Ein Gastbeitrag von Jan Marciniak, Diplom-Kaufmann und -Volkswirt sowie Management Consultant bei S&H Managements Consultants in Berlin.

Die Finanzierungsstruktur deutscher Startups besteht zu über 50 Prozent aus informellen Investments

Für Gründer gibt es unterschiedliche Finanzierungsquellen: Angel-Investoren, Venture-Capital-Firmen und öffentlichen Förderer. Doch welche Finanzierungsform ist die passende? Junge Startups favorisieren bestimmte Finanzierungsmöglichkeiten: Der Deutsche Startup-Monitor ermittelte für das Jahr 2014 eine eindeutige Struktur. Dabei zeigt sich, dass die informellen Investments durch Business Angels und Familie und Freunde über 50 Prozent der Finanzierungen ausmachen.

Informelle Finanzierungsformen stellen also neben der Eigenkapitalfinanzierung den Großteil der Geldquellen bei Unternehmensgründungen dar. Die präsenten Venture-Capital-Firmen spielen nur eine untergeordnete Rolle – oder werden erst bei einer späteren Anschlussfinanzierung relevant.

Finanzierung ohne Bürokratie verspricht Chancen, jedoch auch erhebliche Risiken

Informelles Kapital bietet jungen Unternehmen Chancen, da es meist unbürokratischer zu beschaffen ist. Das Kapital ist schneller verfügbar, außerdem bringen Business Angels Know-How und Erfahrung ein. So können Investoren den Unternehmenserfolg direkt beeinflussen.

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Allerdings führen die oft kleinteiligen und individuellen informellen Investments zu einer Intransparenz: Die von Startups und Investoren eingegangenen Risiken und Chancen können nicht mehr so leicht durchblickt werden. Aus einer Befragung elf deutscher Business Angels, die im Durchschnitt 3,8 Investments getätigt haben, können vier Grundsätze ermittelt werden. Sie können Startups helfen, den Investor richtig anzusprechen und das Investment erfolgreich zu gestalten.

1. Unzureichend definierte Spielregeln in der Startphase sind der größte Risikofaktor für einen Investor.

Business Angels konzentrieren sich, sofern sie nicht aus dem juristischen Bereich kommen, vor allem auf das Geschäftsmodell. Ist dieses in sich schlüssig, sind Investoren bereit, zügig zu investieren. Neben den grundlegenden Vertragswerken wie dem Gesellschaftervertrag sind darüber hinaus jedoch weitere Absprachen zu treffen: Wie wird über das operative Geschäft berichtet? Gibt es regelmäßige Termine? Welche Kennzahlen werden nachgehalten? Das zu vereinbaren – so unnötig es in der Anfangsphase voller Enthusiasmus und Tatendrang scheint – sichert langfristig eine effektive und transparente Zusammenarbeit.

2. Es gibt zwei Arten von Investoren, die passiven und die aktiven. Sie müssen unterschiedlich betreut werden.

Die aktiven Investoren bringen meist operative Erfahrungen aus der gleichen oder einer vergleichbaren Branche mit. Diese Investoren sind nicht nur wegen ihres finanziellen Engagements in dem Startup wichtig, sondern auch wegen ihrer Erfahrung und ihres Netzwerks. Aktive Investoren wissen meist sehr genau, was operativ in dem Startup passiert. Formale Berichtsroutinen sind nicht im gleichen Umfang wie bei einem passiven Investor nötig.

Dem aktiven Investor muss jedoch im Gegensatz zu dem passiven Investor mehr Aufmerksamkeit gegeben werden, da dieser stärker in die Unternehmensstrukturen eingebunden sein wird. Der mehr im Tagesgeschäft involvierte Investor wird auch größeres Mitspracherecht bei operativen Entscheidungen einfordern oder zumindest direkteren Einfluss auf Entscheidungen ausüben. Dieser Forderung muss nachgekommen werden, ohne dabei das Ziel des Unternehmens aus den Augen zu verlieren und die eigenen Vorstellungen aufzugeben.

Der passive Investor verlässt sich dagegen sehr stark auf das implementierte Berichtswesen. Hier gilt es, Berichtsformen und -routinen einzuhalten. Fühlt sich der Investor ausreichend informiert und befinden sich die Kennzahlen im Plan, so überlässt er den Gründern meist einen Großteil der operativen Entscheidungen. Das ist insbesondere für bereits erfahrene Gründerteams erstrebenswert, die so eigenständige Entscheidungen treffen können – für Gründer mit wenig Erfahrung oder Kenntnis in beispielsweise betriebswirtschaftlichen Fragestellungen kann das hingegen ein Problem darstellen.

3. Startups vernachlässigen Regelkommunikation und Berichtswesen, dadurch entsteht Intransparenz, die bei Investoren die Alarmglocken klingeln lässt.

Unabhängig davon, ob ein Investor sich passiv oder aktiv verhält, sind die Befragungsergebnisse: Fast die Hälfte der Business Angels gibt an, nur unzureichend über Vorgänge im Unternehmen informiert zu sein. 17 Prozent der Investoren machen für die fehlende Transparenz ein ungenügendes Berichtswesen verantwortlich.

4. Aus Sicht der Investoren ist neben externen Faktoren (Markt, Wettbewerb, etc.) vor allem ein fehlendes Projektmanagement der entscheidende Faktor für ein Scheitern des Unternehmens.

Bei der Investmententscheidung bauen Investoren auf ein schlüssiges Geschäftskonzept und Marktrecherche. Bei der Investition werden externe Faktoren wie Wettbewerber und Marksituation als positiv eingeschätzt. Da externe Faktoren schwer zu beeinflussen und unvorhersehbar sind, hat sich die Befragung vor allem auf die operativen Risiken der Unternehmen konzentriert.

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Aus Sicht der Investoren ist hier in den meisten Fällen ein unzureichendes Projektmanagement für das Scheitern der Unternehmung verantwortlich. Einhergehend ist das fehlende Projektmanagement meist mit einer zu langen Entwicklungszeit für Prototypen sowie einem zu langen Time-to-Market. Dies korrespondiert mit Aussagen seitens der Gründer, die angeben, unzureichende finanzielle Ressourcen bis zum Markteintritt zu besitzen und die Zeit bis zur Markteinführung ihres Produktes zu unterschätzen. Aus Sicht der Investoren entsteht aus dem ineffizienten Projektmanagement eine Abwärtsspirale, die die Anschlussfinanzierung in Gefahr bringt (50 Prozent der befragten Investoren) und so gegebenenfalls die gesamte Unternehmung gefährdet.

Risiken wurden fast ausschließlich in den operativen Strukturen identifiziert

Insgesamt scheinen Risiken wie fehlende Kontrollgremien oder Verwässerung der Anteile bei Folgeinvestments, die allgemein mit informellen Investments verbunden werden, nicht zuzutreffen. Externe Faktoren ausgenommen, konzentriert sich das Risiko auf zwei Bereiche: unzureichende Kommunikation und unzureichende Planung. Bereiche also, die mit der entsprechenden Kompetenz und sorgfältig eingeplanten Ressourcen relativ einfach abzubilden sind, oft aber in der spannenden Gründungsphase des Unternehmens als nicht notwendig erachtet werden.

Schafft es der Unternehmer, seine ohnehin knappen Ressourcen in der Anfangsphase richtig einzuteilen, Schritte in der Produktentwicklung richtig zu priorisieren und seinen Fortschritt transparent zu kommunizieren, so kann das informelle Investment durch Business Angels relativ schnell und unbürokratisch der Grundstein für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung sein.

Bild: © panthermedia.net/alphaspirit