lieferando lieferservice.de übernahme

Takeaway.com sammelt 103 Millionen US-Dollar ein

Der vor zwei Wochen vermeldete Verkauf des Berliner Lieferdienstvermittlers Lieferando ist offiziell: Wie beide Unternehmen mitteilten, übernimmt Takeaway.com, die niederländische Mutter von Lieferservice.de, den Dienst. Beide Marken sollen auf dem deutschen Markt zusammengelegt werden. Welche Marke dafür verschwinden muss, sei noch nicht entschieden, erklärte Lieferando-Mitgründer Jörg Gerbig gegenüber Gründerszene. Bis dahin sollen beide Dienste parallel bestehen bleiben. Gerbig versicherte, es werde keine Entlassungen geben.

Update, 11. April 2014: Am Tag nach der offiziellen Bekanntgabe werden weitere Details bekannt: Wie Reuters berichtet, soll Takeaway.com den „Großteil“ der jüngst eingesammelten Summe von 103 Millionen US-Dollar dafür verwendet haben, Lieferando zu übernehmen sowie bisherige Geldgeber wie die Förderbank KfWMountain Super Angel sowie SevenVentures herauszukaufen. Inbesondere für die ProSiebenSat.1-Tochter scheint damit das Engagement bei Lieferando nur von kurzer Dauer gewesen zu sein. Nach Gründerszene-Informationen stieg SevenVentures erst im Dezember 2013 ein. Vor dem Hintergrund des Grubhub-Börsengangs wies Lieferando-Mitgründer Jörg Gerbig Spekulationen um einen IPO von Takeaway.com von sich. Dies sei „Zukunftsmusik“.

Die erste Version des Artikels erschien am 10. April.

Außerdem wurde der polnische Ableger von Lieferando, Pyszne.pl, übernommen. Takeaway.com ist damit nach eigenen Angaben in insgesamt zehn Märkten aktiv.

Zum Preis der Akquisition machten die Unternehmen keine Angaben. Aus Firmenkreisen hieß es Ende März, die Übernahme koste mehr als 50 Millionen Euro.

Anzeige
Das dafür nötige Kapital bekommt Takeaway.com über eine frisch abgeschlossene Finanzierungsrunde über 103 Millionen US-Dollar, die von Macquarie Capital und Prime Ventures getragen wird. Macquarie war auch einer der größten Geldgeber von Lieferando. Im Frühsommer 2012 war der australische Investor mit 20 Millionen US-Dollar bei dem Berliner Lieferdienstvermittler eingestiegen. Zuletzt sei Macquarie mit dessen Geschäftsentwicklung allerdings nicht zufrieden gewesen, heißt es aus dem Unternehmensumfeld. Gegenüber Gründerszene dementiert das Lieferando-Mitgründer Gerbig allerdings.

Im Anschluss an die Zusammenführung soll das Management-Team von Lieferando Führungspositionen bei Takeaway.com übernehmen. „Wir sind erfreut uns einer gründergesteuerten, ähnlich denkenden Firma anzuschließen“, lassen sich die Lieferando-Gründer Christoph Gerber, Jörg Gerbig und Kai Hansen in einer Mitteilung zitieren.

Takeaway.com-CEO Jitse Groen teilt mit: „Lieferando ist ein tolles Unternehmen, mit dem vermutlichen besten Produkt im Business.“ Beide Lieferdienstvermittler sollen nach Unternehmensangaben inzwischen profitabel sein.

Groen sah schon vor einigen Monaten eine Konsolidierung im deutschen Markt voraus. Es gebe hierzulande „inzwischen zu viel Wettbewerb“, sagte er der Internet World und bezog sich dabei vor allem auf die Konkurrenten Lieferheld und Lieferando. „Die geben sehr viel Geld für sehr wenig Umsatz aus.“ Nach Angaben von Brancheninsidern ist Pizza.de in Deutschland Marktführer, gefolgt von Lieferheld (Delivery Hero), Lieferando und Lieferservice.de.

Lieferando wurde 2009 unter dem Namen Yourdelivery gegründet. Seit 2011 heißt der Lieferdienst Lieferando. Erst im Dezember hatte der Dienst laut Handelsregister den ProSiebenSat.1-Beteiligungsarm SevenVentures als neuen Investor gewonnen. Zuvor gab es fünf Finanzierungsrunden mit Investments von insgesamt über 20 Millionen Euro bei dem Berliner Startup.

Mitarbeit: Alex Hofmann, Georg Räth

Bild: © panthermedia.net/Zorka Vuckovic