Die Gefahr der (Wirtschafts-)Strafverfolgung wächst kontinuierlich

Ob inhabergeführter Web-Shop, Webdesign-Startup mit zehn Angestellten oder etablierte Gründung mit sechsstelligem Umsatz: Das Strafrecht differenziert nicht nach Unternehmensgröße oder -alter. Ein Bewusstsein für Strafbarkeitsrisiken besteht gerade in der Gründungszeit, in der das Unternehmen wächst, kaum. Dabei wirken Strafen zu diesem Zeitpunkt oftmals existenzvernichtend. Und oft schützt schon die Kenntnis der maßgeblichen Strafnormen, um Risiken zu minimieren.

Zwar gelingt es noch vielen kleineren Unternehmern, durch die Netze der Verfolgungsbehörden zu schlüpfen, doch die Maschen werden enger: Immer bessere und schnellere Informationsmöglichkeiten durch den rasanten technologischen Fortschritt sorgen für immer effizientere Kontroll-, Erforschungs- und Ermittlungsarbeit der Strafverfolgungsorgane.

Strafrechtliche „Compliance“ verfolgt grundsätzlich das Ziel, sicherzustellen, dass die extern vorgegebenen Strafgesetze  eingehalten werden, um rechtmäßiges Wirtschaften zu erreichen und das Unternehmen vor den schweren Folgen strafbaren Verhaltens zu schützen. Dargestellt wird im Folgenden, warum dies nicht nur Großunternehmen betrifft, sondern auch Gründungen und Kleinunternehmen sich mit Compliance auseinandersetzen sollten.

Besonderheiten bei Startups

Gerade Unternehmen im Gründungsstadium sind besonders gefährdet, was die meist unbewusste Verwirklichung strafrechtlich relevanten Verhaltens angeht.

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Dies liegt an ihrer Struktur: Meist sind die Firmeninhaber gleichzeitig Berufsträger, eine eigenständige Büro- und Auftragsorganisation fehlt, es herrschen flache Hierarchien, die Entscheidungsfindung ist pragmatisch und aus dem Bauch heraus, es gibt keine bis wenige formalisierten Prozesse.

Weil viele Gründer die einschlägigen Strafnormen nicht kennen, entstehen dann Fehler, die nicht als solche erkannt werden, sich einschleifen, und erst dann bemerkt werden, wenn die Post der Staatsanwaltschaft kommt.

Oft ist es dann zu spät: Versäumte Zahlungen, etwa Sozialabgaben für Angestellte oder Steuern, müssen mit erheblichen Zinsen und Zuschlägen nachgezahlt werden. Empfindliche Bußgelder und Geldstrafen drohen nicht nur in diesem Zusammenhang, sondern auch beispielsweise bei Verstößen gegen Datenschutz- oder Arbeitsschutzbestimmungen und Wettbewerbsregelungen.

Sanktionen

Sanktionen bei Gründungen wirken oft existenzbedrohend. Genannt sind bereits empfindliche Geldstrafen und-bußen, die Verhängung von Freiheitsstrafe ist bei Delikten der in Frage kommenden Art zwar unwahrscheinlich, aber durchaus denkbar.  Der Strafenkatalog wird ergänzt durch den Verfall, bei dem nach dem Grundsatz „Verbrechen darf sich nicht lohnen“ das durch die Tat erlangte abgeschöpft wird. Eintragungen von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten im Gewerbezentralregister können Zweifel an der Zuverlässigkeit des Gewerbetreibenden wecken, und in letzter Konsequenz zur Gewerbeuntersagung führen.

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