Steinbrück vierte industrielle Revolution

Die vierte industrielle Revolution

Wird Steinbrück zum Copycat? Nachdem sich bereits Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und zuletzt auch Bundeskanzlerin Merkel recht erfolgreich für Startups und die Digitalwirtschaft begeistert gezeigt haben, macht sich auch der sozialdemokratische Kanzlerkandidat das Modell zu eigen. Und das mit bedeutsamen Worten: Deutschland werde die „vierte industrielle Revolution anführen“, sagte Steinbrück heute auf der Next in Berlin. Und die finde digital statt.

Mit den Zielen einer breiteren Verfügbarkeit von (VC-)Kapital samt Unterstützung vom Staat, einer Förderung von Entrepreneurship im Bildungsbereich und dem Aufbau einer Kultur der zweiten Chance hatte er sich überaus relevante Punkte in seine Rede schreiben lassen. Konkretes zum Wie blieb er aber schuldig. Praktisch: Bei den jüngsten Nachrichten über die angekündigte DSL-Drosselung der Telekom – und vermutlich bald auch von Vodafone – ließ sich die Forderung nach besserer Breitband-Versorgung auch in den Regionen beim Internet-affinen Publikum gut unterbringen. Allein der Seitenhieb in Richtung Union ging schief: Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen, habe Altkanzler Kohl einst formuliert. Tatsächlich stammt das Zitat aber von Parteigenosse Helmut Schmidt. Steinbrück fiel es derweil leicht zu betonen, wie wichtig Gründern eben jene allerdings sei.

Wenig überraschend war derweil, dass sich Steinbrück getreu der sozialdemokratischen Kultur auf das Thema Industrie versteifte. Mit 3D-Printing, Karbonfasern und Nanotechnologie konnte er auch hier griffige Buzzwords einbringen. Weil man sich anders als Großbritannien und die USA nie von den Industrie-Wurzeln getrennt habe, sei man nun hier im Vorteil. Insbesondere der hiesige Mittelstand – immerhin der mit Abstand größte Arbeitgeber hierzulande – sei gut aufgestellt, um auf individuelle Kundenwünsche einzugehen. Ein weiterer Wahlkampf-Punkt für Steinbrück.

Wie tief greift das neue Digitalverständnis?

Recht bewusst hielt sich der Kanzlerkandidat derweil von allem fern, was rein digitale Geschäftsmodelle betraf. Und das aus gutem Grund: Denn wenn man an Fehlschlägen wächst, hat Steinbrück mit seinem „Peerblog“ sicherlich zuletzt einiges dazu lernen müssen. Unter anderem, wie wichtig das Internet ist. Um seinem schlechten digitalen Ruf entgegen zu wirken, hatte er sich von einer SPD-nahen Agentur gerade erst zum erfolgreichsten Facebook-Politiker küren lassen. Beim allem Hype um einige digitalen Geschäftsmodelle tut es vielleicht auch gut, einmal einen intensiveren Blick auf die klassische Industrie zu werfen – insbesondere mit Blick auf Möglichkeiten der Zusammenarbeit.

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Der Vorstoß des langjährigen Social-Media-Verweigerers ist also erst einmal positiv zu bewerten. Offenbar ist die wachsende Bedeutung der digitalen Wirtschaft auch bei seiner Partei angekommen. Zwar wird es noch eine Weile dauern, bis man dort fließend Zalando, Etsy oder Sofatutor spricht. Mit einer Einkommensteuer für Reiche, mit der die vierte industrielle Revolution bezahlt werden soll, macht Steinbrück zumindest aus Wahlkampfsicht allerdings erst einmal nicht viel falsch. Vor der Wahl, freilich, lässt sich vieles versprechen. Damit Steinbrück auch aus Startup-Sicht wirklich glaubhaft wirkt, wird er allerdings noch deutlich nachlegen müssen.

Bild: Alex Hofmann

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