„Die Masse muss doch jeden sehen“

Was macht ein junges Startup, wenn seine Geschäftsidee keine Unterstützung bei Crowdinvestingplattformen findet? Aufgeben? Falsch. Einfach eine eigene Plattform gründen? Genau das hat zumindest Mikail Yazici getan.

Der Diplom-Informatiker hat eine Geschäftsidee für einen App-basierten Lebensmittel-Einkaufsservice. Leute, die ohnehin gerade einkaufen, sollen die Besorgungen der Auftraggeber gleich mit erledigen. Yazici arbeitet einen Businessplan aus, gründet die Algel UG und geht damit zu drei großen Crowdfundingplattformen. Von allen dreien kommt jedoch eine Absage. Unter anderem heißt es zur Begründung, der Markt für Food-Themen sei schon gesättigt, außerdem gebe es bereits ausreichend Wettbewerber.

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Yazici lässt sich von seiner Idee jedoch abbringen: „Nur weil die das Potenzial nicht erkannt haben, heißt das nicht, dass die Idee nicht gut ist.“ Also gründet er kurzerhand eine eigene Plattform: Supercrowd.de. Auf der Website der Plattform heißt es: „Supercrowd ist ein Crowdinvesting-Plattform, auf der Investoren in unser innovatives junges Unternehmen Algel UG investieren können. Supercrowd.de wurde für die Finanzierung unseres Startups Algel UG gegründet.“

Im Gespräch mit Gründerszene bringt Yazici seinen Unmut gegenüber den großen Crowdinvesting Plattformen zum Ausdruck: „Bei Seedmatch und Companisto werden viele einfach ausselektiert, diese Plattformen sind eben nicht frei zugänglich. Die Masse muss doch jeden sehen – die Notwendigkeit einer Plattform, auf die jeder kann, ist gegeben.“

Und diese Plattform soll Supercrowd sein? „Bei Supercrowd.de musst du dir keine abschmetternden und aus der Bänker-Szene wohl bekannten Sätze wie: ‚Das geht doch nicht gut. Da ist doch kein Markt.‘ Etc. etc. anhören. Wenn du an deine Idee glaubst, tun wir es auch,“ ist auf der Website zu lesen. Die Motivation dahinter in allen Ehren, die Seriosität der Plattform bleibt jedoch fraglich. Rechtlich absichern will sich Algel über zwei Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer, etwas detaillierter wird Algel in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Dort heißt es unter anderem: Eine Prüfung der Wirtschaftlichkeit oder von Aussagen zu künftigen Erfolgschancen der Projektinitiatoren sowie der Startups findet durch Algel „ausdrücklich nicht statt“. Dazu erklärte Algel-Gründer Yazici: „Man investiert doch bei allen Plattformen auf eigene Gefahr.“

Screenshot von einer Facebook-Anzeige für Algel

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