Die Gründer von Sumtu: Andreas Karré (links) und Gregor Amon

Sumtu will keine klassische Dating- App sein

Dating-Apps gibt es zuhauf: Lovoo, Tinder, Flirten.de, Spotted, Happn und Badoo sind nur einige Beispiele. Mit der Sumtu gibt es jetzt ein weiteres Angebot, mit dem sich Menschen näherkommen können.

Das Münchner Startup Sumtu will jedoch keine klassische Dating-App anbieten: Im Gegensatz zu herkömmlichen Flirt-Apps, bei denen Unbekannte miteinander verkuppelt werden sollen, liegt der Fokus bei Sumtu darauf, Hemmschwellen zu überwinden, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, auf die man bereits vorher ein Auge geworfen hat.

Die beiden Gründer Gregor Amon und Andreas Karré arbeiten seit Oktober 2013 an der Entwicklung von Sumtu. Anfang September dieses Jahres erfolgte der offizielle Launch der iOS-App, in Kürze soll auch die App für Android live gehen.

Im Interview erklärt Mitgründer Gregor Amon, wie sich Sumtu von anderen Dating-Apps unterscheidet und weshalb er gerade im asiatischen Raum ein großes Potenzial für die App sieht.

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Gregor, es gibt schon jede Menge Dating-Apps. Warum habt Ihr noch eine entwickelt?

Die Motivation dafür stammt noch aus meiner Schulzeit. Es gab da ein Mädchen, in das ich verliebt war – ich habe mich aber nie getraut, sie anzusprechen. Und Jahre später habe ich erfahren, dass es ihr genauso ging! Dass man den Anderen aus Angst vor Zurückweisung nicht anspricht – das Problem ist ja definitiv keine Erfindung der Neuzeit, aber zumindest kann man das jetzt technologisch lösen. Die klassischen Dating-Apps nehmen sich dieses Problems aber nicht an, da geht es vielmehr darum, einander fremde Menschen zusammenzubringen.

Und wie löst Sumtu das Problem?

Sumtu ist für Menschen gedacht, die sich bereits begegnet sind – bei der Arbeit, im Café, in der Disco. Die App ist so konzipiert, dass erst, wenn beide per Klick Interesse aneinander bekunden, ein Chat zustande kommt. Ist einer der beiden nicht interessiert, erfährt er auch nie von der Anfrage des Anderen. So ein Szenario wäre zum Beispiel im Büro vorstellbar: Man kann vermeiden, dass es zu einer unangenehmen Situation kommt, wenn man von einem Arbeitskollegen einen Korb bekommt.

Das klingt wie bei Tinder: Auch da müssen erst beide Interesse bekunden, damit eine Kontaktaufnahme passieren kann. Wo liegt der Unterschied?

Der Unterschied liegt im Matching. Bei Tinder gibt es einerseits eine kilometerbasierte Umkreissuche, andererseits benötigt man da auch immer einen Facebook-Account. Wir haben dagegen bewusst darauf verzichtet, Facebook zu integrieren, da wir viel Wert auf Datenschutz legen. Bei Tinder und auch anderen Dating-Apps ist der Nutzer davon abhängig, welche Personen ihm die App anzeigt. Er kann also nur passiv auf Vorschläge reagieren.

G Tipp – Lesenswert bei Gründerszene Interview: „Niemand nutzt Tinder, weil er verzweifelt ist“

Und wie funktioniert das Matching bei Euch?

Unser Matching passiert auf zwei Arten: Einmal über persönliche Parameter, das heißt über Daten des Schwarms wie E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Twitter-Name oder auch das Autokennzeichen, die der Nutzer in die App eingibt. Das Matching muss dabei nicht zeitnah erfolgen, sondern kann auch später passieren. Wenn die Person sich die App erst zwei Monate später herunterlädt, funktioniert das auch noch. Wenn die andere Person die Daten ebenfalls eingibt, können sie Kontakt aufnehmen. Die zweite Matching-Form geschieht über eine Umkreissuche, die auf der iBeacon-Technologie basiert. Via Bluetooth werden dabei 20 bis 30 Meter abgedeckt. Das passt dann gut für Situationen wie im Café oder in der Disco: Ich sehe dort eine Person, die ich eigentlich gerne ansprechen würde und kann über Sumtu herausfinden, ob es der anderen Person genau so geht. In beiden Fällen sehe ich aber erst die Person und benutze erst danach die App. Bei anderen Dating-Apps ist das genau umgekehrt.

Ihr habt die App-Entwicklung bisher per Bootstrapping finanziert. Wie wollt Ihr mit Sumtu zukünftig Geld verdienen?

Wir können uns vorstellen, über die App Credits zu verkaufen, mit denen man per Chat „Sticker“ also sozusagen virtuelle Geschenke versenden kann. Wir werden da noch ein wenig herumprobieren.

Wie sehen Eure weiteren Schritte aus?

Wir stehen natürlich noch ganz am Anfang. Nächste Woche geht die Version für Android live. Ansonsten haben wir schon jetzt ganz klar die Internationalisierung im Auge. Die Sumtu-App gibt es jetzt schon unter anderem auf Deutsch, Englisch, Russisch, Japanisch und Koreanisch. Wir denken, dass Sumtu insbesondere in Asien großes Potenzial hat, da man in dortigen Kulturen oft Angst vor Gesichtsverlust hat. Flirten ist dort generell oft nicht so einfach. Und in den arabischen Ländern kann man nicht mal eben jemanden in einem Café ansprechen.

Danke für das Gespräch, Gregor.

Bild: Sumtu