Rocket-Chef Oliver Samwer in glücklicheren Zeiten

Zwischen Rocket Internet und seinem schwedischen Investor Investment AB Kinnevik soll es starke Spannungen geben. Der Grund: der einst geplante Börsengang des Rocket-Ventures HelloFresh. Kinnevik soll den von Oliver Samwer forcierten IPO über Anwälte im Rocket-Aufsichtsrat aufgehalten haben, berichtet das Manager Magazin.

Die entscheidende Rolle habe dabei die Milliardärin und Kinnevik-Verwaltungsratschefin Cristina Stenbeck gespielt. Sie hält 13,2 Prozent der Holding-Anteile und soll die Pläne blockiert haben. Rocket Internet widerspricht laut Manager Magazin dieser Darstellung, Kinnevik äußerte sich nicht.

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Die Streitereien haben aber Konsequenzen: Der Aufsichtsratschef von Rocket Internet – Lorenzo Grabau, der ebenfalls Chef von Kinnevik ist – hat den Vorsitz des Kontrollgremiums abgegeben. Laut Rocket Internet bleibe er weiter Mitglied des Aufsichtsrats. Neuer Vorsitzender wird Marcus Englert, der zuvor Stellvertreter war.

Der Börsengang von HelloFresh sollte Geld in Rockets Kassen spülen, denn das Jahr war teuer. Der Inkubator gab diesen Sommer eine Wandelanleihe in Höhe von 550 Millionen Euro aus und beteiligte sich für viel Geld an Delivery Hero. Ein erfolgreicher HelloFresh-IPO hätte auch der angeschlagenen Rocket-Aktie Aufschwung verleihen können.

Die Zahlen aber, die das mit 2,6 Milliarden bewertete Startup vorlegte, konnten Investoren nicht überzeugen. Zwar wächst HelloFresh massiv: Das Unternehmen gibt an, den Umsatz in den ersten neun Monaten 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 384 Prozent gesteigert zu haben. Auch soll es heute 530.000 aktive Abonnementen geben – wobei das Unternehmen darunter alle Kunden fasst, die in den vergangenen 13 Wochen eine Essensbox erhalten haben, unabhängig davon, ob sie bereits wieder gekündigt haben. Oder ob sie einen der Gutscheine benutzt haben, die das Unternehmen seit Monaten massenweise verteilt.

Oliver Samwer soll allerdings eine Bewertung von mindestens 3,3 Milliarden Euro beim IPO angestrebt haben. Diverse Analysten und Investoren sagten gegenüber der Financial Times, dass das Startup für einen Börsengang zu dem von Rocket gewollten Preis längst nicht bereit sei. Viele äußerten sich skeptisch über die Milliarden-Bewertung.

Bild: Gründerszene