Screenshot der StudiVZ-Seite

Zu den Bestzeiten zählten die VZ-Netzwerke wie StudiVZ rund 16 Millionen Nutzer. Dazu gehörten auch Ableger wie SchülerVZ oder MeinVZ. Doch dann kam Facebook nach Deutschland – und die Beliebtheit der VZ-Netzwerke schrumpfte drastisch.

Seitdem wird regelmäßig der Tod der VZ-Netzwerke vorhergesagt. SchülerVZ wurde bereits eingestellt. Doch allen Nörglern zum Trotz: StudiVZ und MeinVZ existieren noch immer. Nach eigenen Angaben verzeichnen beide Netzwerke eine Million aktive Nutzer. MeinVZ sorgt für zwei Drittel des Gesamttraffics.

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Laut StudiVZ-Chefin Agneta Binninger steht es gar nicht so schlecht um die VZ-Netzwerke. Binninger ist seit 2014 bei Poolworks, der Betreiberfirma hinter den Netzwerken. Mittlerweile leitet sie die Geschäfte in Berlin. Im Jahr 2012 übernahm der in den USA sitzende Investor Vert Capital die VZ-Netzwerke. Unter Binningers Leitung erzielten die VZ-Netzwerke nach ihren Angaben das erste Mal schwarze Zahlen. Die Umsätze werden durch Werbung generiert, so Binninger. Gerade plant die Chefin eine neue Plattform. Mit einem gruppenbasierten Konzept soll das Netzwerk in einer Nische neben Facebook existieren können.

Mehr über die Pläne für ein neues Netzwerk und was hinter den Kulissen des verstaubten Netzwerks passiert, verrät die VZ-Chefin im Interview mit Gründerszene.

VZ-Chefin Agneta Binninger

Agneta, viele vergleichen das Netzwerk mit einer Geisterstadt. Warum bist Du 2014 als Chefin eingestiegen?

Ich bin 2014 angefragt worden, die Firmenstruktur effizienter aufzusetzen. Zu Beginn habe ich mir alle Abteilungen genau angeschaut. Als Ergebnis habe ich für mich beschlossen, dass es eine Aufgabe ist, die mich reizt! Ich war ja selbst überrascht, wie viele Ressourcen noch vorhanden, aber ungenutzt waren.

Vor was für Herausforderungen standest Du?

Es gab viele Altlasten, an die sich bislang niemand herangetraut hatte, viele Arbeitsschritte waren unnötig. Die Plattform war viel zu kostenintensiv. Dazu gehörten beispielsweise Verträge, die zu Hoch-Zeiten abgeschlossen und niemals angepasst wurden. Das habe ich als erstes angefasst, dann die Aufgaben unter den Mitarbeitern entsprechend neu verteilt. Wir haben einige neue Mitarbeiter eingestellt und jetzt eine gute Mischung aus alteingesessenen und neuen Mitarbeitern, die dann auch frischen Wind reinbringen. Gemeinsam mit dem Team haben wir die Firma nun so aufgestellt, dass wir uns zum ersten Mal in den schwarzen Zahlen befinden.

StudiVZ ist noch immer eine kleine Schatztruhe, viele Ressourcen und Konzeptansätze sind lange ungenutzt geblieben. Es macht Spaß, sich hier das „Best-of“ rauszupicken und neue Projekte zu erarbeiten. Für mich persönlich war es eine enorme Lernkurve, alle Abteilungen einmal zu durchlaufen, umzustrukturieren und so den Turnaround zu erreichen.

Derzeit sind noch 15 Mitarbeiter beschäftigt. Wie sieht die Aufgabenverteilung im Team aus?

Die insgesamt 15 Mitarbeiter plus Freelancer kümmern sich in Berlin-Mitte unter anderem persönlich um Nutzeranfragen, die Onlinevermarktung der noch recht umfangreichen verbliebenen Ressourcen und die Ausarbeitung neuer Konzepte für unsere Nutzer.

Im Jahr 2014 versprach ein Eintrag des VZ-Blogs „einen Frühjahrsputz“ für die Plattformen. Was ist daraus geworden?

Natürlich stehen wir mit unseren Nutzern in Kontakt. Sei es auch nur, um zu sagen: „Wir sind noch hier und kümmern uns.“ Und wir haben sie natürlich auf dem Laufenden gehalten, wenn etwas nicht funktioniert hat.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Der phänomenale Aufstieg von StudiVZ

Die Seite ist mit den Nutzern älter geworden. Das bedeutet auch, wenn sich Nutzer auf StudiVZ oder MeinVZ einloggen, sehen sie eine Seite, die sich seit Jahren kaum verändert hat. Das ist einfach nicht attraktiv und wird sich hoffentlich bald ändern!

Hat StudiVZ mit einem Konkurrenten wie Facebook überhaupt noch eine Chance, zu überleben?

Ein Vorteil für die Nutzer, den wir gegenüber Facebook haben, ist, dass wir beim Datenschutz strikt sind. Wenn du dein Profil auf unserer Seite löschst, dann werden deine Daten komplett entfernt. Viele unserer Mitglieder sind langjährige Fans der Seite und wissen dies zu schätzen. Ein Ausverkauf privater Daten findet bei uns nicht statt, was vor allem nach neuesten Skandalen zur Datenüberwachung ein zunehmend interessantes Thema für die Verbraucher ist.

Aber man muss sich die Realität vor Augen halten, mit Facebook zu konkurrieren, kann nicht funktionieren. Vielmehr müssen wir versuchen, unsere Stärken herauszuarbeiten, um das eigene Profil zu schärfen und damit auch Nischen zu besetzen. Das haben wir in den Konzepten für eine neue Seite berücksichtigt.

Wie wird die aussehen?

Sie wird sich auf das konzentrieren, was auf StudiVZ immer am wichtigsten war – die Gruppen. Diese sind immer noch Hauptaktivitätstreiber der Seite und auch viele ehemalige Nutzer erinnern sich gerne daran. Die Profilnutzung soll im Hintergrund stehen. Man kann entscheiden, ob das eigene Profil sichtbar sein soll oder nicht. Tatsächlich ist angedacht, dass Nutzer für eine aktive Beteiligung in den Gruppen auf den jeweiligen Seiten auch einen Revenue-Share erhalten.

Wann ist mit der neuen Seite zu rechnen?

Wann genau die neue Seite gelauncht wird, steht noch nicht fest. Die Entscheidung hierzu wird in den USA getroffen.

Artikelbild: Screenshot; Bild: Agneta Binninger; Update: Informationen zu Vert Capital wurden hinzugefügt