Studentische_Gründer

Ein Beitrag von Tobias Körner, der sich beim GründerGarten e.V. in Dresden engagiert.

Kein Mangel an Möglichkeiten

Wer an einer Universität oder Hochschule studiert, lernt im Laufe seiner Ausbildung viele Unternehmen und Organisationen und ebenso viele mögliche Wege in die Arbeitswelt kennen. Überall werben Talent Scouts um junge Nachwuchskräfte für etablierte Akteure der globalen Wirtschaft; kaum eine Branche ist da ausgenommen. Die Generation Y steht hier wie so oft vor ihrem größten Dilemma: Wie entscheide ich mich, welches Angebot nehme ich an? Wie will ich mein Geld verdienen, wo möchte ich arbeiten und mit wem möchte ich arbeiten?

Dabei laufen Startups im Wettstreit um die sogenannten High Potentials den Big Playern mehr und mehr den Rang ab – was früher Börse, Bank oder Beratung waren, sind heute Startups: Jung, dynamisch und in besonderem Maße innovativ kommen die neuen Arbeitgeber daher. Startups bieten damit eine attraktive Alternative.

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Doch auch da ist noch eine Steigerung möglich: Warum nicht einfach auf seine eigenen Fähigkeiten setzen und selbst gründen? Mit Gleichgesinnten an einem innovativen Geschäftsmodell arbeiten, das das Leben vieler revolutionieren kann – das schwebt vielen Studenten vor, nur fehlt oftmals die letzte Konsequenz, solch ein Vorhaben anzugehen.

Warum Gründer häufig nur „die Anderen“ sind

Die Themen Gründung und Entrepreneurship werden an den meisten Hochschulen zwar behandelt, doch zumeist sehr konservativ und sind an den Leitbildern der „Big Player“ orientiert – kein Wunder, dass Berater, Bänker oder Broker da auf offene Ohren stoßen.

Wer keinen Abschluss in einem der Wirtschaftsstudiengänge anstrebt, hört so gut wie nie etwas über die Möglichkeiten des Gründens in den jeweiligen Berufsfeldern – außer, man traut sich über den Tellerrand zu schauen und sich in Zusatzkursen oder außeruniversitär weiter zu bilden.

Studentische Gründungsinitiativen schaffen Abhilfe 

Eine spannende Möglichkeit, die Kultur der Startup-Szene und deren Mentalität bereits als Student kennenzulernen, ist das Engagement bei oder die Inanspruchnahme der Services einer studentischen Gründungsinitiative. Diese sind entweder direkt an die Hochschule angegliedert oder tragen sich durch ehrenamtliche Arbeit von Studenten, die ihren Kommilitonen in Sachen Gründung und Startup-Welt auf die Sprünge helfen wollen.

Synergie-Effekte, die sich aus dem regen Austausch von Startups und Studenten ergeben, lassen beide Gruppen voneinander profitieren. Die Benefits auf Seite der Studenten liegen vor allem im Bereich des eigenen sozialen Netzwerks und der Weiterbildung ohne die Jagd nach Creditpoints. Wer sich traut, seine Idee oder Vision anderen mitzuteilen, findet innerhalb der Gruppe vielleicht zukünftige Mitstreiter, die zum Beispiel mit ihrem Know-how aus einem völlig anderen Fachbereich eine Bereicherung für das zu gründende Unternehmen darstellen: So findet der ITler zum BWLer, der Maschinenbauer zum Kommunikationsexperten.

Hilfreich sind dabei auch Besuche in den Büros von Startups, die mit ihren Konzepten bereits erfolgreich sind und damit als lebende „best practices“ den Interessierten Rede und Antwort stehen. Auch hier entwickelt sich das Netzwerk weiter; den Anschub für die eigene Karriere findet der eine oder andere dabei oft auch durch ein Praktikum, das ihm der direkte Kontakt einbringt.

Herausforderungen? Annehmen!

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Ein weiterer Gewinn, der sich aus dem Mitwirken einer Initiative ergibt, ist die Chance, sich in der Organisation oder dem Projektmanagement zu profilieren. Sollte gar die Herausforderung bestehen, dass an der eigenen Universität noch keine studentische Gründungsinitiative etabliert wurde, kann anhand des Aufbaus eines solchen Vereins der „Ernstfall“ geprobt werden – denn eine Vereinsgründung bringt mitunter ähnliche Hürden mit sich, wie eine Unternehmensgründung: Ressortzuteilung, Marketing, rechtliche Notwendigkeiten und Prozessoptimierung sind ebenso zu koordinieren wie die Finanzierung des Vorhabens. Diese Erfahrungen kann einem dann keiner mehr nehmen.

Um die Aufmerksamkeit auf die Initiative zu lenken, bietet sich besonders Guerilla-Marketing an. Aktionen in den Hörsälen dienen dabei als Allzweckwaffe – und gleichzeitig lässt sich das Pitchen vor großem Publikum üben. Wichtig ist auch die Vernetzung mit bestehenden Gruppen, die an den entsprechenden Fakultäten und Lehrstühlen bereits einen guten Stand haben und mit dem Thema Gründung direkt oder indirekt arbeiten. Gemeinsam sind Veranstaltungen denkbar, die immer mehr Studenten dazu bringen, in der Startup-Welt ihre zukünftige Arbeits- und Lebenswelt zu sehen.

Studenten profitieren von Startups – und vice versa

Beratungen und Großkonzerne haben Campus Scouts und Headhunter – warum also nicht auch Startups?! Natürlich fehlen ihnen meist die Kapazitäten und Mittel dazu. Den Auftrag können studentische Initiativen übernehmen, die einerseits zum Gründen motivieren, andererseits aber auch die Arbeit für ein Startup bewerben können. Durch die Kooperation mit den Initiativen merken die Startups live und vor Ort, welches Potenzial in den jungen Absolventen steckt und wie sich dieses nutzen lässt. Außerdem besteht durch die Netzwerk-Veranstaltungen sogar die Chance, dass Gründer über den universitären Rahmen mit anderen Gründern in Kontakt treten und Erfahrungen auszutauschen können. Am Ende ergibt sich ein perfekter „trade off“ für alle Beteiligten.

Der stiefmütterliche Umgang mit dem Thema Gründung an Universitäten muss keine Realität sein; Ausnahmen bilden zum Beispiel spezielle Seminare zum Verfassen von Businessplänen oder Aktionen im Rahmen der deutschlandweiten Gründerwoche. Nur wenigen Studenten wird dabei aber der nötige letzte Motivationsschub gegeben, die während einer Seminar-, Bachelor- oder Doktorarbeit entstandenen Geschäftsideen auch tatsächlich auszugründen. Somit landen jedes Jahr zigtausende Ideen in den Archiven der Universitäten – das muss nicht sein.

Der Status Quo: Deutschlandweit sind Initiativen aktiv

Mittlerweile haben sich an zahlreichen deutschen Hochschulstandorten studentische Gründungsinitiativen gebildet, momentan sind es über 30. Sogar einen Dachverband gibt es: der 2012 gegründete Gründermagnet bezeichnet sich selbst als „Rückgrat und Sprachrohr“ der einzelnen Initiativen. Allen gemein ist die Überzeugung, dass studentisches Unternehmertum an den jeweiligen Standorten einen weit wichtigeren Beitrag für die regionale und überregionale Wirtschaft leisten kann, als den meisten bewusst ist. Zeit, das zu zeigen.


Bildquelle: © panthermedia.net / lumenesca

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