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Feuerwerks-Startup Sternengalerie: „Es geht um die Emotionen“

Die Feuerwerksbranche gilt als intransparent und angestaubt. Das Startup Sternengalerie will die Branche ins digitale Zeitalter bringen und verkauft Feuerwerk für Anlässe wie Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenfeiern deutschlandweit per Mausklick.

Was 2011 von den drei Freunden Robert Wittke, Simon Hahnkamm und Clemens Kemper als Hobby startete, mündete im Oktober 2013 in der Gründung einer GmbH. 2014 soll ein Brutto-Umsatz von etwa 167.000 Euro erwirtschaftet worden sein. Für das laufende Jahr rechnet das Reinbeker Unternehmen mit 475.000 bis 715.000 Euro bei einem durchschnittlichem Auftragswert von etwa 1.580 Euro. Gründer und Geschäftsführer Robert Wittke im Gespräch über Freundschaft, Marktpotenzial und Unternehmenswerte.

Robert, wie kamt ihr auf die Idee, Feuerwerk zu verkaufen?

Wir sind beste Freunde seit der Schulzeit. Nach dem Abitur hat es uns in unterschiedliche Ecken von Deutschland getrieben. Wir haben aber festgestellt, dass uns die tiefen Gespräche fehlen, zudem wollten wir uns selbstständig machen. Also kamen wir auf die Idee, an Silvester Feuerwerk zu verkaufen, um zu schauen, ob wir nicht nur als Freunde funktionieren, sondern auch als Unternehmer. Im September hatten wir die Ladenlokale bereits fertig und überlegten, was wir danach tun sollten.

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Die Sternengalerie-Gründer Clemens Kemper, Simon Hahnkamm und Robert Wittke (v.l.n.r.)

Wir sind dann auf eine Hochzeitsmesse gestoßen und kamen auf die Idee, Feuerwerk für jedermann anzubieten. Wir haben dort unseren ersten Stand realisieren können, Visitenkarten und Banner der Sternengalerie im Akkordtempo anfertigen lassen und unsere Ziel-Mission vorgestellt: „Wir sind Sternengalerie, ihr Feuerwerksspezialist.“

Aber wieso Feuerwerk?

Mein Vater hat vor vielen Jahren Feuerwerk in Ladenlokalen verkauft. Und wir empfanden das als ein sehr cooles Projekt, weil es zeitlich klar abgeschlossen ist. Wir wollten herausfinden, ob wir das zusammen schaffen können.

Hat euer gemeinsames Unternehmen zwischendurch an der Freundschaft genagt?

Unsere Freundschaft besteht schon sehr lange und ist sehr intensiv. Der Aspekt, dass wir auch vorher schon eine extrem offene Kommunikation auf Missstände hatten, half uns dabei, auch als Gründer zusammen zu arbeiten. Dadurch gab es bei uns noch nie Krisen.

Euer Geschäft erscheint sehr Mitarbeiter-intensiv. Wie gut kann man es skalieren?

Auch bei Amazon ist nur das Frontend digital, aber es steckt eine riesige Logistik dahinter. Unsere Neukundengewinnung ist über das Netz sehr einfach. Und auch die Ausführung des Feuerwerks ist skalierbar. Man hat seine Lieferanten, man automatisiert die Logistik und das einzige, das man physisch skalieren muss, sind die Standorte der Lager und die Leute vor Ort, die die Aufträge ausführen. Hier haben wir den Vorteil, dass es in Deutschland sehr viele Pyrotechniker gibt. Zudem sind die Auftragswerte recht hoch und wir haben damit Luft nach oben, Fahrten abzurechnen und die Logistik zu organisieren.

Wie hoch ist denn die Marge?

Je nach Auftrag bewegen wir uns im mittleren Bereich. Wenn wir unsere Ziele erreichen, was Brutto bei etwa 600.000 Euro liegt, dann sprechen wir von Break Even. Aber die Jahre danach werden interessanter. Dort wollen wir jährlich um den Faktor zwei wachsen.

