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Die Suche nach der richtigen Rechtsform

Ein Beitrag von Mirko Bucksteeg, Steuerberater, Diplom-Finanzwirt (FH) und Mentor bei InnoHub, einem Gründer-Business-Center von Gründern in Hamburg.

Steuerliche Aspekte sind für junge Unternehmer mit einer erfolgsversprechenden Idee meist Nebensache. Ein Fehler, denn Steuern können mögliche Gewinne während jeder Startup-Phase deutlich schmälern. Eine rechtzeitig implementierte, geschickte Steuerplanung kann hingegen die Steuerbelastung deutlich senken und auch einen Exit attraktiver machen.

Die Wahl der Rechtsform

Bereits in der ersten Entwicklungsphase eines Startups sind zahlreiche Entscheidungen zu treffen, insbesondere die Wahl der Rechtsform. Zumeist wird eine haftungsbeschränkende Variante gewählt. Die Wahl fällt dabei in der Regel auf die GmbH als Körperschaft oder die GmbH & Co. KG als Personengesellschaft, manchmal auch auf die kostengünstigen Varianten UG (Unternehmergesellschaft) beziehungsweise UG & Co. KG. Diese wirken allerdings wegen ihres geringen Haftkapitals (ab ein Euro) für Geschäftspartner und mögliche Kreditgeber weniger vertrauenswürdig.

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Ob teure oder günstige Gründungsvariante, die Besteuerung bleibt gleich. Während bei der Körperschaft für ertragsteuerliche Zwecke eine Trennung zwischen Gesellschaft und Gesellschafter vorgenommen wird, erfolgt bei der Personengesellschaft die Besteuerung auf Ebene des Gesellschafters. Der Gewinn der Körperschaft unterliegt der Körperschaftsteuer (15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag) und der Gewerbesteuer (je nach Gemeinde zwischen sieben und 20 Prozent). Die Gewinnausschüttung der Kapitalgesellschaft unterliegt beim Gesellschafter wahlweise der Kapitalertragsteuer in Höhe von 25 Prozent oder auf Antrag der tariflichen Einkommensteuer (bekanntlich zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Hierbei ist die Gewinnausschüttung nur in Höhe von 60 Prozent für die Steuerbemessungsgrundlage zu erfassen.

Bei der Personengesellschaft unterliegt der Gewinn der Gewerbesteuer, jedoch unter Berücksichtigung eines Freibetrages in Höhe von 24.500 Euro, und auf Ebene des Gesellschafters, seiner tariflichen Einkommensteuer. Auf diese wird die gezahlte Gewerbesteuer wieder angerechnet, jedoch maximal bis zu einer Gewerbesteuer in Höhe von 13,3 Prozent. Entnahmen aus der Personengesellschaft lösen keine erneute Besteuerung aus.

Der häufig angestellte Steuerbelastungsvergleich zeigt, dass bei Vollausschüttung und hohen Gewinnen beide Varianten ähnlich hoch besteuert werden. Allerdings erwirtschaftet ein Startup in der Regel keine Gewinne und der Gründer/Gesellschafter ist meistens selbst für die Gesellschaft tätig. Die Zahlung eines Gehalts aus der Körperschaft heraus an einen Gesellschafter unterliegt beim Gesellschafter der Lohn- beziehungsweise Einkommensteuer. Zwar kann die Gesellschaft diese Zahlungen als Betriebsausgaben berücksichtigen, jedoch können die Verluste aus der Gesellschaft auf Ebene des Gesellschafters nicht mit anderen Einkünfte verrechnet werden. Trotz eines möglichen Totalverlustes verbleibt somit eine Steuerlast. Bei der Personengesellschaft werden hingegen Tätigkeitsvergütungen an den Gesellschafter neutralisiert. Verbleibt anschließend ein Gesamtverlust, entsteht so weder für die Gesellschaft noch für den Gesellschafter eine Steuerbelastung. Der Gesellschafter kann gegebenenfalls sogar die Verluste mit Gewinnen aus anderen Einkünften verrechnen.

Steuerliche Berücksichtigung von Gründungskosten und Anlaufverlusten

In der Gründungsphase spielen insbesondere die Gründungskosten eine bedeutende Rolle. Durch Beratungsgebühren, Verwaltungs- und Notarkosten können bereits vor dem eigentlichen Tätigwerden hohe Aufwendungen entstehen. Deren steuerliche Berücksichtigung ist nicht selbstverständlich.

Bei Körperschaften sind die Gründungskosten prinzipiell vom Gesellschafter zu tragen. Hiervon kann allerdings eine abweichende Regelung im Gesellschaftsvertrag getroffen werden. Die Kosten auf Ebene des Gesellschafters im Zusammenhang mit der Begründung der Beteiligung an einer Körperschaft sind zunächst nicht als Betriebsausgabe abzugsfähig. Sie wirken sich erst mit der Veräußerung der Beteiligung aus.

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Bei Personengesellschaften sind Gründungskosten hingegen sofort als abzugsfähige Betriebsausgaben zu berücksichtigen. Es ist jedoch zu beachten, dass für gewerbesteuerliche Zwecke Aufwendungen erst dann zu berücksichtigen sind, nachdem der Betrieb „in Gang gesetzt wurde“. Erforderlich ist ein äußerlich erkennbares Anbieten einer entgeltlichen Tätigkeit. Die Gründungsphase vollzieht sich in der Regel davor. So kann es zu Nachteilen kommen, wenn einkommensteuerlich noch ein Verlust aufgrund der hohen Gründungskosten und Anlaufverluste entsteht, gewerbesteuerlich aber, aufgrund der Nichtberücksichtigung dieser Aufwendungen, ein Gewinn entsteht. Eine Anrechnung auf die Einkommensteuer ist in diesem Fall nicht möglich.

Umsatzsteuerliche Behandlung des Startups

Bei der Gründung muss auch entschieden werden, wie das Unternehmen für umsatzsteuerliche Zwecke geführt werden soll. Wird voraussichtlich die Umsatzgrenze von 17.500 Euro im Gründungsjahr nicht überschritten, so gilt das Unternehmen (unabhängig von der Rechtsform) als umsatzsteuerlicher Kleinunternehmer. Die Folge ist, dass aus Eingangsleistungen nicht die offen ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet werden kann. Dies kann bei den hohen Anlaufkosten zu einem nicht unbeachtlichen zusätzlichen Aufwand führen. Auf der anderen Seite ist keine Umsatzsteuer auf Ausgangsleistungen zu entrichten, jedoch entsteht zu Beginn des Unternehmens meist ein Vorsteuerüberhang.

Wenn die Umsätze dann in den Folgejahren deutlich steigen – mit der folgenden Pflicht zur umsatzsteuerlichen Regelbesteuerung – wären die hohen Vorsteuerbeträge auf Anlaufverluste und Gründungskosten verloren. Eine realistische Umsatz- und Gewinnprognose zu Beginn jeder Startup-Tätigkeit ist somit für steuerliche Zwecke unerlässlich, denn auf Antrag kann auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet werden. Der Verzicht gilt dann allerdings für mindestens fünf Kalenderjahre. Auch ist die Kleinunternehmerregelung dann von Nachteil, wenn der angesprochene Kundenkreis selbst aus regelbesteuernden Unternehmen besteht (B2B) und diese ohnehin die ausgewiesene Umsatzsteuer vom Finanzamt als Vorsteuer erstattet bekommen.

Hier geht es zu Teil 2 der Steuerspar-Tipps: Steuern bei Finanzierungsrunden und Exits.

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