StartupCVs-Team

Haben die Jobbörse StartupCVs gegründet: Marcel Poelker (links) und die Brüder Melikshah und Mengühan Ünver

Internetunternehmer sind Melikshah und Mengühan Ünver schon lange. Bereits als Teenager verkauften sie Produkte über das Internet, hauptsächlich Füller, die sie aus Nordamerika importierten – und verdienten so ihr erstes Geld. In ihrem 5.000-Seelen-Dörfchen in der Nähe von Reutlingen waren die Brüder damit echte Pioniere: „Wir waren damals die ersten mit einem DSL-Zugang“, erzählt Mengühan.

Die beiden studierten BWL, arbeiteten anschließend bei Unternehmen wie Google, der Boston Consulting Group oder HitFox. Noch an der Uni lernten die Brüder Marcel Poelker kennen, der später beim Rocket-Venture Payleven den IT-Bereich mit aufbaute. Mengühan bezeichnet Poelker als echten „Techie“.

Heute stehen die Drei an der Spitze ihres eigenen Startups. Zusammen gründeten sie Anfang letzten Jahres die StartupCVs GmbH. Ihr Produkt ist eine Jobbörse, die den Recruiting-Prozess in der Szene effizienter machen soll. Denn Startups haben in der Regel nicht das nötige Budget, um monatelang nach dem passenden Mitarbeiter für eine offene Stelle zu suchen, sind dafür aber umso mehr auf gutes und talentiertes Personal angewiesen.

Um sich auf einen Job in der Digitalwirtschaft zu bewerben, können Nutzer auf StartupCVs ein Profil von sich erstellen. Dazu geben sie ihre Job-Präferenzen an – und laden außerdem ihren Lebenslauf („curriculum vitae“, kurz: CV) hoch. Anschließend können die Bewerber Unternehmen entweder von sich aus anschreiben oder warten, bis ein Unternehmen sich bei ihnen meldet.

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Jeder neue Kandidat wird von Mitarbeitern händisch überprüft. Gibt es offene Fragen zum Profil oder den angegebenen Präferenzen, hakt der Recruiter nach. Etwa dann, wenn ein Kandidat angibt, im C-Level eines etablierten Startups arbeiten zu wollen, aber lediglich zwei Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. Die Vorselektion soll sicherstellen, dass Gründer am Ende nur wirklich relevante Bewerbungen vor sich liegen haben.

Nicht zuletzt will sich StartupCVs damit natürlich auch auf dem Jobbörsen-Markt einen Vorteil verschaffen. Denn auf einen Teilbereich des StartupCVs-Geschäftsmodells, das „umgekehrte Recruiting-Prinzip“, setzen auch andere Anbieter, darunter die Jobbörsen 4Scotty und Honeypot, die allerdings speziell auf IT-Fachkräfte zugeschnitten sind. Ein entsprechendes Portal für die Kreativ- und Agenturbranche ist das kürzlich gestartete Skjlls.

Über 1.000 Firmen suchen nach Angaben der Gründer über das Portal derzeit Mitarbeiter – darunter deutsche Unternehmen wie Lovoo oder Kiveda, aber auch internationale Arbeitgeber wie Google. Auch Jobs in London, New York und im Silicon Valley findet man auf der Seite. StartupCVs beschäftigt derzeit zehn Mitarbeiter. Genaue Nutzerzahlen möchte Mengühan Ünver nicht nennen, sagt aber, dass die Kandidaten monatlich bis zu 10.000 einzelne Bewerbungen generieren. Externe Finanzierungen gab es für das Startup bislang nicht.

Kommt es bei den Ünver-Brüdern auch mal zu Streitereien im Geschäft? „Natürlich, aber als Brüder haben wir uns in jungen Jahren auch schon geprügelt. Man muss solche Dinge schnell hinter sich lassen,“ sagt Mengühan. Tatsächlich scheint die brüderliche Zusammenarbeit gut zu klappen: Auch Bruder Murshil soll bald ins Unternehmen kommen.

Bild: StartupCVs