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Wie wichtig ist deutschen Großunternehmen die Digitalisierung? Kaum, so lautet die erschreckende, dann aber auch nicht so recht überraschende Antwort einer aktuellen Studie. Die GfK hat dazu, im Auftrag der Digitalberatung Etventure, Führungskräfte und Vorstände deutscher Unternehmen ab einem Jahresumsatz von 250 Millionen Euro befragt.

Das Ergebnis der repräsentativen Studie: Für gerade einmal sechs Prozent der Befragten sei die digitale Transformation derzeit das Top-Thema auf der Prioritätenliste im Unternehmen. Bei 35 Prozent gehört es immerhin zu den Top drei, weitere 43 Prozent sehen es als eines der zehn wichtigsten Themen an. Bei 16 Prozent der Großunternehmer spiele die digitale Transformation dagegen derzeit gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle.

Der Blick in die Szene bestätigt diese Ergebnisse. Zwar ist es unmöglich, Fülle an Inkubatoren, Acceleratoren und Beteiligungsprogrammen zu überblicken, die Eon, die Deutsche Bank, Rewe und viele andere gestartet haben. Oft wirken diese aber wie Fremdkörper, ein echtes Commitment der Konzernführung fehlt – und lässt die erhofften Wandel-Effekte schnell verpuffen. Musterbeispiele wie Daimler sind selten. Und so mancher „Innovations Hub“ musste die zunächst ambitionierten Hoffnungen, wirklich in den Konzern vorzudringen, korrigieren und andere Richtungen einschlagen. Dann gibt es zwar Digitalisierung. Aber sie geht am Konzern vorbei.

„Wer jetzt nicht digitalisiert, überlässt die Wertschöpfung den großen Technologiekonzernen wie Google, Amazon oder Apple oder auch ganz neuen digitalen Angreifern, die in den Markt drängen“, mahnt Etventure-Chef Depiereux die Zurückhaltung deutscher Konzerne an.

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Als Gründe für die lahmende Transformationsbereitschaft gaben über die Hälfte der Studienteilnehmer die Verteidigung bestehender Strukturen im Unternehmen, die fehlende Zeit und die fehlende Erfahrung an. 42 Prozent seien in ihrem Bereich zu festgefahren und bei 40 Prozent der Unternehmen scheuten die Führungskräfte radikale Entscheidungen. Zudem steuern nur in knapp jedem zweiten Unternehmen die Vorstände und Geschäftsführer den digitalen Veränderungsprozess. „Ist der Vorstand nicht Treiber des Digitalprozesses, wird die digitale Transformation nicht gelingen“, so Depiereux.

Fast jedes dritte Unternehmen setzt bei der Digitalisierung übrigens auf Startups. Allerdings nicht vorrangig wegen Startup-Methoden (81 Prozent) oder der schnellen Umsetzung von Prototypen (71 Prozent), sondern wegen des Zugangs zu neuen Technologien (87 Prozent).

Wie und ob sich die digitale Transformation auf die Anzahl der Arbeitsplätze auswirkt, darüber herrscht unter den befragten Führungskräften und Vorständen keine einheitliche Meinung: 18 Prozent sind der Meinung, dass insgesamt Arbeitsplätze entfallen, 23 Prozent erhoffen sich zusätzliche Arbeitsplätze. Die Mehrzahl allerdings erwartet keinerlei Veränderungen.

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