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Stress um Super Popcorn, eine Berliner Kinoticket-App

Super Popcorn will die Online-Buchung von Kinotickets erleichtern – was in Bulgarien, dem Startmarkt der App laut Gründer und CEO Damir Bandalo bereits gut funktioniert. Doch in Deutschland eckt Super Popcorn an: Kinobetreiber hierzulande haben große Probleme mit der App, die Programme von Kinos sammelt, die in der Nähe des Nutzers liegen, sie Zeiten vergleichen und Eintrittskarten kaufen lässt.

Der App-Store findet die Idee super und empfiehlt Super Popcorn als „der schnellste und einfachste Weg, die besten Filme in den Kinos in deiner Nähe zu entdecken“. Warum sind also die Betreiber so verärgert?

Super Popcorn, das von dem Berliner Startup MT Mobile Ticketing betrieben wird, hat sein Buchungssystem über das der Kinobetreiber gestülpt. Wählt der App-Nutzer Film, Kino und Uhrzeit aus, wird zunächst der Saalplan angezeigt. Nach der Sitzplatzwahl und einem Login über Facebook oder E-Mail können Karten gekauft werden. Bei manchen Kinos wie der CineStar-Kette können Tickets allerdings eigentlich nur über Kunden-Accounts erworben werden – die App übernimmt die Erstellung eines Accounts dann automatisch für den Nutzer. Doch Super Popcorn hat offenbar keinen einzigen Kinobetreiber gefragt, ob es das überhaupt darf, wie Mediabiz zuerst berichtete.

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Kinobetreiber prüften deshalb bereits technische Gegenmaßnahmen und rechtliche Schritte, so Thomas Schülke, Marketingdirektor der Kinokette UCI gegenüber Mediabiz. Laut dem Artikel sollen Kinokarten bei Nutzung der App zudem signifikant teurer sein: Super Popcorn verlange offenbar eine Gebühr von einem Euro. Schülke sagt, nach erster Einschätzung von Experten verstoße die App zudem womöglich gegen Richtlinien der Kreditkartenunternehmen und es sei bedenklich, wie früh Kreditkartendaten abgefragt würden.

Vor allem aber sei es, so Schülke, äußerst ungewöhnlich, eine Kino-App an den Markt zu bringen, ohne vorher mit Kinobetreibern gesprochen zu haben. Auf Nachfrage von Gründerszene wollte Schülke sich nicht weiter zu den Vorwürfen äußern und verwies auf „Abstimmungsprozesse“, die derzeit liefen.

Ein großes Missverständnis?

Super-Popcorn-Mitgründer Damir Bandalo ist der Meinung, die Kritik resultiere aus Missverständnissen. „Wir sehen keine legalen Probleme mit der Funktionsweise unserer App“, so Bandalo gegenüber Gründerszene. Man habe das Produkt vor dem Start geprüft. Zudem verstehe er nicht, woher das Gerücht der hohen Mehrkosten komme: Super Popcorn berechne keine zusätzlichen Gebühren; die Kreditkartendaten würden so spät wie möglich abgefragt und weder auf den eigenen Servern prozessiert noch gespeichert.

Warum aber hat Super Popcorn nicht vorher mit den Kinobetreibern gesprochen? Bandalo erklärt dazu, unvorhergesehene Umstände hätten dazu geführt, dass der Launch in Deutschland mehr als zwei Monate vorgezogen werden musste. Die Verärgerung hat ihn überrascht: „Da wir Kunden ohne zusätzlich etwas zu berechnen in die Kinos bringen und die Systeme der Betreiber in keiner Weise belasten, habe ich niemals erwartet, dass unser Produkt ein Problem für sie sein könnte.“ Nun wolle man in den Dialog mit den Kinobetreibern treten, um die Missverständnisse aus der Welt zu schaffen.

Screenshot von Super Popcorn

Das Berliner Medienunternehmen DCM, das in Super Popcorn investiert hat und sechs Prozent der Anteile hält, will dabei helfen. Dario Suter, Managing Director von DCM, sagt: „Wie jedes Investment wurde auch dieses von uns vorab ausgiebig geprüft. Wir haben keinerlei juristische Bedenken. Etwas Illegales würden wir nie unterstützen und insbesondere in diesem Fall ist das vollkommen gegen unser Interesse hinsichtlich unserer Verbindung in die Kinowelt.“

Allerdings weiß er: „Junge Rechtsgebiete können manchmal zu Missverständnissen führen.“ Für DCM ist der Streit um Super Popcorn höchst brisant: Hauptsächlich ist Suters Unternehmen als Filmverleiher tätig – und daher auf gute Beziehungen zu Kinobetreibern angewiesen.

Point Nine Capital, mit etwa zwölf Prozent bei Super Popcorn investiert, hat ebenfalls keine rechtlichen Bedenken bei dem Modell, sondern sieht Vorteile für Kinobetreiber und das Startup. Es schaffe eine Win-Win-Situation für beide Parteien und bringe den Kinos neue Kunden ohne Mehrkosten.

Super-Popcorn-CEO Bandalo sagt, er sei von der großen Aufmerksamkeit überrascht gewesen, die das Produkt so schnell erhalten habe. Mit seinen Mitgründern Marko Ćurković und Ivan Kašić wird er nun wohl auf Schadensbegrenzung hoffen. Profitieren von der Diskussion kann in jedem Fall der 2014 gestartete Münchner Konkurrent Kinoheld – der hat von Anfang an die Kinobetreiber eingespannt.

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