Schaut eigentlich irgendjemand noch Fernsehen? Eine nicht repräsentative Kurzumfrage in der Redaktion ergibt ein eindeutiges Bild: Wir leben inzwischen in Zeiten von nichtlinearen Medien wie Netflix oder Youtube. Zumindest wir bei Gründerszene. Für die breite Masse der Menschen scheint das aber noch nicht zu gelten. Der Tatort mit Til Schweiger, die Dart-WM mit Gary Anderson oder Shows der sehr blonden Schlagersängerin Jelena Petrowna Fischer aus Krasnojarsk erreichen erstaunliche Millionen-Quoten. Zwar geht es mit Werbung in digitalen Kanälen langsam bergauf. Aber für Startups ist es immer noch wichtig, mit Werbung im Fernsehen vertreten zu sein.

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Jetzt ist auch das Berliner Startup Juniqe mit seinem Shop für „junge, urbane Kunst“ im TV zu sehen – unter anderem auf RTL2, Sixx, Dmax und Sky. Gründerin Lea Lange sagt: „Der Spot verdeutlicht klar, wer wir sind. Kunst ist Lifestyle. Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Für uns bei Juniqe ist Kunst Leidenschaft.“ Deutlich wird in dem kurzen Film auf jeden Fall, welche Zielgruppe Juniqe ansprechen möchte. Moderne, jüngere Leute, die vielleicht noch nicht das Geld haben, um sich Kunst in Galerien zu kaufen, oder sich zu individuell fühlen, um den Wandschmuck einfach bei Deutschlands größtem Kunsthändler zu kaufen: Ikea.

Anfang November hatte das Startup seine Community aufgerufen, sich mit Juniqe-Lieblingsmotiven zu fotografieren und die Fotos auf Instagram-Accounts zu veröffentlichen. Aus den Fan-Präsentationen wurden fünf Gewinner erwählt, die nun mit ihren Juniqe-Kunstdrucken im Werbefilm zu sehen sind. Ein ungewöhnlicher Weg, den sich die Hamburger Agentur Brandtouch ausgedacht hat. Bewerbung per Social Media, Einbindung der Kundschaft, hier soll ein modernes Lebensgefühl transportiert werden, das die Macher mit dem Stichwort „urban“ umschreiben. Aber seht selber:

Mutter aller Tech-Spots ist die legendäre AOL-Werbung mit Boris Becker aus dem Jahr 1999. Millionen Deutschen wurde klar, dass sie es auch ins Internet schaffen, wenn Boris das hinbekommt. „Drin! Das is ja einfach.“ Auch ohne technische Kenntnisse. Diese schlichte Botschaft löste eine Massenwanderung ins Netz aus. Hat also funktioniert. Der richtige Star zum richtigen Zeitpunkt.

Der Männermodeversender Outfittery bemüht sich um Humor. Und der Spot hat tatsächlich komische Augenblicke. Besonders gut hat uns der hoch motivierte Verkäufer gefallen.

Legendär ist inzwischen auch die Kampagne von Zalando. „Schrei vor Glück“ ist zu einem geflügelten Wort geworden. Es geisterten Parodien durch das Netz. Ein Ritterschlag. Viel mehr kann man als Werbetreibender nicht erreichen. Für das Unternehmen hat sich die millionenschwere Kampagne auch gelohnt. Schuhe im Netz bestellen ist im Bewusstsein von Millionen Kunden untrennbar mit dem Namen Zalando verknüpft. Die Spots sind sehr gut gemacht und unterhaltsam.

Auch der Erotikversender Amorelie hat es mit Werbespots im TV vesucht. Hier lockt uns eine junge Dame mit dem „beliebteste Partnertoy“ der Welt in den Onlineshop des Startups. Insgesamt sehr schlicht. Oder ist das schon unfreiwillig komisch? Irgendwie hat man das Gefühl, dass zum Thema Erotik mehr drin gewesen wäre.

Bei Lieferando bemüht man sich um die Vermittlung einer schlichten Botschaft: Hunger? Wir bringen essen! Aus. Das funktioniert bestimmt. Aber von einem Unternehmen, das neue Wege beschreiten will, erwartet man vielleicht einen Hauch mehr Fantasie.

Auch Mr. Spex setzt auf die schlichte Vermittlung seiner Unternehmensidee. Kein Schnick und kein Schnack. Das ist puritanisch, funktionell. Mehr leider nicht.

Foto: Juniqe/Youtube/Screenshot