Seit 1999 finanziert der Risikokapitalgeber Target Partners junge Tech-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gerade erst beteiligte sich der VC an dem Hardware-Startup NavVis aus München, das eine Finanzierungsrunde in einer Höhe von mehr als sieben Millionen Euro bekannt gab.

Aber welche Eigenschaften muss ein Unternehmer haben, damit es mit der Finanzierung klappt? Einer der Mitgründer von Target Partners, Berthold von Freyberg, hat mit uns darüber gesprochen, was ein guter Gründer können muss.

Wie sieht das Verhältnis zwischen Euch und den Gründern aus?

Außerordentlich wichtig ist ein gutes, ausgeglichenes Vertrauensverhältnis zwischen Gründer und Investor. Gute, aber auch schlechte Nachrichten aus dem Startup müssen schnell und transparent kommuniziert werden. Nur so ist gewährleistet, dass wir unsere Branchen- und Gründererfahrung als Berater einbringen können. VCs sind nicht die Gründer, aber wir können sie ergänzen.

Verändert sich diese Beziehung zwischen Startup und Investor nach dem Abschluss der Finanzierungsrunde?

Es entwickelt sich vom ersten Treffen an eine bestimmte Beziehung, idealerweise wird anschließend auch so weitergearbeitet. In der Vorlaufzeit, bis es zu einer Investition kommt, diskutieren Gründer und VCs die wichtigsten Themen. Und vor der Finanzierung wird das Unternehmen auch per Due Diligence unter die Lupe genommen. Dabei lernen sich Gründer und Investoren gut kennen. Da ist das offizielle Closing dann eher Formsache.

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Existiert das Klischee-Bild eines Gründers, der nach abgeschlossener Finanzierungsrunde exzessiv feiert und Geld verprasst?

Wenn ein Startup finanziert wird, dann darf das Closing auch gefeiert werden. Im richtigen Maß ist das alles in Ordnung.

Wie oft merkt Ihr, dass das Geschäftsmodell eines Startups nicht funktioniert?

Es kommt natürlich vor, dass im Laufe einer Beteiligung die eingeschlagene Geschäftsrichtung geändert werden muss. Viele Gründer merken aber selbst, wenn es nicht so läuft, wie geplant. Dann kommt ein Vorschlag zur Änderung des Geschäftsmodells auch meistens von ihnen. Solche Pivots haben wir schon bei mehreren unserer Startups erfolgreich begleitet. Das passiert und ist kein Grund zur Sorge.

Und das Scheitern gehört zu Startups und zum Unternehmersein einfach dazu. Ein Schritt zurück oder eine Änderung des Weges kann einem oftmals ganz neue Blickwinkel eröffnen.

Neber falscher Kommunikation – welche anderen Fehler machen Unternehmer am häufigsten?

Eine beratungsresistente, führungsschwache Gründerpersönlichkeit, die zudem nicht ehrlich kommuniziert, ist meine Horrorvorstellung. Wenn dem so ist, dann bringt eine Zusammenarbeit nichts. Deshalb ist es wichtig, dass Gründer und VCs sich bereits vor dem Investment intensiv kennenlernen. Wir investieren in erster Linie in das Team, erst dann in die Idee.

Und was macht einen guten Gründer aus?

Gute Unternehmer hören gut zu und sind hartnäckig. Sie saugen Rat aus der ganzen Umgebung auf, aus täglichen Situationen. Sie reflektieren ihre Schritte und setzen ihre Erkenntnisse flexibel und schnell um. Und ein guter Gründer lebt nach dem Motto „Never give up“.

Bild: Target Partners