Manuel Seuffert Markus Steinhoff Super RTL

Sie suchen für Super RTL nach interessanten Startups: Manuel Seuffert (links) und Markus Steinhoff

Super RTL bietet Werbezeit, aber auch Cash

Mehr Medialeistungen für deutsche Startups: Mit Super RTL will sich ein weiterer Fernsehsender in der Szene engagieren – natürlich auch, um die eigene Digitalisierung voranzutreiben. Klarer Fokus dabei bleiben Angebote für Kinder – auch wenn der Sender zur Primetime nach 20 Uhr ein Erwachsenenangebot betreibt, sieht der Kölner Fernsehsender die eigene Kompetenz eindeutig beim sehr jungen Publikum. Bei den Investments will Super RTL dabei etwas anders vorgehen als Konkurrent ProSiebenSat.1 mit der Investment-Tochter SevenVentures, die bereits seit Jahren in der Startup-Szene aktiv ist.

Denn einen eigenen Beteiligungsarm soll es bei Super RTL erst einmal nicht geben. „Es geht nicht darum, ein großes Portfolio an Startups aufzubauen, sondern das Angebot des Senders sinnvoll zu ergänzen“, erklärt Markus Steinhoff gegenüber Gründerszene. Als Head of Business Development bei Super RTL verantwortet er das Startup-Geschäft zusammen mit Manuel Seuffert. Ein spezielles Startup-Team werde es bei dem Kindersender auch nicht geben, eigene Fachleute sollen bei Bedarf hinzugezogen werden.

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Die Produktpalette des Fernsehsenders geht dabei längst über das reine Kinder-Fernsehprogramm hinaus. „Mit Toggo.de waren wir einer der ersten Fernsehsender mit Online-Angeboten für Kinder.“ Hinzu kommen Apps, Themen-Websites, Scoyo als Kinder-Lernplattform. „Nun wollen wir stärker nach draußen sehen, was dort passiert. Und wenn sich eine gute Idee findet, müssen wir das nicht unbedingt selber machen“, so Steinhoff. Daher stelle man sich nun als strategischer Investor auf. Gesellschafter Bertelsmann hatte mit der hiesigen Startupszene bislang so seine Probleme: Der Inkubator BeVation wurde genau so dicht gemacht wie das deutsche Büro von Bertelsmann Digital Media Investments.

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Beim Kölner Sender will man sich davon nicht beeindrucken lassen. Das TV-Geschäft werde massiv angegriffen, räumt Steinhoff ein, aber es sei noch sehr „fett“. Trotzdem müsse man überlegen, wie die TV-Landschaft in fünf oder zehn Jahren aussehen werde. Neue Geschäftsfelder sucht Super RTL sowohl im Kernbereich aber auch darüber hinaus. „Es muss nichts mit TV zu tun haben, kann aber. Die grundlegende Voraussetzung ist: Es muss Kinder ansprechen.“ Ideal wäre, wenn Super RTL gleich an mehreren Stellen profitieren könnte. Ein mögliches Beispiel: eine Software-Schmiede, die Apps für Kinder baut, und über die der Sender später auch seine eigenen Apps beziehen kann.

Und womit können die Startups rechnen? „Es gibt keinen Fonds oder auch nur eine festgelegte Größe, die wir investieren wollen“, erklärt Mitinitiator Seuffert. „Der Fokus wird auf Equity-for-Promotion liegen. Wenn es passt, werden wir auch Cash einsetzen.“ Genaueres will er nicht verraten. Nur so viel: Bis zu einer halben Million Euro für einzelne Investments könnten drin sein.

Bei Media-Leistungen und Geld soll es nicht allein bleiben, so Steinhoff. „Wir pflegen enge Kontakte zu den Spielzeugherstellern, da könnten sich natürlich auch Synergien für die Startups ergeben“. Ob auch ein Exit an den Sender möglich ist? „Das hängt natürlich vom Unternehmen selbst ab und ist durchaus denkbar – aber nicht das primäre Ziel.“

Die Vorbereitungen sind laut Steinhoff bereits weit fortgeschritten. „Mit einer ganzen Reihe an Startups haben wir bereits gesprochen.“ Mit einigen davon gebe es derzeit konkrete Gespräche, ein erster Deal stehe bereits vor der Tür. Worum es sich genau handelt, soll noch nicht verraten werden. Mit Startups wie Meine Spielzeugkiste, TollaboxWummelkiste, der App-Schmiede Fox and Sheep oder dem Kinderbücher-Abo von Librileo haben sich jedenfalls bereits eine ganze Reihe von Jungunternehmen auf dieses Feld ausgerichtet.

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Bei der Zusammenarbeit mit Startups soll es zunächst eine Testphase geben. Nach der werde entschieden, ob tatsächlich ein Investment folgen werde. Dabei werde der Preis für die Anteile vorher festgelegt. „Durch die Kooperation wird der Wert des Startups ja gesteigert“, erklärt Seuffert. „Es werden vorab konkrete Ziele für beide Seiten festgelegt. Wenn die erreicht werden, gibt es einen Vertrag.“ Erst dann komme auch das vereinbarte Media-Kontingent zum Tragen, mit Vertragslaufzeiten von zwei oder mehr Jahren.

Dass Mediadeals generell überbewertet seien, wie in der Vergangenheit mehrfach kritisiert wurde, wollen die Super-RTL-Leute so nicht stehen lassen. Man dürfe den langfristigen Effekt nicht vernachlässigen. „Man erzeugt durch TV-Werbung ein Grundrauschen, das auch auf Dauer Wirkung zeigt“, betont Seuffert.

Bild: Super RTL