Eier in einen Korb legen.“

Also schuf smava ein gemeinschaftliches Absicherungsinstrument, die „Anlegerpools“. Alle Anleger, die in dieselbe Bonitätsklasse investiert haben, sind Mitglied eines Anleger-Pools und werden so vor Zahlungsausfällen geschützt. Insgesamt gibt es bei smava acht Bonitätsklassen von A bis H, die das Risiko eines Nutzers anhand des Schufa-Scores abbilden. Die Einteilung dieser acht Risikoklassen basiert auf dem Spezialkredit-Instituts-Score der SCHUFA.

Als Anleger wird man Bestandteil eines Anleger-Pools mit allen anderen Anlegern, die in die gleiche Klasse investiert haben. Ein Beispiel: 100 Anleger in einem Pool erhalten eine Tilgungsrückzahlung von 100 Euro für einen bestimmten Monat. Wenn ein Kreditnehmer in diesem Pool nun an einen Anleger nicht zahlt, zahlen die 99 anderen Anleger einen Ausgleich in Höhe des Ausfalls – also 1%, bzw. 1 Euro. Und sollte eine Rückzahlung wirklich ausbleiben, wird zunächst eine Mahnung versandt und nach Ausbleiben der Zahlungen über 2 Monate ein Inkasso-Unternehmen eingeschaltet, das 15 bis 25% der noch offenen Restschuld an den Anleger-Pool auszahlt. Mit dem Inkasso-Unternehmen „Intrum Iustitia“ wurde auf einen Partner Wert gelegt, dessen Unternehmensphilosophie „Fair Play“ ist.

Grundlage dieser Risiko-Management-Konzeption waren viele Nutzerbefragungen und Gruppendiskussionen mit Anlegern. „Von Gruppengesprächen bis hin zu Interviews mit Bekannten war alles dabei. Schließlich wollten wir möglichst viele und umfassende Anregungen erhalten“, verrät Alexander Artopé lächelnd. Die jeweiligen Antworten flossen dann direkt ins Konzept ein.

smava selbst verdient an einer Kreditnehmer-Gebühr, die bei 2,5% des Kreditbetrages liegt. Der Anleger zahlt eine einmalige Gebühr von 4 Euro pro Kauf einer Kreditforderung. Grundsätzlich haben die Kredite immer eine Laufzeit von 36 oder 60 Monaten, doch auch eine Verkürzung ist denkbar, wenn man schon vorher in der Lage ist, die gesamte Summe zurückzuzahlen.

Lesson to Learn III: Schaffe einen Mehrwert für Deine Kunden indem Du ein Bedürfnis bedienst

Man könnte also sagen, smava hat eine andere Wertschöpfungskette geschaffen, die durch ein ausgefeiltes Sicherheitssystem geschützt wird. Quasi ein ebay für Geld, aber mit einem ausgeprägten Sicherheitsnetz. Der Mehrwert, den smava für seine Nutzer so produziert, liegt primär in der Transparenz und der Selbstbestimmtheit seines Services: Der Kreditnehmer legt die Kosten seines Kredits über Tools fest, wodurch ein Maximum an Transparenz gewährleistet wird. Kreditnehmer und Anleger treffen sich auf Augenhöhe, verhandeln quasi „soziale Kredite“, das heißt einem Anleger ist klar, wer eine Anleihe für welches Vorhaben erhält. Jedoch stets auf anonymisierter Basis. Und tatsächlich ist dieser Social Return den meisten Investoren sehr wichtig, zumal eine solche Transparenz – insbesondere in Zeiten der Krise – im Kreditbereich sonst selten ist. Smavas USP liegt also gewissermaßen darin, dass man Transparenz und soziale Kredite vereint und damit ein Prinzip des Bankwesens durchbrochen hat, wenngleich wie immer gilt, dass Angebot und Nachfrage berücksichtigt werden müssen. Da 50% der Kreditnehmer durch Selbstständige gestellt werden, investiert man quasi direkt in Arbeitsplätze.

Und smavas Angebot wird positiv aufgenommen: Im März 2009 erreichte man ein Gesamtkreditvolumen von 800.000 Euro. Und auch wenn smava noch nicht kostendeckend arbeitet, verfügt man doch über ausreichend Investitionsmittel, um auch die Internationalisierung in Polen weiter voran zu treiben, für dessen wachsenden Markt smava guten Konditionen bietet. Weitere Expansionen sind jedoch nicht vorgesehen. Alexander Artopé Eckart Vierkant und Sebastian Rieschel wollen sich mit Jörg Rheinboldt weiterhin darauf konzentrieren, den für die Kunden vorhandenen Nutzen zu erhalten: Im Jahr 2008 lag die Durchschnittsrendite bei 9% (!) und 99% der Anleger machten einen Gewinn, während der kumulierte Gesamtverlust bei gerade mal 69 Euro lag. Und mit einem Marktvolumen von 60 Milliarden Euro pro Jahr für Konsumenten-Kredite (wobei zirka 5% auf das Internet entfallen, was rund 3 Milliarden Euro entspricht) ist im Kreditwesen auch noch ordentlich Steigerungspotenzial. Folglich plant man bei smava das eigene Kreditvolumen noch deutlich zu erhöhen. Daher lautet auch Alexander Artopés Tipp für junge Gründer: Die Idee ist sehr wichtig, ebenso ein großer und wachsender Markt.

Die Vision des Gründerteams ist es, einen Online-Marktplatz für Geld zu etablieren. Gerade in Zeiten der Finanzkrise zeigt sich, dass eine solche Alternative zu Banken sinnvoll ist. Denn bei smava können Kreditnehmer und Anleger direkte Geldgeschäfte miteinander vornehmen – etwas, was immer mehr Menschen sich wünschen.