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Die Synfioo-Gründer Anne Baumgraß, Andreas Meyer und Marian Pufahl (von links).

Die Logistikbranche gehört zu den umsatzstärksten Industrien weltweit. Tonnen von Lebensmittel und Konsumgüter werden täglich mit Lastwagen, Schiffen, Flugzeugen und Zügen von A nach B transportiert. Doch Staus, Streiks oder Sperrungen kosten Spediteuren Zeit und Geld. Ein kleines Startup aus Potsdam hat es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, eine digitalisierte Transportüberwachung aufzubauen.

Ziel von Synfioo ist es, Hindernisse frühzeitig zu erkennen und so die Transportzeiten zu verkürzen. „Es geht darum, dass wir Daten über Störungen aus verschiedenen Quellen sammeln und herausfinden, wie sie umfahren werden können“, erklärt Mitgründer Marian Pufahl. Mit einer 90-prozentigen Treffsicherheit könne Synfioo derzeit vorhersagen, dass eine Störung eintreten wird. Die Software soll im April 2017 auf den Markt kommen.

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Die Information stellt das Startup dem Kunden etwa zwei Stunden früher bereit. Dieses Zeitfenster reiche aus, damit ein Lastwagen beispielsweise eine alternative Route nehmen könne, sagt Pufahl. Doch woher nimmt Synfioo die Daten? Ein Teil davon komme von den Logistikunternehmen selbst. Die Spedition stellt beispielsweise die GPS-Daten seiner Fahrzeuge bereit. Außerdem bezieht das Startup auch öffentlich zugängliche Daten wie Wettervorhersagen oder Verkehrsmeldungen, darunter auch kostenpflichtige Informationen vom Navigationsanbieter TomTom und dem Kartendienstleister Here. Die Vorhersagen werden dann aus der Summe aller Daten gemacht.

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Auf die Idee kamen die Gründer während ihres Studiums am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam. Das niederländische Transportunternehmen Jan De Rijk hatte dort 2012 ein Forschungsprojekt begleitet, bei dem es auch um die Verbesserung der Transport-Überwachung ging. Anne Baumgraß, Andreas Meyer und Marian Pufahl entwickelten hier ihren Big Data-Ansatz. Der kam bei Jan De Rijk so gut an, dass die Studenten 2015 eine Firma gründeten. Jan De Rijk, der täglich 1.500 LKWs durch Europa bewege, sei der erste Kunde geworden, so der Gründer.

Bisher werde das Unternehmen noch aus dem Exist-Stipendium und aus eigener Tasche finanziert, erzählt Pufahl. Vergangene Woche gewann es zudem 5.000 Euro beim Bitkom Innovators‘ Pitch. Die erste Finanzierungsrunde ist laut dem Unternehmer schon in Planung.

Geld verdient das Unternehmen pro Fahrzeug-Überwachung. Die meisten Spediteure hätten 100 bis 1000 Frachten im Monat, erklärt Pufahl. Pro Fracht könne beispielsweise ein Euro für die Überwachung erhoben werden. Für mehr Fahrzeuge seien günstigere Paketpreise möglich. Zudem wolle man sich durch Projektgeschäfte ein weiteres Standbein aufbauen: Synfioo bietet Speditionen eine eigene Software an, um interne Prozesse zu optimieren.

Zwar sind Speditions-Startups wie FreightHub oder Rockets InstaFright.de, über die Frachtbuchungen und Analysen möglich sind, auf dem Markt aktiv. Allerdings wird derzeit keine Komplett-Überwachung der Transportwege angeboten, die Vorhersagen bieten. Lediglich TomTom oder Here bieten Stauvorhersagen. Eine Zusammenarbeit mit diesen Startups wie auch mit den Verkehrsdienstleistern sei durchaus denkbar, so der Gründer. Man befände sich bereits in Gesprächen mit anderen Unternehmen. Spruchreif sei davon aber noch nichts, sagt Pufahl.

Bild: Synfioo