Immer mehr Venture-Capital-Geber werden sich in der Hauptstadt ansiedeln. Das sagen die Forscher voraus.

Woher kommen und wohin gehen VC-Investments?

Zwei Forscher aus Münster haben die Aktivitäten von Venture-Capital-Gebern in Deutschland analysiert. Sie haben dafür Zahlen im Zeitraum von 2012 bis zum Ende des ersten Halbjahres 2013 ausgewertet, die Daten stammen von der Unternehmensberatung Majunke Capital. Berücksichtigt wurden nur Investitionen, die vor der Gründung (Seed-Investments) oder nach der Gründung bis zum Erreichen der Gewinnschwelle getätigt wurden.

Das sind die Ergebnisse:

  • Wie viel wurde insgesamt investiert? 2012 und im ersten Halbjahr 2013 wurden insgesamt 402 Investments getätigt. Insgesamt kamen über eine Milliarde Euro zusammen.
  • Wo wurde investiert? Knapp die Hälfte des Geldes steckten die Venture-Capital-Geber in Startups mit Sitz in Berlin (505 Millionen). Weit abgeschlagen folgt München: Dort ansässige Startups konnten insgesamt 125 Millionen Euro einsammeln. Jeweils 40 Millionen Euro flossen in junge Unternehmen in Köln und Hamburg.
  • Wo sitzen die Investoren? Mit 170 Millionen Euro kommt das meiste Geld von Venture-Capital-Gebern aus München – was den Ruf der Stadt bestätigt, vergleichsweise viele VCs zu beherbergen. Danach folgt Berlin, wo 135 Millionen Euro locker gemacht wurden. Mit 83 Millionen findet sich Bonn weit abgeschlagen auf dem dritten Platz – wobei das meiste Geld vom dort ansässigen teilstaatlichen High-Tech Gründerfonds stammt.
  • Interessant: Berliner Venture-Capital-Geber investierten 85 Prozent ihre Geldes auch in Berliner Startups. Ganz anders verfahren die Münchner Investoren: Sie investierten nur 20 Prozent in ihrer eigenen Stadt. Das Geld von Bonner Investoren bleibt nur zu einem Prozent in Bonn.

Was heißt das? Christoph Scheuplein im Interview

Der Münsteraner Stadt- und Regionalforscher Christoph Scheuplein hat gemeinsam mit Patrick Henke die Untersuchung „Berlin als neue Venture-Capital-Hauptstadt“ durchgeführt. Was sind die wichtigsten Schlussfolgerungen, die Scheuplein aus den ermittelten Daten ziehen kann? Drei Fragen an den Wissenschaftler.

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Was sind für Sie die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie?

München war schon immer als Venture-Capital-Standort innerhalb Deutschlands bekannt, aber Berlin hat sich als zweitwichtigster Standort nun definitiv etabliert. Allerdings haben sich die Städte weiter nach Sektoren aufgeteilt: In Berlin fließen die meisten Investments in den Internet- und E-Commerce-Bereich und in München in die Bereiche Cleantech, High-Tech und Bio-Technologie.

Welche Prognosen können Sie anhand der Zahlen machen?

Derzeit gibt es noch eine sehr dezentrale Struktur der Venture-Capital-Standorte in Deutschland. Es zeichnet sich jedoch eine immer stärkere Zentralisierung ab: Immer mehr Venture-Capital-Geber werden sich in Berlin ansiedeln. Die Vormachtstellung zwischen Berlin und München wird sich insbesondere auf den Feldern Life Science und Cleantech entscheiden.

Welche Empfehlungen können Sie auf Basis Ihrer Ergebnisse jungen Gründern geben?

Durch die Zentralisierung der Venture-Capital-Geber werden gerade die Netzwerke in Berlin dichter, das macht es für junge Gründer einfacher, dort Investoren oder Geschäftspartner zu finden. Auch wenn ein junges Unternehmen nun nicht in Berlin seinen Hauptsitz hat, ist es sinnvoll, dort eine Nebenvertretung aufzubauen oder gezielt Events zu besuchen.

Bild: Panther Media, Dominik Diesing