Stefan Michaelis Jonny Fresh Startup-Helden

Stefan Michaelis (32), Mitgründer von Jonny Fresh

„Startup-Held“ Stefan Michaelis im Interview

Mit der Idee eines Reinigungsdienstes für Kleidung inklusive Bringservice sind die Jonny-Fresh-Gründer nicht die Ersten. Mit demselben Konzept war 2011 bereits MyDryclean an den Start gegangen – und musste zwei Jahre später den Stecker ziehen. Nun sei der Markt aber reif für ihr Angebot, glaubt das Team von Jonny Fresh.

2013 gründeten Stefan Michaelis, Sebastian Schmidt und Kay Kagelmann den Lieferservice für die Textilreinigung. Für 18,90 Euro holen die Fahrer des Berliner Startups beispielsweise zehn schmutzige Hemden von einer gewünschten Adresse ab und liefern diese normalerweise zwei Tage später gereinigt und gebügelt wieder ab.

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Sieben Fahrer sind dafür auf den Straßen und sechs Mitarbeiter koordinieren die Geschäfte aus dem Treptower Büro. Das Waschen übernimmt eine Partner-Reinigungsfirma in Berlin. 100.000 Teile ließ das Startup 2014 dort nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr bereits waschen, stellt sich aber auf weiteres Wachstum ein – auch weitere Städte nach Berlin sind in Planung.

In der Reihe „Startup-Helden“ erklärt Mitgründer Stefan Michaelis, warum ihr Angebot genau zur rechten Zeit kam und warum sie vor Neukonkurrent Rocket Internet, dessen Spross ZipJet im Januar in Berlin an den Start ging, keine Angst haben.

Mit eurer Idee seid Ihr nicht die Ersten. So ging MyDryclean bereits wieder offline. Warum habt Ihr euch trotzdem an das Thema getraut?

Es gibt zwei entscheidende Unterschiede: Die Leute haben sich mittlerweile daran gewöhnt, ihr Lunch-Paket, die Putzfrau und den Wäscheservice online zu bestellen. Wir leben heutzutage im Lieferservice-Zeitalter. Zweitens betreiben wir nicht einfach irgendein Portal – der Schlüssel zum Erfolg sind die Backendsoftware für die Tourenplanung, ein zentrales Qualitätsmanagement sowie eine zuverlässige Auftragsverwaltung: In über 99 Prozent der Fälle kommen unsere Lieferanten im vereinbarten Zeitfenster an, um Wäsche abzuholen oder abzugeben – der wohl entscheidende Grund dafür, dass wir inzwischen viele Stammkunden haben.

Seit kurzem habt Ihr mit ZipJet einen Konkurrenten aus dem Hause Rocket Internet. Macht Euch das nervös?

Ganz im Gegenteil: Der deutsche Schnellreinigungsmarkt hat ein jährliches Umsatzvolumen von 1,2 Milliarden Euro. Gerade der Markteintritt von Rocket in Deutschland ist doch der beste Beleg dafür, dass die Zeit reif ist, was auch ein Blick auf unser Wachstum verdeutlicht: Im vergangenen Jahr haben wir die in Auftrag gegebene Wäsche mit insgesamt 100.000 Teilen im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht.

Wir haben es zudem als Erster geschafft, die gesamte Lieferflotte auf die spezifischen Anforderungen im Wäscherei-Lieferbetrieb auszurichten: Beispielsweise sind unsere Fahrzeuge im Innenraum so ausgebaut, dass sämtliche Kleidung bei Bedarf hängend transportiert werden kann – eine Voraussetzung für glatte Hemden.

Die Reinigung ist ein harter Job. Wie viel Geld erhält bei Euch das Reinigungspersonal und wie wollt Ihr gute Arbeitsbedingungen garantieren?

Stimmt, der Job ist verdammt hart. Das Reinigungspersonal ist bei unserer Partnerreinigung angestellt. Der Bruttostundenlohn liegt dort bei mindestens 8,50 Euro. Unser Reinigungspartner hat speziell für uns eine neue Produktionsfläche mit Maschinen gebaut. Somit haben wir vermutlich die modernste und am besten ausgestattete Textilreinigung in ganz Berlin. Da drin sieht es aus wie in einer Arztpraxis.

Was waren Eure größten Stolpersteine auf dem Gründungsweg bisher?

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Zu Beginn haben wir sehr viel Zeit damit verbracht, eine Art Packstation als Ersatz für eine Textilreinigungsfiliale zu entwickeln, die rund um die Uhr zugänglich sein sollte. Unsere Kunden sollten dort ihre schmutzige Wäsche in einem elektronischen Spind abgeben und abholen. Nach gut einem Jahr Entwicklung mussten wir dann akzeptieren, dass die Investitionen nicht im Verhältnis mit dem zu erwartenden Ertrag standen. Im Nachhinein war es zwar eine schmerzhafte, aber trotzdem die mit Abstand beste Entscheidung, mit einem Lieferservice einen ganz anderen Weg einzuschlagen als ursprünglich vorgesehen.

Welche Tipps würdest Du anderen Gründern mit auf dem Weg geben?

Habe immer einen Plan B im Kopf und kontrolliere permanent Deine eigenen Lösungen und Prozesse. Fokussiere Dich auf die Wünsche Deiner Kunden anstatt auf Wettbewerber. Auch wenn man dabei meistens sehr rational vorgeht: Ab und zu solltet Ihr auch mal auf euer Bauchgefühl hören.

Bild: Jonny Fresh