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Wie gewinnt ihr neue Kunden?

Mund-zu-Mund-Propaganda ist das eine, das andere ist, dass uns Locations oder Hochzeitsplaner immer mehr zu schätzen wissen. Das sind unsere Multiplikatoren. Es hilft auch, über Google und Social Media mehr Präsenz zu gewinnen.

Wie groß ist der Markt?

Beim Endkonsumenten-Markt um Silvester herum, macht allein das größte Unternehmen in diesem Bereich einen Jahresumsatz von über 90 Millionen Euro. Dann gibt es einen weiteren Markt, den wir mit etwa 50 bis 75 Millionen Euro beziffern. Hier sind unter anderem Stadtfeste oder Konzerte vertreten. Und dann gibt es noch unseren Markt, der noch unentschlossen ist und den wir aufbauen wollen. Es gibt jährlich etwa 385.000 Hochzeiten in Deutschland. Wenn man dann unsere bisherigen Kunden anschaut und unser Durchschnitts-Auftragswerk dazurechnet, dann kommt man auf ein Brutto-Marktpotenzial von 50 bis 80 Millionen Euro.

Warum hat das vorher noch niemand digital angeboten?

Das liegt an der Branche an sich. Pyrotechniker sind typische Techniker mit Handwerkskunst. Sie lieben es, das Feuerwerk zu arrangieren und zusammenzubauen. Bei unseren Verkaufsgesprächen mit den Kunden geht es aber nicht darum, aus welchem Rohr das ganze abgeschossen wird, sondern um die Emotionen, die man mit einem Feuerwerk erweckt. Wir wollen Feuerwerk verständlich und simpel zugänglich machen.

Wie reagiert der bestehende Markt dann auf euch?

Der Markt reagiert unterschiedlich. Einige begrüßen den frischen Wind in der Branche, andere weniger. Wir lassen uns hier weder in die eine noch andere Richtung beeinflussen.

Wie läuft die Qualitätskontrolle für einen Auftrag ab?

Die Qualitätskontrolle erfolgt zentral über uns. Wir haben einen festen Pyrotechniker im Team, der ein gutes Auge dafür hat, ob Leute gut sind oder nicht. Zudem haben wir ein Handbuch, in dem steht, wie das Feuerwerk für den Kunden sein sollte. Und nach dem Auftrag gibt es immer ein Gespräch mit dem Verantwortlichen der Location als auch mit dem Kunden selbst.

Ihr arbeitet gerade auch in San Francisco. Was macht ihr dort?

Wir haben neben der Arbeit an der Sternengalerie regelmäßig an kleinen Nebenprojekten gearbeitet. Und aus einem dieser Nebenprojekte entsteht gerade ein Internet-Startup im Bereich der psychologischen Beratung. Man muss bei solch einer Doppelbelastung darauf achten, sein Leben in Balance zu halten und Prioritäten zu setzen. Wenn das gelingt, dann ist es sehr beflügelnd.

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Ist Sternengalerie derzeit bereits ein Online-Startup?

Durch unseren Online-Shop, der sich täglich weiterentwickelt, liegen wir gerade im Übergang von Offline zu Online. Das wird sich in Zukunft immer weiter verschieben, auch wenn es immer ein Hybrid bleiben wird. Die Marke wird online und nicht offline entstehen.

Eure Werte scheinen euch sehr am Herzen zu liegen.

Uns ist es das Wichtigste, dass sich jeder bei uns extrem wohl fühlt und jeder Partner und Kunde immer sehr ehrlich und fair behandelt wird. Und das kostet uns Geld, aber das ist eine Sache, mit der wir langfristig Erfolg haben werden. In den ersten beiden Slides, die wir vor neuen Partnern zeigen, geht es nur darum, welche Werte wir haben und mit welchen Menschen wir zusammen arbeiten wollen. Und weil man das schlecht in Zahlen packen kann, ist es glaube ich auch so schwierig für andere Startups, ein moralisch reines Vorgehen zu haben.

Robert, danke für das Gespräch.

Bilder: Sternengalerie